Schnapsidee, Luftschloss oder brillanter Plan? Das Projekt, auf Mallorca „den ersten deutschen Fußballverein“ zu gründen, gehört in die Schublade der Nachrichten, bei denen man doppelt prüft, ob es sich nicht um KI-generierte Fake News handelt. „Der Verein steht. Im September spielen wir in einer offiziellen Liga auf der Insel“, verspricht Amir Aziz, einer der vier Gründer, gegenüber der MZ. Auch Jordi Horrach, Präsident des balearischen Fußballverbandes, bestätigt: „Es sieht gut aus.“
Schnapsidee, Luftschloss oder brillanter Plan? Das Projekt, auf Mallorca „den ersten deutschen Fußballverein“ zu gründen, gehört in die Schublade der Nachrichten, bei denen man doppelt prüft, ob es sich nicht um KI-generierte Fake News handelt. „Der Verein steht. Im September spielen wir in einer offiziellen Liga auf der Insel“, verspricht Amir Aziz, einer der vier Gründer, gegenüber der MZ. Auch Jordi Horrach, Präsident des balearischen Fußballverbandes, bestätigt: „Es sieht gut aus.“
Vor drei Wochen gingen Immobilienmakler Aziz, Ex-Fußballer Thorsten Legat, Boxer Aleks Petrovic und Inselunternehmer Nick Pinior mit „Germania Mallorca“ an die Öffentlichkeit. „Wollt ihr einen deutschen Fußballclub auf Mallorca“, schrie Tim Toupet im Bierkönig ins Mikrofon. Die Masse grölte. Im Endeffekt ist der Ballermannstar aber nicht dabei.
Aziz, der selbst früher auf Mallorca lebte, nun aber in Dubai Geschäfte macht, und Nick Pinior waren bei einem Glas Wein auf die Idee gekommen. Die beiden fragten sich, warum es bei der Vielzahl an Deutschen auf Mallorca eigentlich keinen deutschen Verein gibt. „Das war anfangs eine Schnapsidee“, sagt Amir Aziz. Nachdem sich derzeit aber in Dubai Immobilien nur noch schlecht verkaufen lassen, dachte sich der Makler: Warum eigentlich nicht?
Petrovic kannte er, weil er ihm ein Haus verkaufte. Der Boxer wiederum stand mit dem Kultfußballer Legat in Kontakt, der zuletzt das Gesicht bei Ohrfeigenkämpfen war – im übertragenen Sinne. „Beide ernten sicher einige Kritik. Eines muss man ihnen aber lassen“, so Aziz. „Sie erzeugen Aufmerksamkeit.“
Die vier Herren kümmerten sich binnen kurzer Zeit darum, das Projekt zu realisieren. Und es geht steil bergauf. „In den sozialen Medien folgen uns bereits 26.000 Leute. Es gibt schon Fanclubs in Deutschland, obwohl der Verein noch nicht gegründet ist“, sagt Aziz.
Bastian Müller, ein Ex-Viertligakicker mit Inselvergangenheit, soll den Sportdirektor geben. Legat den Trainer. „Er wird nach Mallorca auswandern. Seine Auftritte bei Reality-Shows sind vorbei“, sagt Aziz. Am vergangenen Wochenende scoutete das Team Spieler, die bereits Residenten sind. „Wem es jetzt zu heiß ist, der kann gehen. Zur Vorbereitung wird es noch heißer. Thorsten wird euch hart rannehmen“, sagt Aziz in einem Video.
Am kommenden Samstag und Sonntag sind die Möchtegern-Auswanderer dran. 1.300 Spieler haben sich laut Aziz beworben. „Darunter Dritt- und Viertligaprofis aus Deutschland.“ Die Gründer haben eine Vorauswahl getroffen und nach Peguera eingeladen. „Der spanische Fußballverband bot uns den Platz an, da der noch nicht so stark belegt ist.“ Das sei das größte Problem auf Mallorca, meint Verbandspräsident Horrach. „Im Gegensatz dazu ist die Vereinsgründung eine Kleinigkeit“, sagt er. Dafür reiche ein Antrag beim Sportministerium, der so gut wie immer angenommen wird.
„Ich sehe in den Augen der Deutschen, dass sie Lust haben. Natürlich müssen wir schauen, wie langfristig die Angelegenheit geplant ist.“ Bedenken, dass sich die Deutschen nun noch breiter auf der Insel machen, habe er keine. „Im Fußball spielt diese Diskussion keine Rolle.“
Nach der Vereinsgründung muss Germania Mallorca in der letzten Liga antreten. Am Freitag (3.7.) entscheidet der Verband, ob es die achte oder neunte Liga ist. Denn die bisher letzte Spielklasse, die Segunda Regional, soll aufgelöst werden. „50 Prozent der Nachwuchsspieler auf Mallorca hören mit dem Schritt in den Herrenbereich mit dem Fußball auf“, sagt Horrach. Die letzte Liga sei nicht attraktiv genug. Wenn die Verbandsmitglieder dafür stimmen, wird sie aufgelöst. Stattdessen sind Staffeln in den höheren Ligen geplant.
„Die Spieler würden eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen, müssten sich aber einen Job suchen“, sagt Aziz. Sponsoren habe er bereits gefunden. Es sei möglich, dass der Verein Wohnungen anmietet, in denen die Fußballer dann in einer WG zusammenleben.
Bedenken gebe es noch bei Peguera. „Calvià verbietet es, in den öffentlichen Stadien zu filmen. Das wäre für uns der Genickbruch“, sagt Aziz. Immerhin planten die Gründer, Germania Mallorca „From Zero to La Liga“ zu bewegen. Auch Horrach kennt das Problem. „Überall dürfen wir Kameras aufstellen, nur in Calvià nicht. Ich bin schon lange in Verhandlungen mit dem Rathaus. Wir werden eine Lösung finden.“
Doch gibt es mit Atlético Baleares rund um den Berliner Ingo Volckmann nicht schon einen deutschen Fußballclub? Nicht wirklich, meint Aziz. „Der hat sich in einen mallorquinischen Traditionsverein eingekauft. Wir machen alles neu.“ Er plane, mit Volckmanns Viertligisten Kontakt aufzunehmen. Vielleicht könne man ja das Estadi Balear gemeinsam nutzen. Denn bei Germania Mallorca denkt man in großen Kategorien. Selbst im Winter sollen so viele Zuschauer kommen, dass die kleine Tribüne in Peguera nicht ausreicht.
Der rechtskonservativ anmutende Vereinsname sei nicht nur auf dem Mist der Gründer gewachsen. „Wir hatten dem Sportministerium ,Alemania Mallorca‘ oder ,Los alemanes‘ vorgeschlagen. Durften wir beides aber nicht“, sagt Aziz. Verbindungen zur rechten Szene gebe es keine. „Ich habe ja selbst arabische Wurzeln.“ Mitte Juli soll das Team stehen und in die Vorbereitung starten. Selbst ein Testspiel hat Aziz schon ausgemacht. Am 14. August geht es in Peguera gegen Westfalia Dortmund, einen 2022 gegründeten Verein mit ähnlichen Ambitionen.
Abonnieren, um zu lesen