Kleine Statur, große Bühne: Dominique Dahlem alias „Zapfenzwerg" erobert mit Ballermann-Sound und der markanten Kuhhose die Partyszene – und hat dabei schon Kontakte zu Mallorca-Größen geknüpft.
Zweibrücken · Kleine Statur, große Bühne: Dominique Dahlem alias „Zapfenzwerg" erobert mit Ballermann-Sound und der markanten Kuhhose die Partyszene – und hat dabei schon Kontakte zu Mallorca-Größen geknüpft.
Der Zweibrücker Dominique Dahlem möchte als Zapfenzwerg die Ballermann-Bühnen entern.
Foto: Sebastian DinglerDie Liebe zur Musik begleitet Dominique Dahlem sein ganzes Leben. Schon mit neun Jahren stand er als Mitglied der Zweibrücker Rosenkinder auf der Bühne und sang bis zu seinem 16. Lebensjahr in der bekannten Kinder- und Jugendformation. Als der Stimmbruch das Singen erschwerte, wechselte er kurzerhand ans Schlagzeug und begleitete die Gruppe weiter bei ihren Auftritten. Auf den zahlreichen Tourneen sammelte er schon früh Bühnenerfahrung und lernte prominente Gesichter kennen – darunter David Hasselhoff, dem er bei einer Veranstaltung von „Melodien für Millionen“ in Hof begegnete, sowie Cindy Berger, mit der die Rosenkinder oft auftraten.
Lied zum Geburtstag aufgenommen
Nach der Ausbildung geriet die Musik zunächst in den Hintergrund, ganz verschwunden ist sie jedoch nie. Den Impuls zur Rückkehr gab ausgerechnet ein privater Anlass: Für den 40. Geburtstag seiner Frau nahm Dahlem in einem Tonstudio in Zweibrücken spontan ein Lied auf. Der Spaß daran war so groß, dass er beschloss, die Sache professioneller anzugehen. Vor rund vier Jahren nahm er Gesangsunterricht beim Zweibrücker Musiker Connor McLoud – bis heute trainiert er dort regelmäßig seine Stimme.
Gewinner bei „SuperLatent“
Dominique Dahlem als Rosenkind (vordere Reihe Zweiter von links) bei einem Auftritt 1993 in Blieskastel.
Foto: Privatarchiv Dahlem/Saarbrücker ZeitungEinen entscheidenden Schub brachte die Internet-Castingshow „SuperLatent“ von Faisal Kawusi, bei der unter anderem Oliver Pocher und Mola Adebisi in der Jury saßen. Angemeldet hatte ihn – ohne sein Wissen – seine Frau Isabella. Mit einem Lied von Peter Maffay überzeugte Dahlem im März vergangenen Jahres vor rund 200 Zuschauern in Köln und gewann den Wettbewerb auf Anhieb. Er selbst sang dabei live zum Halb-Playback – eine Tatsache, die ihm im Nachhinein besonders viel Genugtuung verschaffte, denn viele Mitbewerber sangen offenbar nur beim Voll-Playback mit.
Bereits bei diesem Auftritt trug er sein Markenzeichen: die auffällige Kuhfell-Hose, die er einst beim Besuch des Festivals Nature One gekauft hatte. „Seither trage ich die immer, wenn ich mal ausgehe.“ Aus dieser Vorliebe entstand die Idee zum ersten eigenen „Kuhlied“ namens „Ene mene Muh“, das er gemeinsam mit einem Bekannten am Synthesizer komponierte.
Über das Karrierenetzwerk LinkedIn ergab sich schließlich der Kontakt zu Jack Price, der unter anderem als Manager von Michael Wendler bekannt ist und mittlerweile zwei Tonstudios auf Mallorca betreibt. Nach einem Telefonat flog Dahlem im November zu ihm und nahm dort binnen zwei Tagen gleich neun Lieder auf – ein Pensum, das laut Price selbst erfahrenere Künstler häufig überfordert. Aus dieser Session entstand unter anderem der Song „Sangria im Herz“, weitere Titel befinden sich derzeit noch im Abmischungsprozess.
Woher der Künstlername kommt
In diesem Zusammenhang entstand auch sein Künstlername: „Zapfenzwerg“. Der Zusatz „Zwerg“ bezieht sich mit einem Augenzwinkern auf Dahlems eher geringe Körpergröße, während das Zapfen die Partystimmung symbolisiert, die seine Musik transportieren soll.
Der wachsende Bekanntheitsgrad rief auch andere Akteure der Musikbranche auf den Plan: Aus dem Umfeld von Produzent Ralph Siegel erreichte Dahlem ein Angebot für einen Plattenvertrag, nachdem „Ene mene Muh“ erschienen war. Nach genauerer Prüfung entschied Dahlem sich jedoch dagegen – „da hätte ich als Musiker praktisch nichts mehr verdient.“ Stattdessen bleibt er, wie er es nennt, „selbstvermarktender Künstler“ und beauftragt Jack Price als Produzenten für einzelne Projekte, ohne sich langfristig zu binden.
Video made in Pakistan
Unterstützung erhält er dabei aus dem eigenen Umfeld: Ehefrau Isabella kümmert sich um die Social-Media-Kanäle auf Instagram und Facebook und fungiert damit inoffiziell als Managerin. Musikvideos entstehen mit überschaubarem Budget – für seine bisherige Produktion griff er auf einen über eine Freelancer-Plattform gefundenen Videokünstler aus Pakistan zurück, der die Aufnahmen mit computergenerierten Bildern umsetzte. Das Ergebnis habe ihn positiv überrascht, so Dahlem, zumal ein klassisches Videodreh-Budget für ihn kaum darstellbar gewesen wäre. Die Künstliche Intelligenz machte es möglich, dass man den Zapfenzwerg am Strand entlang reiten sieht – auf einer Kuh.
Im Hauptberuf ist der 47-Jährige Geschäftsführer bei der Zweibrücker Firma H&D shoes and more – die Musik versteht er ausdrücklich als Ausgleich zum Berufsalltag, nicht als dessen Ersatz. Für die Zukunft plant Dahlem, sein musikalisches Spektrum behutsam zu erweitern: Neben Party- und Ballermann-Sound will er künftig auch zeigen, dass stimmlich mehr möglich ist – etwa mit anspruchsvolleren A-cappella-Einlagen. „Wenn ich zum Beispiel ‚Mercedes-Benz‘ von der Janet Joplin raushaue, würde das die Leute schon überraschen. Die würden dann sagen, der kann ja dann doch was.“ Sein erster öffentlicher Auftritt als Zapfenzwerg war gerade am 7. August auf der „Sommermeile“-Volksfest im niedersächsischen Eimbeckhausen.
Im September auf Mallorca
Für September ist ein erster Auftritt auf Mallorca angepeilt, wo Dahlem bereits erste Kontakte zur dortigen Künstlerszene geknüpft hat – etwa zu Alex Engel, einem der meistgebuchten Mallorca-Stars, der einst als Vorsänger von Jürgen Drews begann. Wo will der Zapfenzwerg dann gerne auftreten? „Gut, es gibt den Megapark und den Bierkönig, wir fangen mal eher so in Richtung Cala Ratjada, Königgarten, an.“ Auch in der Heimat möchte er künftig häufiger auftreten – ob bei Stadt- oder Dorffesten spielt für ihn dabei keine große Rolle. Wichtig sei ihm vor allem, dass ein Auftritt „Hand und Fuß“ habe, wie er betont. An Ambitionen mangelt es dem Zweibrücker jedenfalls nicht – auch wenn er seinen Hauptberuf dafür nicht aufgeben will.