Steuert die SPD auf einen Wechsel an der Spitze zu? Was sich die einen wünschen, versuchen die anderen im Keim zu ersticken. Doch eine Befragung zeichnet ein deutliches Bild.
Stand: 14.08.2026, 21:32 Uhr
Von: Ines Alberti
Steuert die SPD auf einen Wechsel an der Spitze zu? Was sich die einen wünschen, versuchen die anderen im Keim zu ersticken. Doch eine Befragung zeichnet ein deutliches Bild.
Berlin – Die Beliebtheitswerte der SPD steuern dieser Tage bedrohlich auf die Einstelligkeit zu. Darf man sich überhaupt noch Volkspartei nennen, wenn die Umfragewerte je nach Institut zwischen 11 und 13 Prozent liegen und man bei mancher Landtagswahl die Fünf-Prozent-Hürde fürchten muss? Die anhaltend schlechten Werte sowohl für die Partei als auch für die Beliebtheit ihrer Chefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil sowie wahrscheinliche Schlappen bei den Landtagswahlen im September könnten das rote Personalkarussell anwerfen. Die Vorsitzenden stehen unter Druck.

Nach einem verheerenden Ergebnis bei der Bundestagswahl 2025 blieb Klingbeil an der SPD-Spitze unberührt. Er übernahm sogar ein Ministeramt und den Vizekanzler-Posten. Saskia Esken hingegen musste ihren Stuhl als Co-Vorsitzende räumen, Bärbel Bas rückte nach. Für Klingbeil und auch für Bas könnte es nach den nächsten Wahlen nicht so glimpflich ausgehen.
SPD mit desaströsen Umfragewerten in Sachsen-AnhaltIn Sachsen-Anhalt rangieren die SPD-Umfragewerte derzeit gefährlich nah an der Fünf-Prozent-Hürde. Im sozialdemokratisch geführten Mecklenburg-Vorpommern steht sie mit derzeit 29 Prozent (Insa) zwar besser da, stärkste Kraft wird jedoch wohl die AfD werden. Bei Sonntagsfragen zur Bundestagswahl dümpeln die Sozialdemokraten seit geraumer Zeit im niedrigen zweistelligen Bereich herum.
An der SPD-Basis macht sich daher Panik um das Schicksal der Partei breit. Die Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt in der SPD fordert deshalb einen Sonderparteitag im Herbst, um die Parteispitze neu aufzustellen. Angesichts dieses „existenzgefährdenden Trends auf der Bundesebene ist ein Sonder-Bundesparteitag kommenden Herbst unumgänglich“, sagten die beiden AG-Vorsitzenden, Mehria Ashuftah und Orkan Özdemir, dem Spiegel. „Die aktuelle Führungsstruktur der SPD, als auch die inhaltliche Ausrichtung der Parteispitze ist offensichtlich gescheitert. Der Parteivorsitz und Regierungsamt in Personalunion ist in der aktuellen Lage der Partei keine Option mehr“, heißt es von den beiden SPD-Politikern.
Es hatte immer wieder Kritik daran gegeben, dass die Bundesvorsitzenden gleichzeitig Ministerposten in der Regierung innehaben. So bleibe weniger Raum, sich um die Partei zu kümmern, und pure SPD-Positionen ließen sich freilich schwieriger vertreten, wenn man gleichzeitig für eine Koalition mit der CDU/CSU stehe.
Kritik am Sonderparteitag-Vorstoß folgte jedoch prompt. SPD-Politiker Karl Lauterbach wies Rufe nach einem Sonderparteitag zur Wahl einer neuen Parteispitze zurück. „Das halte ich für eine falsche Forderung zur falschen Zeit“, sagte der ehemalige Bundesgesundheitsminister im Deutschlandfunk. „Wir brauchen jetzt wirklich Konzentration auf die laufenden Wahlkämpfe und die vor uns liegenden Reformen.“ Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies stärkte Klingbeil zum Wahlkampf-Auftakt auf kommunaler Ebene den Rücken: „Wir regieren mit Verantwortung im Bund, mit Lars als starkem Vizekanzler, mit einer extrem schwierigen Aufgabe, die nicht leicht zu lösen ist“, sagte der Landesvorsitzende.
Zur Civey-UmfrageDas Meinungsforschungsinstitut Civey hatte am 13. und 14. August 2500 repräsentativ ausgewählten Menschen zwei Fragen gestellt: „Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass Friedrich Merz nach den Landtagswahlen im Herbst Bundeskanzler bleibt?“ und „Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass Lars Klingbeil nach den Landtagswahlen im Herbst Co-Vorsitzender der SPD bleibt?“ Die Antwortmöglichkeiten lauteten „sehr wahrscheinlich“, „eher wahrscheinlich“, „unentschieden“, „eher unwahrscheinlich“ sowie „sehr unwahrscheinlich“. Der statistische Fehler liegt den Angaben zufolge bei 3,6 (Klingbeil) bzw. 3,7 Prozent (Merz).
Umfrage zu Klingbeil spricht deutliche SpracheEine andere Sprache sprechen jedoch Umfragewerte der Bevölkerung. Nach einer repräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von Welt TV halten es 53 Prozent der Deutschen für unwahrscheinlich, dass der Vizekanzler seinen Posten als Parteivorsitzender behalten kann.
Auch zum Kanzler durften die Befragten ihre Meinung abgeben: Bei Friedrich Merz‘ Prognose waren sie jedoch etwas unschlüssig. Eine knappe Mehrheit von 42 Prozent hält es für sehr wahrscheinlich oder eher wahrscheinlich, dass der CDU-Vorsitzende seinen Posten als Bundeskanzler behält. Allerdings glauben auch 39 Prozent der Befragten, dass das sehr oder zumindest eher unwahrscheinlich ist. Sowohl CDU als auch SPD liegen in Sachsen-Anhalt als auch in Mecklenburg-Vorpommern deutlich hinter der AfD. Offenbar überzeugt die schwarz-rote Politik im Bund also nicht so sehr, dass sie ausreichend Strahlkraft gehabt hätte, um die AfD in zwei weiteren Landtagen als stärkste Kraft zu verhindern. (Quellen: Spiegel, dpa, Welt) (ial)