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Kultur-Haushalt 2027: Bund plant Kürzungen bei Musikförderung – auch Saar-Künstler könnten Folgen spüren

Дата публикации: 31-07-2026 09:39:00




Für das kommende Haushaltsjahr plant Bundeskulturminister Wolfram Weimer unter anderem massive Kürzungen bei der Pop- und Musikförderung. Für die Initiative Musik soll es 22 Prozent weniger geben. Auch saarländische Künstler erhalten Förderungen aus diesem Programm. Kürzungen schwächen die Vielfalt in der Musik, warnen Experten aus dem Saarland.



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Kultur-Haushalt 2027 Bund plant Kürzungen bei Musikförderung – auch Saar-Künstler könnten Folgen spüren

Saarbrücken · Für das kommende Haushaltsjahr plant Bundeskulturminister Wolfram Weimer unter anderem massive Kürzungen bei der Pop- und Musikförderung. Für die Initiative Musik soll es 22 Prozent weniger geben. Auch saarländische Künstler erhalten Förderungen aus diesem Programm. Kürzungen schwächen die Vielfalt in der Musik, warnen Experten aus dem Saarland.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer plant im kommenden Haushaltsjahr massive Kürzungen im Bereich der Pop- und Musikkultur.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer plant im kommenden Haushaltsjahr massive Kürzungen im Bereich der Pop- und Musikkultur.

Foto: Georg Wendt/dpa/Georg Wendt

Massive Kürzungen bei der Filmförderung sowie bei der Pop- und Musikförderung. Das sind im Grunde genommen die Eckpfeiler des Kulturetats, wie ihn Bundeskulturminister Wolfram Weimer (parteilos) für das kommende Haushaltsjahr 2027 vorgestellt hat. So will er etwa die Bundesmittel für das Hamburger Reeperbahn-Festival von ehemals sechs Millionen auf rund die Hälfte kürzen. Bei der Förderstelle Initiative Musik sind Budgetkürzungen von knapp 22 Prozent vorgesehen, von 19 Millionen in 2026 auf 15 Millionen in 2027. Der Festival-Förderfonds soll um die Hälfte auf zwei Millionen gekürzt werden, massive Einsparungen sind ebenfalls beim Deutschen Musikrat sowie beim Amateurmusikfonds geplant.

Weimer begründet die geplanten Kürzungen mit den allgemeinen Haushaltsvorgaben des Bundes. Kritiker und Branchenverbände bemängeln allerdings, dass der Kulturminister auch eine Umverteilung auf traditionsreichere Kulturformen anstrebt: So sollen die Bayreuther Festspiele trotz Sparplan im kommenden Jahr eine Million mehr erhalten. Lars Potyka und Pascal Hector von „Dock 11“ bezeichnen Weimers Pläne als „extrem traurig“. Als saarländische Wirtschaftsförderungsplattform für die Kreativbranche versteht sich Dock 11 als Schnittstelle zwischen Künstlern, Kreativwirtschaft und Politik. Potyka und Hector wissen: Für Künstler und Künstlerinnen, aber auch Institutionen im Saarland seien Förderungen aus dem Topf der Initiative Musik „extrem wichtig“.

Förderungen der Initiative Musik gehen häufig auch ins Saarland

Gerade hat etwa das „Block Party“ Hip-Hop-Festival für Nachwuchskünstler in St. Wendel eine Förderung in Höhe von 38.605 Euro erhalten. 2024 etwa haben die Musikclubs Sektor Heimat am Saarbrücker Osthafen und Studio 30 Förderungen für die Neuanschaffung von Bühnentechnik erhalten. Und immer wieder erhalten saarländische Bands und Musiker kleinere Förderungen für Promoaktivitäten, Albumaufnahmen oder auch Tourorganisation. In der aktuellen Förderrunde sind das etwa die Bands „Lumbematz“ und „The Feelgood McLouds“.

Pascal Hektor (von links), Kathrin Lambert und Lars Potyka von Dock 11 kümmern sich um die Förderung und Unterstützung der Kreativbranche im Saarland.

Pascal Hektor (von links), Kathrin Lambert und Lars Potyka von Dock 11 kümmern sich um die Förderung und Unterstützung der Kreativbranche im Saarland.

Foto: Dock 11

Solche Förderungen seien für Künstler heute essenziell, sagt Potyka. „Heute gehst du nicht mehr zu einem Label, unterschreibst einen Vertrag und fängst dann an, ein Album zu produzieren“, sagt er. Stattdessen müsse man schon einiges mitbringen, um bei einem Label unterzukommen: Eine oder besser zwei aufgenommene Platten, eine Fanbase. „Du musst dich schon selbst als Marke aufgebaut haben“, sagt Potyka. Für viele Nachwuchstalente sei das eine enorme finanzielle Herausforderung. Und eine Förderung in diesem Kontext umso wichtiger.

Förderung ist nicht mehr nur für Nachwuchstalente relevant

Nicht nur für Nachwuchstalente seien die Förderungen aus der Initiative Musik relevant, gibt Pascal Hector zu bedingen. Heute sei alles „so teuer“ geworden, Produktionsbedingungen derart „schwierig“, dass es sich auch bereits etablierte Bands ohne Förderung teilweise überhaupt nicht leisten könnten, ein Album aufzunehmen oder eine Tour zu machen. Für eine Förderung durch die Initiative Musik muss man ohnehin noch 40 Prozent Eigenmittel aufbringen.

Nun könnte man ja argumentieren: Was sich ohne Förderung nicht behaupten kann, hat vielleicht keine Daseinsberechtigung am Musikmarkt. Lars Potyka und Pascal Hector sehen das kritisch. „Der Mittelbau in allen Kreativmärkten bricht seit einigen Jahren komplett weg“, sagt Potyka. Will heißen: Der Fokus liegt auf jenen Bands und Musikern, die richtig groß sind, richtig viel Geld abwerfen. Die werden von Plattenfirmen, Labels und Co. noch größer gemacht, sodass sie noch mehr Geld abwerfen. Schon für Talente aus dem mittleren Segment werde es immer schwerer, sich am Markt zu behaupten. Für Bands und Musiker mit kleinem Bekanntheitsgrad sei es gar unmöglich. Wenn die irgendwann keine Möglichkeit mehr hätten, auf Förderungen zurückzugreifen, drohe eine noch stärkere Vereinheitlichung und stilistische Verarmung des Musikmarktes. „Irgendwann wird es dann nur noch Mainstream geben“, sagt Potyka.

Das bedeutet das Reeperbahn-Festival für Saar-Nachwuchsmusiker

Wie genau sich die von Kulturstaatsminister Weimer geplanten Kürzungen auf die Förderstruktur der Initiative Musik auswirken, könne man bisher nicht sagen. Da sind sich Hector und Potyka einig. Einig sind sie sich aber auch in dem Punkt, dass es ein völlig falsches Zeichen ist. Mit Sorge blicken sie auch Richtung Reeperbahnfestival. Wie schon im vergangenen Jahr richten sie dort im September einen Showcase mit saarländischen Musik-Talenten aus, denen dort die Möglichkeit zur Vernetzung in der Musikbranche geboten werden soll. Denn das Reeperbahnfestival ist nicht primär ein Publikumsfestival, sondern ist ein zentrales Vernetzungsevent für Popkultur und die internationale Musikwirtschaft.

Das Festival zähle zu den wichtigsten seiner Art, sagt Potyka, „in den letzten 20 Jahren haben die da wirklich was aufgebaut“. Die massive Mittelkürzung werde dort sicherlich zur Verkleinerung, zur Verschmälerung des Programms führen. „Und dann kommen weniger Leute, was zu weniger Sichtbarkeit für die Musiker führt“, sieht Potyka voraus. „Wer das Reeperbahn-Festival schwächt, schwächt den Musikstandort Deutschland“, hatte auch der für die Kreativwirtschaft zuständige Sprecher der Hamburger SPD-Fraktion, Hansjörg Schmidt, gesagt. Weimer hingegen fordert jetzt eine stärkere finanzielle Beteiligung der Stadt Hamburg an dem Festival. (jos)

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