Gebühren, Steuern und andere Kosten: Ryanair reagiert mit massiven Kürzungen in Berlin. Dem Flughafen gehen dadurch fünf Millionen Euro verloren, die Airline kritisiert den Flughafen scharf. Laut einem Experten hat der Aufschrei von Ryanair Methode.
Flughafen Berlin-Brandenburg Ryanair droht mit Rückzug – was der Streit am BER wirklich bedeutet
Die Luftfahrt-Branche in der Hauptstadtregion ist seit ein paar Tagen nervös: Ryanair will ab 2027 seine Basis in Berlin schließen und sieben Flugzeuge woanders stationieren. Außerdem soll ab Ende Oktober die Hälfte der Flüge gestrichen werden.
Ryanair war bisher die Airline mit dem höchsten Passagieraufkommen am Flughafen BER. Der Flughafenverband ADV schlug wegen des Ryanair-Rückzugs in Berlin sogar Alarm für den gesamten Luftverkehrsstandort Deutschland. Die Entscheidung der irischen Airline sei Ausdruck eines strukturellen Problems.
Flughafen verliert durch Ryanair-Kürzungen fünf Millionen Euro pro Jahr
Ryanair begründete die Entscheidung als direkte Folge der jüngsten Ankündigung des Berliner Flughafens, die Gebühren von 2027 bis 2029 erneut um weitere zehn Prozent zu erhöhen. "Dank der ungerechtfertigten und übermäßigen Gebührenerhöhungen des Berliner Flughafens um 50 Prozent seit 2019 ist das Luftverkehrsaufkommen um nahezu 30 Prozent eingebrochen", teilte das Unternehmen mit. Die Zahl der Ryanair-Passagiere am BER werde sich im kommenden Jahr halbieren und auf 2,2 Millionen zurückgehen.
Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) wies die Begründung von Ryanair zurück und erklärte, beide Seiten verhandelten derzeit über die Entgelte. Der Flughafen rechnet 2026 durch die Flugreduzierung von Ryanair mit einem Erlösausfall von rund fünf Millionen Euro, wie ein FBB-Sprecher dem rbb sagte. Darüber berichtete zuerst der "Tagesspiegel". Gleichzeitig gebe es Airlines wie Eurowings oder Wizzair, die kürzlich neue Wachstumsprogramme am BER angekündigt haben, hieß es von der FBB.
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Eine Gebührensenkung bedeutet am Ende, dass der Staat billige Flüge über Steuergelder finanziert.
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Luftfahrt-Experte Gerald Wisse
Experte: Gebühren wegen teurem BER-Bau hoch
Doch um welche Gebühren geht es genau bei diesem Streit? Einerseits gibt es staatliche Gebühren, die deutschlandweit gelten: Die Luftverkehrssteuer wird abhängig von der Strecke pro Passagier erhoben, mit der Luftsicherheitsgebühr werden die Sicherheitskontrollen finanziert und schließlich gibt es noch die Gebühren für die Deutsche Flugsicherung, die je nach Distanz und Flugzeuggewicht variieren. Andererseits erhebt der BER Flughafenentgelte, unter anderem für die Nutzung der Start- und Landebahn, fürs Parken oder den Lärm.
Nach ADV-Angaben kostet beispielsweise ein Flug von Berlin nach Palma für Airlines 7.600 Euro, einschließlich Flughafenentgelten, Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsabgaben, Flugsicherungsgebühren sowie weiteren staatlichen Gebühren - aus Warschau aber nur 4.400 Euro. In Berlin machen die Flughafenentgelte nach Angaben der Flughafengesellschaft weniger als die Hälfte der Gesamtkosten für die Airlines aus.
Die Gebühren in Deutschland sind im europäischen Vergleich laut dem Luftfahrt-Experten und Branchen-Kenner Gerald Wissel relativ hoch. Bei den Flughafenentgelten am BER gebe es außerdem eine besondere Situation: "Der Bau des Flughafens war wahnsinnig teuer, es wurden Kredite aufgenommen. Sie müssen also wirtschaftlich arbeiten und bei der Festsetzung der Gebühren dieses mit berücksichtigen."
Ryanair will weiterhin die günstigsten Tickets anbieten
Bei Ryanair als Billigairline sei dies anders als bei anderen Fluggesellschaften, sagt Wissel. "Sie wollen trotz steigender Kosten trotzdem die günstigsten Ticketpreise aller Airlines anbieten, um Kunden nicht an andere Airlines zu verlieren." Wenn die Luftverkehrssteuer auf 20 Euro steige, mache diese bei billigen Tickets einen viel höheren Anteil des Preises aus als bei anderen Gesellschaften.
Der aktuelle Aufschrei von Ryanair, der Rückzug aus dem BER und die Forderung nach niedrigeren Gebühren seien für ihn keine Überraschung, sagt Wissel. "Im Grunde sind staatliche Subventionen weiterhin Teil des Geschäftsmodells", sagt er weiter. "So setzt Ryanair die eh schon knappen Flugzeugkapazitäten in Europa dort ein, wo es noch Subventionen gibt, und zieht sich bei Wegfall, wie beispielsweise in Frankfurt, wieder zurück, wenn die Subventionen nicht mehr gezahlt werden." Deswegen warnt der Experte: "Eine Gebührensenkung bedeutet am Ende, dass der Staat billige Flüge über Steuergelder finanziert."
Luftverkehrsteuer wurde eigentlich gesenkt
Der Experte weist darauf hin, dass die Bundesregierung bereits die Luftverkehrssteuer zum 1. Juli gesenkt hat und der Staat auf "eine ganze Menge Geld" verzichtet habe. In der Vergangenheit hatte Ryanair die Streichung von Flugstrecken mit der Anhebung der Steuer begründet. "Nun macht der Staat die letzte Erhöhung rückgängig und was hat Ryanair gemacht? Nichts." Das Unternehmen versuche immer wieder, den Staat zu erpressen, fasst Wissel zusammen.
Der Rückzug aus Berlin und die Streichung von Flugstrecken lasse sich auch mit einem leichten Rückgang der Nachfrage wegen der negativen Wirtschaftslage erklären, sagt Wissel. Ein weiterer Faktor sei, dass Ryanair – wie andere Airlines – auf Hunderte neue Flugzeuge von Airbus und Boeing warte, die mit Verzögerung geliefert würden. "Deswegen bringt Ryanair seine Kapazitäten dorthin, wo sie Subventionen erhalten oder wo die Marge höher ist – was aus unternehmerischer Sicht sinnvoll ist."
"Low-Cost-Airlines werden nach Berlin zurückkommen"
Laut einem Sprecher der Flughafengesellschaft flogen im vergangenen Jahr 4,7 Millionen Fluggäste am BER mit Ryanair. 2024 waren es noch 5,2 Millionen. Rund 18 Prozent der Fluggäste am BER fliegen mit der irischen Airline.
Inwieweit die Streichung der Hälfte der Ryanair-Flüge ab Oktober über den saisonbedingten Schwankungen zwischen dem Sommer- und dem Winterflugplan geht, lässt Ryanair auf Anfrage offen. "Bei den Flugbewegungszahlen handelt es sich um kommerziell sensible Informationen, die wir nicht offenlegen würden", teilte ein Ryanair-Sprecher auf Anfrage mit.
Der Luftfahrt-Experte Gerald Wissel erwartet keinen kompletten Rückzug der Low-Cost-Airlines aus dem BER. "Berlin ist hochattraktiv als Tourismusdestination und Hauptstadt." Vielmehr dürften Angebot und Nachfrage wieder steigen, wenn sich der Ölpreis normalisiere, die Wirtschaftslage stabilisiere und die Airlines ihre neuen Flugzeuge erhalten, so Wissel. "Dann wird auch Berlin wieder am Wachstum partizipieren. Und garantiert werden auch wieder die Low-Cost-Airlines zurückkommen."
Sendung: rbb|24, 28.04.2026, 22:06 Uhr
Audio: rbb|24, 28.04.2026, Katrin Veuskens
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