Der Krieg im Nahen Osten verändert die Reisepläne der Reichen. Statt nach Dubai zieht es viele Luxusurlauber plötzlich nach Mallorca. Makler berichten von stark steigender Nachfrage.
Der Krieg im Nahen Osten verändert die Reisepläne der Reichen. Statt nach Dubai zieht es viele Luxusurlauber plötzlich nach Mallorca. Makler berichten von stark steigender Nachfrage.
Der Krieg im Nahen Osten hat einen überraschenden Nebeneffekt – und der spielt sich ausgerechnet auf Mallorca ab. Wohlhabende Urlauber, die eigentlich Luxusferien in Dubai geplant hatten, suchen plötzlich Villen auf der Baleareninsel.
Immobilienmakler berichten von einer sprunghaften Nachfrage mit Mietpreisen von bis zu 100.000 Euro pro Woche. Für Mallorca könnte das kurzfristig ein Geschäft sein, langfristig jedoch ein neues Problem.
Die Auswirkungen der geopolitischen Lage sind auf der Insel offenbar bereits spürbar. Besonders im hochpreisigen Segment steigt die Nachfrage nach exklusiven Villen deutlich.
„Wir beobachten seit den jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten eine deutlich erhöhte Nachfrage nach Luxusmietobjekten auf Mallorca“, sagt der auf Luxusimmobilien spezialisierte Makler Marcel Remus im Gespräch mit FOCUS online.
Die Zahl der Anfragen sei teilweise sogar „um ein Vielfaches im Vergleich zu einem normalen Frühjahr“ gestiegen, so Remus. Besonders gefragt sind ihm zufolge Aufenthalte rund um Ostern und Pfingsten.
Nach Angaben des Maklers kommen tatsächlich Touristen, die ursprünglich andere Luxusdestinationen im Blick hatten. „Wir erhalten vermehrt Anfragen von Kunden, die ursprünglich geplant hatten, ihren Urlaub in Dubai zu verbringen oder dort zu investieren“, so Remus.
Viele der Interessenten suchten kurzfristig Alternativen in Europa – und Mallorca stehe ganz oben auf der Liste. „Aufgrund der Infrastruktur, der Sicherheit und der hochwertigen Immobilien gehört die Insel zu den attraktivsten Optionen“, erklärt der Makler. Viele Kunden würden bewusst wieder auf Mallorca setzen: „Back to the roots, back to Mallorca.“
Die Budgets im Luxussegment sind entsprechend hoch. „Für exklusive Villen in Toplagen wie Son Vida, Puerto Andratx oder Santa Ponsa sehen wir aktuell Mietbudgets von bis zu 100.000 Euro pro Woche oder mehr“, sagte Remus. Besonders bei kurzfristigen Buchungen für die kommenden Monate seien solche Preise möglich.
Ein Beispiel aus der Praxis liefert der Makler selbst: „Mein eigenes Haus ‚Villa Remus‘ in Son Vida habe ich diese Woche an Schweizer Kunden vermietet, die kurz nach Ostern für zehn Tage einziehen.“ Der Preis: 2800 Euro pro Nacht.
Auch Immobilienverbände auf den Balearen beobachten eine neue Dynamik. Nach Angaben des Präsidenten der balearischen Maklerkammer, José Miguel Artieda, gibt es bereits Interessenten, die nach Villen im Wert von zwei bis fünf Millionen Euro suchen. Teilweise sogar Käufer, die zuvor Immobilien in Dubai ins Auge gefasst hatten.
Dass internationale Krisen der Insel zusätzliche Gäste bringen, ist kein neues Phänomen. „Mallorca hat in der Vergangenheit immer wieder davon profitiert, wenn internationale Unsicherheiten zunehmen“, sagt Remus. Die Insel gelte als besonders sicher, sei hervorragend erreichbar und biete eine hohe Lebensqualität.
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Damit spielt die aktuelle Situation auch der Politik auf Mallorca in die Karten. Denn schon seit Jahren versuchen die Verantwortlichen, den Tourismus stärker auf zahlungskräftige Gäste auszurichten – weg vom Massentourismus, hin zu höherem Umsatz pro Besucher. Dabei könnte auch eine neue Flugverbindung eine Rolle spielen: Noch in diesem Jahr soll eine Direkt-Verbindung zwischen Palma und Abu Dhabi starten.
Die Strategie zeigt offenbar bereits Wirkung. Luxusvillen, Fincas und Immobilien in Toplagen gehören seit Jahren zu den begehrtesten Zweitwohnsitzen Europas. Die Preise im Luxussegment sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Der neue geopolitische Konflikt könnte diesen Trend weiter beschleunigen.
Gerade vermögende internationale Kunden würden in unsicheren Zeiten gezielt nach Mallorca ausweichen. „Im Jahr 2026 ist Sicherheit die wertvollste Währung der Welt“, so Remus.
Für die Wirtschaft der Insel sind wohlhabende Gäste zunächst ein Gewinn. Luxusurlauber geben deutlich mehr Geld aus als klassische Pauschaltouristen.
Doch Mallorca kämpft bereits seit Jahren mit einem angespannten Immobilienmarkt. Wohnungen sind für viele Einheimische kaum noch bezahlbar, während internationale Käufer in begehrten Lagen immer höhere Preise zahlen. Viele Bewohner klagen zudem über steigende Lebenshaltungskosten und überlastete Infrastruktur. In den vergangenen Jahren kam es deshalb immer wieder zu Protesten gegen Overtourism und die Immobilienkrise.
Wenn nun zusätzlich vermögende Gäste aus aller Welt auf Mallorca ausweichen – und möglicherweise auch Immobilien kaufen – könnte sich dieser Druck weiter erhöhen.
Mallorca könnte also erneut zum Gewinner einer internationalen Krise werden. Die entscheidende Frage ist jedoch: Wie viel Boom kann die Insel überhaupt noch verkraften?