Mit 53 geht Kelly Benthall in Rente und reist um die Welt. Doch erst auf Bali erkennt sie, warum ihr trotz Freiheit etwas fehlt.
Mit 53 geht Kelly Benthall in den Ruhestand und reist um die Welt. Doch die erhoffte Erfüllung bleibt aus. Bis eine Begegnung auf Bali ihr zeigt, was ihr fehlt.
Mit 53 Jahren geht Kelly Benthall in den Ruhestand. Gemeinsam mit ihrem Mann Nigel reist sie seitdem langsam durch Australien, Neuseeland und Bali. Sie mieten Wohnungen, bleiben mehrere Wochen und versuchen, möglichst wie Einheimische zu leben. Für viele Menschen ist genau das ein Lebenstraum.
Auch Benthall erwartet zunächst, dass der frühe Ruhestand und das Reisen sie vollständig erfüllen würden. Doch trotz eindrucksvoller Orte und großer Freiheit fehlt ihr etwas. Erst später erkennt sie, was es ist: echte Verbundenheit mit den Menschen und dem Alltag vor Ort.
Kellys Erkenntnisse in der Übersicht:
Wie Kelly in einem persönlichen Beitrag für Business Insider schreibt, entsteht dieses Gefühl nicht automatisch durch längere Aufenthalte. Entscheidend sei, selbst auf andere zuzugehen und sich aktiv einzubringen.
Der Wendepunkt kommt während eines Aufenthalts im balinesischen Küstenort Sanur. Ein Nachbar lädt das Paar zu einer Familienfeier anlässlich eines traditionellen Übergangsrituals seines Sohnes ein. Benthall zögert zunächst. Sie fürchtet, als ausländischer Gast Umstände zu machen.
Ihr Mann überzeugt sie, zumindest kurz vorbeizuschauen. Aus dem geplanten Höflichkeitsbesuch wird ein gemeinsamer Abend mit Essen, Karaoke und hausgemachtem Tuak, einem leicht vergorenen Getränk aus Palmensaft.
Später sagt Benthall zu ihrem Mann:
„Es war kein Karaoke. Es war Gemeinschaft.“
Die Begegnung führt ihr vor Augen, dass sie auf früheren Stationen häufig Zuschauerin geblieben war. In Sydney besuchte das Paar bekannte Orte, fuhr mit der Fähre durch den Hafen und sammelte eindrucksvolle Fotos. Persönliche Kontakte entstanden dabei kaum.
Anders war es in Christchurch, Neuseeland. Dort halfen beide für einen Nachmittag bei einem Freiwilligenprojekt, das junge heimische Bäume schützen sollte. Obwohl sie nur wenige Worte mit anderen Helfern wechselten, fühlte sich Benthall der Stadt anschließend stärker verbunden.
Auch regelmäßige Besuche in einem Café und Spaziergänge im selben Viertel schufen Vertrautheit. Als ein Bewohner sie mit „Hallo, Nachbarin“ begrüßte, empfand sie das als besondere Anerkennung.
Benthalls Schlussfolgerung: Langsames Reisen schafft zwar Zeit, aber noch keine Zugehörigkeit. Erst wiederholte Begegnungen, ehrenamtliche Aktivitäten und die Teilnahme am Alltag verwandeln einen Urlaubsort vorübergehend in ein Zuhause.
Für eine geplante fünfmonatige Südamerikareise achtet das Paar deshalb nicht mehr nur auf Miete, Klimaanlage und Waschmaschine. Ebenso wichtig sind künftig lokale Cafés, offene Nachbarschaften und Möglichkeiten, sich einzubringen. Nicht der Ort allein bestimmt demnach die Qualität einer Reise, sondern die Bereitschaft, Teil seines Lebens zu werden.