Die Traumreise in den Orient wird für tausende Deutsche zum Albtraum. Drohnen-Angriffe versetzen auch Passagiere der "Mein Schiff 5" in Doha in Angst. Eine Urlauberin berichtet exklusiv und fleht die Bundesregierung um Hilfe an.
Die Traumreise in den Orient wird für tausende Deutsche zum Albtraum. Drohnen-Angriffe versetzen auch Passagiere der "Mein Schiff 5" in Doha in Angst. Eine Urlauberin berichtet exklusiv und fleht die Bundesregierung um Hilfe an.
Eine Passagierin der "Mein Schiff 5", die anonym bleiben möchte, schildert die beklemmende Atmosphäre im Hafen von Doha. Sie schickte der Redaktion ein Video, das zeigt, wie eine iranische Drohne in der Nacht von Samstag auf Sonntag direkt über dem Schiff abgeschossen wird.
Die Lage an Bord ist angespannt: "Gestern Abend wurden viele Drohnen abgewehrt. Viele hatten und haben Angst", berichtet die Passagierin. "Die Drohnenangriffe waren sehr einschüchternd. Passagiere sind in Tränen ausgebrochen und waren völlig fertig. Wir fühlen uns gerade ziemlich hilflos und allein gelassen."
Zwar gab es am Sonntagmorgen keine sichtbaren Kriegshandlungen mehr, doch die Ruhe ist trügerisch. "Dafür ist viel Militär vor Ort. Hubschrauber und ein Kriegsschiff befinden sich in der Nähe der 'Mein Schiff 5'", so die Deutsche. Ein erneuter Handyalarm am Morgen sorgte für zusätzliche Panik unter den Reisenden.
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An einen normalen Kreuzfahrtbetrieb auf der "Mein Schiff 5" - 295 Meter lang, Platz für 2534 Passagiere - ist nicht mehr zu denken. Das offenbar ausgebuchte Schiff fungiert für die Gäste derzeit als goldener Käfig ohne Ausgang. Die Sicherheitsvorgaben von Tui Cruises sind strikt: Die Passagiere dürfen das Schiff nicht verlassen, die Landausflüge wurden gestoppt.
"Versteht mich nicht falsch… für den Krieg kann keiner etwas und natürlich ist das Wichtigste, heile nach Hause zu kommen. Aber es ist ja kein Urlaub mehr, auch dadurch, dass man sozusagen auf dem Schiff eingesperrt ist und nicht mal in den Pool kann. Es ist wie ein Gefängnis", berichtete die Passagierin gegenüber FOCUS online.
Sogar die privaten Balkone sollen offenbar nicht mehr genutzt werden. Um die Stimmung der verängstigten Urlauber zu retten, versucht die Crew, Normalität zu simulieren – für die Zeugin ein vergeblicher Versuch: "Sie versuchen durch BBQs an Deck die Stimmung aufzuhelfen. Lächerlich in meinen Augen."
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Ein großes Problem an Bord ist die Kommunikation nach außen. Während die Passagierin dank einer vorab aktivierten E-Sim Kontakt halten kann, sind viele andere isoliert. "Die meisten Passagiere haben kein Internet und wenn, müssen sie es teuer erkaufen."
Zwar beteuern Kapitän und Kreuzfahrtdirektor regelmäßig, in Kontakt mit der deutschen Botschaft zu stehen, doch konkrete Lösungen fehlen laut der Passagierin. Die Verzweiflung wächst und mündet in einem direkten Appell: "Wir möchten so schnell wie möglich nach Hause. Wir sitzen in Doha fest. Helft uns, holt uns zurück nach Deutschland."
Doch dieser Hilferuf findet in der Bundesregierung derzeit kein Gehör. Außenminister Johann Wadephul (CDU) erteilte solchen Hoffnungen im Interview mit der "Bild"-Zeitung bereits eine Absage. Eine militärische Evakuierung werde man "nicht machen können", da die Lufträume insgesamt geschlossen seien. Statt einer Rückholung setzt Berlin lediglich auf "Informationsangebote und konsularische Unterstützung".
Wann eine Ausreise für die Betroffenen wieder möglich sein wird, ist laut Wadephul derzeit nicht absehbar. Für die Passagiere der "Mein Schiff 5" bedeutet das: Warten im Krisengebiet, während draußen das Militär patrouilliert.
Warum Tui Cruises sich entschieden hat, überhaupt noch Touren in der Region zu fahren, ist offen. Als in der vergangenen Woche eine Eskalation absehbar war, schrieb das Unternehmen auf Anfrage von FOCUS online lediglich: "Wir beobachten die Entwicklungen in der Region sehr aufmerksam und stehen in engem Austausch mit den zuständigen Behörden sowie den Sicherheitsabteilungen unserer Mutterkonzerne." Man prüfe die Routenplanung "fortlaufend".
Aida, das andere große Kreuzfahrtunternehmen, reagierte anders und fuhr zuletzt keine Touren mehr in der Region – auch aus Sicherheitsgründen. Dass Tui diesem Beispiel nicht gefolgt ist, sorgt für Kritik: In dem Kreuzfahrtforum "Pooldeck" fragte ein Nutzer: "Warum geht es bei Tui nur immer um Profit anstatt um Menschenleben? Andere Reedereien konnten sich zurückziehen, nur Tui nicht ... mir ist dieses Unternehmen einfach zuwider geworden."
Auch an der Kommunikation des Unternehmens entspinnt sich dort Kritik: "Laut Tui solle man davon absehen, sich wegen Abfahrten über den 2.3. hinaus zu informieren. Die sind witzig. Natürlich ist das alles in erster Linie für alle direkt betroffenen Menschen schlimm, aber zwecks Planungssicherheit möchte man doch jetzt wissen, ob man schon mit Sicherheit umplanen kann, nach einem alternativen Urlaub schauen, zum Beispiel Kanaren."
Auf erneute Anfrage bei Tui am Samstag verwies das Unternehmen lediglich auf eine Stellungnahme auf der Website. Nicht beantwortet wurden die konkreten Nachfragen, auf welcher Grundlage man sich entschieden hat, bis zuletzt Touren zu fahren und welche konkreten Sicherheitsmaßnahmen es an Bord gibt. Offen bleibt zudem, wie viele Tui-Touristen insgesamt betroffen sind.
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