Ex-Fifa-Kontrolleur Joseph Weiler attackiert Gianni Infantino im Fall Balogun scharf – und nennt den Skandal die „schimmelige Kirsche“ der Fifa.
Ex-Fifa-Kontrolleur Joseph Weiler attackiert Gianni Infantino im Fall Balogun scharf – und nennt den Skandal die „schimmelige Kirsche“ der Fifa.
Der Fall Balogun beschäftigt weiterhin die Fußball-Welt. Nun hat sich ein ehemaliger Fifa-Verantwortlicher zu Wort gemeldet und Präsident Gianni Infantino scharf kritisiert.
„Das gibt einen guten Einblick in Gianni Infantinos Führungsstil“, sagte Joseph Weiler, ein früheres Mitglied der Governance-Kommission des Weltverbandes.
„Es passieren noch viele andere schlimme Dinge in der Fifa. Balogun ist nur die schimmelige Kirsche auf einem vergammelten Kuchen“, so der US-Rechtsprofessor im Gespräch mit der „Zeit“. Welche „anderen Dinge“ das sind sagt Weiler nicht.
Weiler widersprach der Erklärung Infantinos, wonach die Fifa-Kommission unabhängig vom Verbandsboss und seinem engen Draht zu Trump entschieden habe, deutlich. „Was in Infantinos Statement bezeichnenderweise fehlte: eine klare Verurteilung dieses Vorfalls.“
Infantino hatte in einem Statement erklärt, der „Respekt vor unabhängigen Institutionen und der Rechtsstaatlichkeit schützt jederzeit die Integrität der Fifa-Wettbewerbe“. Dies ringe Weiler allerdings nur „ein gequältes Lächeln ab“, so der renommierte Rechtsprofessor. „Das klingt für mich, als ob sich Colonel Sanders, der Gründer von Kentucky Fried Chicken, für vegetarische Ernährung ausgesprochen hätte.“
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Weiler glaubt allerdings nicht, dass der Skandal Folgen für Infantino haben wird. Einen Rücktritt würde er zwar begrüßen, aber: „Ich bezweifle, dass es passieren wird, aber wenn Infantino zurücktritt, hätte das eine heilsame Wirkung. Es würde eine Botschaft an seinen Nachfolger senden.“
Zuletzt hatte die britische Menschenrechtsorganisation FairSquare bekanntgegeben, Beschwerde gegen Infantino beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht zu haben. FairSqaure wirft dem Fifa-Boss vor, wiederholt gegen die IOC-Regeln zur politischen Neutralität verstoßen zu haben.
Ein Beispiel: Infantino hatte am 6. Dezember 2025 bei der Auslosung für die WM in Washington einen eigens einberufenen Friedenspreis an US-Präsident Trump verliehen. „Die Fifa pocht ja immer auf ihre politische Neutralität“, schimpfte auch Weiler. „Man kann sich kaum eine ungeheuerlichere Verhöhnung dieses Prinzips vorstellen als diesen Preis.“