Die Zahl der Insolvenzen ist im Mai gesunken. Ein Zeichen für eine wirtschaftliche Wende? Experten warnen vor einem Trugschluss.
Stand: 14.08.2026, 09:57 Uhr
Von: Richard Strobl
Die Zahl der Insolvenzen ist im Mai gesunken. Ein Zeichen für eine wirtschaftliche Wende? Experten warnen vor einem Trugschluss.
Berlin – Die Krise in der deutschen Wirtschaft zeigt sich auch in der Insolvenz-Welle, die durch Deutschland fegt. Fast täglich müssen auch große Ketten, wie Baumärkte und teils jahrhundertealte Traditionsbetriebe in die Insolvenz gehen. Doch jetzt gibt es ein Zeichen der Entspannung. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes weisen für Mai 2026 einen leichten Rückgang bei den Insolvenzen aus. Dennoch bleibt die Lage in bestimmten Branchen extrem angespannt.

Wie das Statistische Bundesamt am 14. August 2026 bekannt gab, registrierten die deutschen Amtsgerichte im Mai 1.995 Unternehmensinsolvenzen. Dies entspricht einem Rückgang von 2,0 Prozent gegenüber Mai 2025. Noch deutlicher fiel das Minus bei den Verbraucherinsolvenzen aus: Mit 5.926 Fällen gab es hier eine Abnahme von 10,3 Prozent. Diese monatliche Momentaufnahme nährt die Hoffnung auf eine Trendumkehr in der anhaltenden wirtschaftlichen Durststrecke.
Wende bei Insolvenz-Zahlen: Statistik zeigt RückgangDoch entgegen dem positiven Mai-Signal zeigt die Bilanz der ersten fünf Monate des Jahres 2026 ein anderes Bild. Von Januar bis Mai stieg die Zahl der Firmenpleiten insgesamt um 4,9 Prozent auf 10.546 Fälle an. Auch bei den Privatpersonen liegt die Zahl mit 32.093 Anträgen weiterhin 1,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Dass die Gesamtsumme der Gläubigerforderungen von 25,7 auf 15,4 Milliarden Euro sank, liegt vor allem daran, dass 2026 bislang weniger wirtschaftlich schwergewichtige Konzerne betroffen waren als noch im Jahr zuvor. Zudem gab es im April ein Rekordhoch an Insolvenzen.
Branchenexperten hatten bereits zu Beginn des Jahres vor einem „strukturellen Kollaps“ gewarnt. Auch wenn die Dynamik bei den Großinsolvenzen zeitweise nachließ, bleibt der finanzielle Druck auf den Mittelstand enorm. Die deutsche Wirtschaft kämpft laut Analysten weiterhin mit einer tiefgreifenden Krise. Der Pleite-Höhepunkt sei noch nicht erreicht, hatten Experten im Juni gewarnt. Oft trügerisch: Die Zahlen zeigen sich oft erst stark verzögert in den Statistiken.
Besonders drei Branchen sind von Insolvenz bedrohtBesonders dramatisch stellt sich die Situation in drei spezifischen Wirtschaftsbereichen dar, die Destatis als Sorgenkinder identifiziert hat. Gemessen an der Insolvenzhäufigkeit pro 10.000 Unternehmen sind folgende Branchen am stärksten betroffen:
Der Einzelhandel, der bereits in den vergangenen Jahren massive Verluste hinnehmen musste, bleibt ebenfalls unter Druck. Während die Mai-Zahlen Hoffnung machen, mahnen Ökonomen zur Vorsicht: Da Insolvenzanträge oft erst Monate nach dem eigentlichen Zahlungsausfall in der Statistik auftauchen, könnte die jetzige Beruhigung trügerisch sein. Ob es sich tatsächlich um die erhoffte Insolvenz-Wende handelt oder nur um eine kurze Atempause in einem weiterhin schwierigen Marktumfeld, werden die kommenden Monate zeigen müssen. (Verwendete Quellen: Mitteilung Destatis, frühere Berichterstattung) (rjs)