80 Musiker aus verschiedenen Ländern waren bei der 22. International Jazzwerkstatt in Saarwellingen dabei. Beim Abschlusskonzert standen Profis und Amateure gemeinsam auf der Bühne. Dann sang Marleen – und eroberte die Herzen des Publikums.
Saarwellingen · 80 Musiker aus verschiedenen Ländern waren bei der 22. International Jazzwerkstatt in Saarwellingen dabei. Beim Abschlusskonzert standen Profis und Amateure gemeinsam auf der Bühne. Dann sang Marleen – und eroberte die Herzen des Publikums.
Vom harten Üben bis zum Happening: Was 80 Menschen aus den verschiedensten Ländern an Tagen gemeinsamen Lernens, Musizierens und Feierns erlebt haben, hat das Abschlusskonzert auf dem Campus Nobel in Saarwellingen erahnen lassen. Drei Generationen standen drei Stunden auf der Bühne. Zwei Dutzend Stücke wurden gespielt. Das Publikum spürte den guten Geist der 22. International Jazzwerkstatt und bedankte sich trotz der Hitze mit reichlich Applaus.
Neben dem Unterricht an Instrumenten und Stimmen wurde in den Workshops ein Auftritt in einer Combo einstudiert. Das war nun zu hören und zu sehen. Die einen mit Lampenfieber, die anderen ganz cool, alle – vom Anfänger bis zur „Rampensau“ – genossen ihren Auftritt.
Höhepunkt der Jazzwerkstatt war das gemeinsame Spielen in einer Combo
Viele lachten glücklich, anderen war die Anspannung noch nach dem Auftritt ins Gesicht geschrieben. Zu erkennen war das ganze Gefühlsspektrum vom Stolz auf die eigene Großartigkeit bis zum Beim-nächsten-Mal-klappt’s-bestimmt-besser-Vorsatz. Die Dozenten gaben als Bandleader oder Mitspieler, vor allem in der Rhythmusgruppe Richtung, Halt und Struktur.
Amateure und Profis spielten gemeinsam
Amateure und Profis spielten in Konzertatmosphäre zusammen. Alle wurden ernst genommen, respektvoll behandelt und mit Beifall bedacht. Großen Anteil am Erfolg aller Konzerte hatte Wolfgang Hessert am Mischpult – ohne sein Zutun wäre mancher Auftritt danebengegangen.
Die Kulturmanagerin Cornelia Rohe zog ein positives Fazit. Die Konzerte seien alle sehr gut besucht und die Programme abwechslungsreich gewesen. „Die Dozenten sind sich einig, dass das Niveau immer höher wird“, sagte Rohe. Sie dankte den zahlreichen Helferinnen und Helfern, Quartiergebern, Köchinnen und Fahrern, dem Gemeinderat, Sponsoren, dem Landkreis für die Bereitstellung der Schule für die Workshops und der Familie Arweiler, welche die Werkshalle für die Konzerte zur Verfügung stellte.
Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern
Der angesprochene gute Geist zeigte sich unter anderem darin, dass Dozenten ihre Kinder auftreten ließen. Jonas Müller, Sohn des Saxofonisten Johannes Müller, spielte beim Ensemble Boys from Ipanema mit, seine Tochter Marleen sang – einfühlsam von Thilo Wagner am Flügel begleitet – „Somewhere over the Rainbow“ ebenso anrührend wie stimmsicher, wofür es den größten Applaus des Abends gab.
Cosmo Hart, Sohn des Schlagzeugers und Vibraphonisten Jim Hart, spielte Trompete und Frieda Glaszmann, Tochter des Bassisten Ulrich Glaszmann, Violine, wobei ihr stolzer Vater mitteilte, dass sie ein Stück auf Basis von Miles Davis‘ „So What“ selbst arrangiert habe.
Wiederhören mit bekannten Ohrwürmern
Die für diesen einen Abend zusammengestellten Bands mit meist lustigen Namen spielten überwiegend Jazz-Standards, gesungen wurden bekannte Songs und Balladen. Zum Auftakt unter der Ägide des Gitarristen Nicolas Meier war ein (ansonsten im Festival kaum vertretener) Blues von einem Gitarrenensemble zu hören.
Dem Publikum, in dem Experten, treue Fans und (bei freiem Eintritt) „Einfach-mal-Hingeher“ saßen, kam das Programm entgegen. Das war kein Abend für Experimente.
Bei den vorangegangenen Konzerten hätte man sich jedoch etwas mehr Mut zur Abweichung vom wohlgefälligen Mainstream gewünscht, bei aller Professionalität etwas mehr Unbekümmertheit, eine Brise Avantgarde vielleicht. Die Künstler hätten das Zeug dazu, die Fans das Interesse.
Nächstes Konzert ist das Bigband-Meeting mit Jailhouse Bigband & Silent Explosion Orchestra am 14. August, 19 Uhr, in der Campus Nobel Werkshalle, Alfred-Nobel-Allee, Saarwellingen. Zu Gast sind dann auch Three Tenors – Gilad Atzmon, Tony Lakatos und Johannes Müller – unter dem Motto „100 Years of John Coltrane“. Tickets zu 25 Euro (ermäßigt 15 Euro) an der Infotheke des Rathauses oder online über www.ticket-regional.de. Restkarten gibt es auch an der Abendkasse. (jen/hck)