Lange Wartezeiten, verpasste Flüge und überforderte Passagiere: Mit dem neuen Ein- und Ausreisesystem EES bestätigen sich die schlimmsten Befürchtungen der Branche.
Lange Wartezeiten, verpasste Flüge und überforderte Passagiere: Mit dem neuen Ein- und Ausreisesystem EES bestätigen sich die schlimmsten Befürchtungen der Branche.
Der 10. April stand in den Agenden der europäischen Flughafenbetreiber dick rot eingekreist. Denn an jenem Tag wurde das europäische Ein- und Ausreisesystems EES vollständig eingeführt. Schon früh warnten sie, dass der Zeitplan überaus sportlich sei. Denn die Umsetzung erfordert nicht nur organisatorische Änderungen an den Flughäfen, sondern auch technische Installationen.
Die Branchenverbände ACI Europe, Airlines for Europe A4E und Iata prophezeiten erhebliche Verzögerungen für Passagiere durch die Einführung des EES. Bereits im Testbetrieb sei es zu Wartezeiten von bis zu zwei Stunden an den Grenzkontrollen gekommen. Als Ursachen nannten sie Personalmangel bei der Grenzabfertigung, technische Probleme sowie die geringe Nutzung der Vorregistrierungs-App.
Easyjet wies darauf hin, dass man Reisende warne, frühzeitig am Flughafen zu sein und mehr Zeit einzuberechnen als üblich. Dennoch seien die Warteschlangen in Mailand-Linate „inakzeptabel“ gewesen. Einige Reisende berichteten dem Rundfunkanbieter BBC, dass sie sich übergeben mussten und ohnmächtig wurden.
Das Einreise-/Ausreisesystem EES erfasst sämtliche Grenzübertritte von Reisenden aus Staaten die nicht dem Schengen-Raum angehören digital - also der 25 EU-Mitgliedstaaten plus Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Es speichert sie zentral. Neben Angaben wie Name und Passnummer werden auch biometrische Daten hinterlegt, etwa Fingerabdrücke und ein Gesichtsbild. Damit sollen Identitätskontrollen zuverlässiger, Missbrauch eingedämmt und Aufenthaltsdauern präzise nachvollzogen werden.