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Hindenburgdamm in Berlin | Hitlers Steigbügel­halter Hinden­burg: Der Namens­streit geht weiter

Дата публикации: 12-08-2026 13:47:00

Sylt hat keinen Hindenburgdamm mehr. In Berlin wird erneut die Umbenennung gefordert – jedenfalls für 2950 von 3000 Straßenmetern.

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Der Hindenburgdamm in Steglitz-Zehlendorf: Eine Initiative will die Straße nach der linken Jüdin und Ärztin Edith Jacobson benennen.

Der Hindenburgdamm in Steglitz-Zehlendorf: Eine Initiative will die Straße nach der linken Jüdin und Ärztin Edith Jacobson benennen.

Foto: IMAGO/Joko

Nach dem Mann, der Adolf Hitler 1933 zum deutschen Reichskanzler ernannte, ist immer noch eine drei Kilometer lange Straße in Berlin benannt. Der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg übernahm die Rolle des Steigbügelhalters, nachdem die NSDAP bei den Reichstagswahlen stärkste Kraft geworden war, aber nicht die absolute Mehrheit erreicht hatte.

Kurz vor der 100-Jahr-Feier fand die Gemeinde Sylt den Namen »Hindenburgdamm« für den 11,3 Kilometer langen Eisenbahndamm, der die norddeutsche Insel mit dem Festland verbindet, deshalb nicht mehr angemessen. Ein Sprecher der Gemeinde erklärte im Juni im Deutschlandfunk, in Zukunft solle nur noch vom Syltdamm gesprochen werden. Offiziell trug das Bauwerk bisher keinen Namen, aber im Sprachgebrauch hatte sich der des Reichspräsidenten etabliert, der es am 1. Juni 1927 feierlich eröffnet hatte.

Anders in der Bundeshauptstadt: Der Hindenburgdamm, der sich über die Stadtteile Berlin-Steglitz und Lichterfelde erstreckt, heißt hier amtlich und offiziell seit 1914 so. Eine Initiative, die schon vor zwei Jahren eine bisher wenig beachtete Petition gestartet hat, will das ändern – und hat nach der Sylter Entscheidung einen neuen Anlauf gewagt. In einem offenen Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sowie mehrere Medien unter dem Motto »Keine Ehre dem Demokratiezerstörer in der Bundeshauptstadt Berlin« wird nach wie vor die Umbenennung in Edith-Jacobson-Damm vorgeschlagen – jedenfalls für 2950 von 3000 Metern.

Edith Jacobson – ein Albtraum der Nazis

Mit dem Namen der jüdischen Ärztin und Psychoanalytikerin hatte die Gruppe im Juli 2024 schon eine symbolische Umbenennung vollzogen und Straßenschilder überklebt. Daraufhin war zwar die Polizei angerückt; die Ermittlungen wegen »Sachbeschädigung« und »Amtsanmaßung« gegen die Historikerin Gisela Notz, den Aktionskünstler Wolfram Kastner und den Schriftsteller Claus-Peter Lieckfeld waren aber ein halbes Jahr später eingestellt worden.

Der Arbeitsplatz von Edith Jacobson, die als hochgebildete Frau, Jüdin und Linke mit progressiven Thesen zur weiblichen Sexualität in jeder Hinsicht dem Feindbild der Nazis entsprach, hatte zeitweise am Campus der Charité-Universitätsmedizin am Berliner Hindenburgdamm gelegen. Als Mitglied der sozialistischen Widerstandsgruppe »Neu beginnen« war Jacobson von der Gestapo verhaftet und wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu einer Zuchthausstrafe verurteilt worden, bevor ihr 1938 die Flucht in die USA gelang.

Jacobsons Arbeit sei international anerkannt worden, argumentiert die Initiative. Hindenburg dagegen habe der Nazidiktatur den Weg geebnet, im Ersten Weltkrieg als Generalfeldmarschall Kriegsverbrechen befehligt, sich aktiv an der Zerstörung der Demokratie beteiligt und Hitler zu politischen Morden gratuliert. Trotzdem können nach Meinung der Gruppe 50 Meter des bisherigen Hindenburgdamms nach ihm benannt bleiben – »als Mahnmal gegen Demokratievernichtung«.

Damit wird Wegners bisheriger Einwand gegen eine Umbenennung aufgegriffen: »Wir sollten mit unserer Geschichte umgehen, mit Persönlichkeiten, die nicht nur umstritten sind, sondern wo man viel diskutieren kann. Ich fände es viel spannender, wenn man mit Informationsstelen, wenn man mit Erklärung arbeitet«, hatte der Regierende Bürgermeister 2024 bei einer Veranstaltung der Reihe »Kai Wegner vor Ort« gesagt. Sinn sei es, deutlich zu machen, »dass das unsere Geschichte ist, dass wir das besprechen müssen und dass wir das nie wieder haben wollen«. Einen Videomitschnitt veröffentlichte die Senatskanzlei Berlin im Anschluss auf Social-Media-Kanälen.

»Das Abgeordnetenhaus hat Paul von Hindenburg 2020 zu Recht aus der Ehrenbürgerliste Berlins gestrichen.«

Nina Stahr Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen

Genau das hat in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf allerdings die Linksfraktion erreicht: Diese sei nötig gewesen, »damit jetzt wenigstens am Anfang und Ende der Straße Schilder aufgestellt werden, die erklären, wer Hindenburg war und wie er die Demokratie untergraben hat«, teilt Diana Buhe, Sprecherin der Berliner Linkspartei, auf nd-Anfrage mit.

Die Umbenennung, die Die Linke 2018 mit dem Antrag »Keine weiteren Ehrerbietungen für Antisemiten, Faschisten und Kriegsverbrecher in Steglitz-Zehlendorf« gefordert hatte, war in der BVV, in der die CDU die stärkste Kraft ist, allerdings abgelehnt worden. Darauf beruft sich auch Wegner.

Eine Anfrage dieser Zeitung zum aktuellen Kompromissvorschlag ließ die Senatskanzlei mehr als eine Woche unbeantwortet. Die Berliner Grünen sprechen sich klar für die Umbenennung aus. »Das Abgeordnetenhaus hat Paul von Hindenburg 2020 zu Recht aus der Ehrenbürgerliste Berlins gestrichen«, erklärte deren Vorsitzende Nina Stahr gegenüber »nd«.

»Hindenburg ernannte Adolf Hitler zum Reichskanzler und unterzeichnete anschließend Verordnungen und Gesetze, die den Reichstag entmachteten, Grundrechte außer Kraft setzten und der nationalsozialistischen Diktatur den Weg ebneten. Wer aus diesen Gründen nicht länger Ehrenbürger Berlins sein kann, sollte auch nicht mit einem Straßennamen geehrt werden«, so die Grünen-Politikerin weiter.

Neue Brisanz durch »Brandmauer«-Debatte

Im Zuge der »Brandmauer«-Debatte über die Abgrenzung der C-Parteien von der AfD ist der Namensstreit nicht weniger brisant geworden. In einem Statement vom 31. Januar 2025 hat das Jüdische Museum Frankfurt am Main an die Ereignisse rund um die historische Machtübergabe an die Nazis erinnert – und denkwürdige Parallelen gezogen.

Die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) habe schon in den Jahren vor 1933 gemeinsame Beschlüsse mit Hitlers NSDAP im Reichstag durchgesetzt – etwa gegen Reparationszahlungen an Länder, die im Ersten Weltkrieg geschädigt worden waren. Vor der Wahl habe Hindenburg den zurückgetretenen Reichskanzler Franz von Papen mit Sondierungsgesprächen für eine gemeinsame Regierung von NSDAP und DNVP beauftragt.

Museumsdirektorin Mirjam Wenzel sah sich an das Abstimmungsverhalten dieser beiden Parteien erinnert, als am 29. Januar 2025 ein Entschließungsantrag der Unionsfraktion zum Thema »Sofortige, umfassende Maßnahmen zur Beendigung der illegalen Migration« im Bundestag nur mit AfD-Stimmen eine Mehrheit fand. Von den früheren Ampel-Parteien hatte damals, kurz nach dem Koalitionsbruch, nur die FDP-Fraktion überwiegend für den Antrag gestimmt.

Die Linke-Politikerin Heidi Reichinnek warf seinerzeit den Unionsparteien vor, die Mehrheit durch AfD-Stimmen gezielt gesucht zu haben, und sprach von einem »Dammbruch«, die Grünen-Politikerin Katharina Dröge von einem »schwarzen Tag für die Demokratie«. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich, dessen Partei im neuen Bundestag mit der CDU koaliert, erklärte damals, seine Fraktion sei empört.

Jahre zuvor, 2018, hatte Friedrich Merz erklärt, die Unionsparteien könnten wieder 40 Prozent erreichen und die AfD halbieren: »Das geht! Aber wir selbst müssen dafür die Voraussetzungen schaffen. Das ist unsere Aufgabe.« Inzwischen liegen die Unionsparteien unter Bundeskanzler Merz in Umfragen auf Bundesebene deutlich hinter der AfD.

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