Nach seiner Entlassung bei Amazon suchte Jack Nguyen einen neuen Job. Er berichtet, welche Strategien heute funktionieren und was sich verändert hat.
Jack Nguyen
Jack Nguyen verließ Amazon 2021, kehrte ein Jahr später zurück und wurde im Januar entlassen.
Bei seiner anschließenden Jobsuche merkte er, dass seine bisherigen Strategien nicht mehr funktionierten.
Innerhalb weniger Monate fand er eine neue Stelle – und setzt heute stärker auf sein Netzwerk.
Dieser Artikel basiert auf einem Gespräch mit Jack Nguyen, einem Mitarbeiter von Deloitte in seinen 40ern, der in Virginia lebt. Zuvor arbeitete er bei Amazon, bevor er im Januar entlassen wurde. Der Text wurde aus Gründen der Länge und Verständlichkeit bearbeitet.
Im Januar erfuhr ich, dass ich aus meiner Position als Ingenieur bei Amazon gekündigt wurde. Nach mehr als sieben Jahren im Unternehmen war das einerseits ziemlich überraschend – andererseits auch wieder nicht.
Ich hatte mir bereits Gedanken um meine Jobsicherheit gemacht, vor allem nach den großen Entlassungswellen des Unternehmens im Jahr 2023. Einige der Teams, mit denen wir eng zusammenarbeiteten, waren davon betroffen. Mein Team kam jedoch unbeschadet durch die Entlassungsrunde, was mich zunächst beruhigte.
Die Ende 2024 angekündigte Vorgabe des Unternehmens, künftig an fünf Tagen pro Woche ins Büro zurückzukehren, fühlte sich wie eine „sanfte Entlassung“ an – als wolle man die Mitarbeiter dazu bringen, von selbst zu gehen. Ich bekam den Eindruck, dass Amazon möglicherweise seine Belegschaft verkleinern wollte.
Nach meiner Entlassung begann ich nach etwa einer Woche mit der Jobsuche. Ich überlegte zunächst, mir mehr Zeit zum Erholen zu nehmen, da ich weiterhin meine Gehaltszahlungen während der Freistellung erhielt und wusste, dass noch eine Abfindung folgen würde.
Allerdings weiß man nie, wie lange eine Jobsuche dauern wird. Deshalb beschloss ich, sofort anzufangen. Als ich den Arbeitsmarkt dann selbst erlebte, stellte sich heraus, dass das die richtige Entscheidung war.
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Ich kam 2017 als IT-Supportingenieur zu Amazon und arbeitete in Arlington, Virginia. 2021 wechselte ich zu einem Unternehmen für Cybersicherheit, wo ich im technischen Support tätig war. Ich hatte bei Amazon das Gefühl, bei meiner Vergütung an eine Grenze gestoßen zu sein.
Doch weniger als ein Jahr später stieß ich auf eine Stelle als Ingenieur bei Amazon in einem komplett neu gegründeten Team. Ich sah darin eine Chance, mich beruflich weiterzuentwickeln.
Nach dem Bewerbungs- und Vorstellungsgespräch erhielt ich ein Angebot und kehrte 2022 zu Amazon zurück – weniger als ein Jahr nach meinem Weggang.
Die Rückkehr ins Büro brachte neue HerausforderungenIn den ersten beiden Jahren nach meiner Rückkehr lief alles sehr gut. Es fühlte sich wie eine neue Herausforderung an. Der Job erforderte teilweise lange Arbeitszeiten und konnte daher durchaus stressig sein, insgesamt machte er mir aber Spaß. Mit der Zeit wurde die Arbeit jedoch schwieriger – sowohl wegen der Sorgen um die Jobsicherheit nach den Ankündigungen von Entlassungen als auch wegen der Umstellung auf die Vorgaben zur Rückkehr ins Büro.
Zunächst arbeitete ich weiterhin vollständig im Homeoffice, weil es noch keine Vorgabe zur Anwesenheit im Büro gab. 2023 kündigte Amazon dann an, dass Mitarbeiter drei Tage pro Woche im Büro arbeiten sollten. Ende 2024 folgte die Ankündigung, künftig an fünf Tagen pro Woche ins Büro zurückzukehren.
Während meiner ersten Zeit bei Amazon hatten verschiedene Abteilungen und Vorgesetzte offenbar viel Spielraum bei der Frage, ob Mitarbeiter ins Büro kommen mussten. Diesmal kam die Vorgabe von der Unternehmensspitze und galt für das gesamte Unternehmen. Viele Mitarbeiter waren damit unzufrieden.
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Meine Familie hatte ein Haus weiter entfernt von den Amazon-Büros gekauft, weil wir mehr Platz und bessere Schulen wollten. Näher an das Büro zu ziehen, kam für uns deshalb nicht infrage.
Mein Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauerte etwa anderthalb Stunden pro Strecke. Das wurde zu einem weiteren Preis, den wir für die neue Regelung zahlen mussten. In meinem letzten Jahr bei Amazon führte das Unternehmen einen Shuttle-Service ein, mit dem sich meine Fahrzeit auf etwa eine Stunde verkürzte. Das half, aber ich hatte immer noch zwei Kinder und eine Familie, zu denen ich jeden Abend nach Hause kommen wollte. Es war schwierig.
Als ich entlassen wurde, wusste ich bereits, dass meine nächste Stelle mir mehr Flexibilität bieten sollte als Amazons Vorgabe, fünf Tage pro Woche im Büro zu arbeiten.
Der Arbeitsmarkt war schwierigAls ich mit der Jobsuche begann, stellte ich fest, dass der Arbeitsmarkt ziemlich schwierig war. Ich konkurrierte mit mehr Bewerbern, bekam nach Bewerbungen keine Rückmeldung und hatte den Eindruck, dass immer mehr Unternehmen Lebensläufe zunächst mithilfe von KI aussortierten, bevor sie überhaupt ein Mensch zu Gesicht bekam.
Bei früheren Jobsuchen hatte es gereicht, mein Linkedin-Profil auf „offen für neue Stellen“ zu setzen, meinen Lebenslauf zu aktualisieren und mich direkt auf ausgeschriebene Stellen zu bewerben. Diesmal funktionierte das nicht.
Bei dieser Jobsuche kamen die meisten Vorstellungsgespräche, zu denen ich in der Anfangsphase eingeladen wurde, über Empfehlungen oder Kontakte aus meinem Netzwerk zustande.
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Eine Strategie, die meiner Meinung nach geholfen hat, war, auf LinkedIn über meine Entlassung zu schreiben. Durch den Beitrag kam ich mit jemandem in Kontakt, der mich für eine Stelle als Project Delivery Specialist im technischen Bereich bei Deloitte empfahl. Die Position interessierte mich, weil ich weiterhin im technischen Bereich arbeiten konnte, gleichzeitig aber etwas anderes machen würde als bei Amazon.
Heute habe ich mehr FlexibilitätIm März bekam ich nach mehreren Vorstellungsgesprächen die Stelle. Heute arbeite ich deutlich stärker mit Kunden und unterstütze sie dabei, ihre geschäftlichen Ziele zu erreichen. Das ist eine angenehme Abwechslung.
Wie oft ich im Büro arbeite, hängt vom jeweiligen Kunden ab, den ich betreue. Insgesamt habe ich jedoch festgestellt, dass das Unternehmen beim Thema Anwesenheit im Büro deutlich flexibler ist. Dadurch kann ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.
Anderen Jobsuchenden würde ich raten, sich auf ihr Netzwerk zu verlassen. Es ist schon schwierig genug, eine Stelle zu finden, wenn man sich einfach blind online bewirbt. Nehmt Kontakt zu Menschen auf, die Ihr kennt, und bittet um Empfehlungen. Es ist außerdem wichtig, eure Fähigkeiten weiterzuentwickeln, damit ihr euch auf dem Arbeitsmarkt besser positionieren könnt.
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