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"Fußball-Woche": Zwei Berliner wollen Zeitschrift neu beleben

Дата публикации: 11-08-2026 06:31:00

Vor über 100 Jahren wurde sie das erste Mal herausgegeben, die Berliner "Fußball-Woche". Im Oktober 2025 aber war Schluss: aus Kostengründen eingestellt. Seit dem Frühjahr nun arbeiten zwei Berliner an einer Neubelebung des Magazins.


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Interview Zeitschrift mit Tradition "Dann müssen wir uns was trauen": Zwei Berliner wollen "Fußball-Woche" wiederbeleben

Ausgaben der "Fußball-Woche" (Bild: rbb)
Ausgaben der "Fußball-Woche" (Bild: rbb)

Vor über 100 Jahren, im September 1923, wurde sie das erste Mal herausgegeben, die Berliner "Fußball-Woche". Im Oktober 2025 war dann Schluss. Das Magazin, das verlässlich über den Berliner Amateur-Fußball informierte, wurde aus Kostengründen eingestellt. Für die Leser eine traurige Nachricht.

Und auch für Tino Loest und Kilian Depuhl. Die beiden fußballbegeisterten Berliner fackelten nicht lange und kauften das Magazin. Wie sie nun - dank Crowdfunding und nach Monaten der Umstrukturierung - die "Fußball-Woche" wiederbeleben wollen, erklären sie im Interview mit rbb|24.

rbb|24: Im Oktober 2025 teilte die "Fußball-Woche" mit, dass sie ihr Erscheinen einstellen wird. Im Frühjahr dieses Jahres sind Sie angetreten, um die Fußball-Woche zu retten. Was haben Sie seitdem erreicht?

Tino Loest: Bis jetzt haben wir es geschafft, dass wir eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne abgeschlossen haben. Wir haben uns als Ziel gesetzt, 100.000 Euro einzusammeln, um in die Infrastruktur der zukünftigen Fußball-Woche zu investieren. Das haben wir erfolgreich abgeschlossen. Auf diesem Stand sind wir eigentlich jetzt: Wir führen jetzt Bewerbungsgespräche und überlegen uns, wie die Zukunft der Marke "Fußball-Woche" aussehen soll.

rbb|24: Wie war die Resonanz der Crowdfunding-Kampagne? Sind sie zufrieden mit dem Erreichten?

Tino Loest: Wir haben ein bisschen über 103.000 Euro eingesammelt, passt natürlich auch zu 103 Jahre "Fußball-Woche". Wir haben mit dem Berliner Fußballverband, mit dem Nordostdeutschen Fußballverband, mit Lotto Berlin und mit Sum Up die ersten Partner vertraglich an uns binden können, die uns in den nächsten Wochen, Monaten und hoffentlich auch Jahren unterstützen.

Wir haben mit der Crowdfunding-Kampagne aber wenige Menschen außerhalb unseres eigenen Kosmos erreicht. Von den 100.000 Euro haben wir knapp 10.000 Euro von kleinen Unterstützern und circa 90.000 Euro von Leuten bekommen, die etwas mehr gegeben haben. Und ich sage mal, mit circa 80 oder 85 Prozent der Menschen haben wir irgendwo einen persönlichen Kontakt. Und das ist ein bisschen schade.

Wir haben es auch nicht wirklich geschafft, die Vereine nachhaltig in unsere Kampagne zu integrieren. Wir haben es zwar geschafft, dass auch große Vereine wie Union, Hertha, meinetwegen Delay Sports, die eine große Reichweite haben, unsere Artikel geteilt und gepostet haben. Aber auch da hat man gemerkt, dass die Menschen halt zu weit weg sind und nicht auf den Link klicken und nicht so viel Geld in das Produkt "einzahlen".

Ein uraltes Cover der Fußball-Woche (Quelle: rbb) Ein uraltes Cover der Fußball-Woche (Quelle: rbb)

rbb|24: Bei der Einstellung der "Fußball-Woche" wurden Einnahmerückgänge, Kostensteigerungen, fehlende Investitionen als die Gründe genannt. Überall stehen Printmedien vor großen Herausforderungen. Was wollen Sie anders machen, um wirtschaftlich zu überstehen?

Tino Loest: Wir gehen aktiv in den Vertrieb und vermarkten die Marke, reden mit den großen Brands in Berlin, um dort einfach zu sagen, die Lokalität des Fußballsports wird in Zukunft eine maximale Präsenz haben und dass es sich lohnt, in die Berichterstattung zu investieren.

Auf der anderen Seite probieren wir mit den digitalen Möglichkeiten, die wir heute haben, den geneigten Leser maximal an unser Produkt zu binden. Wir wollen neue Themen aufzeigen, dass der Fußballer, über den dort geschrieben wird, in seiner Nachbarschaft gesehen wird, und dass die Menschen, die Eltern, die Großeltern, die Schwiegereltern, die Freunde, die Bekannten am Ende über den Spieler lesen können und wir damit natürlich eine extreme Reichweite in Berlin generieren können.

Die Neuen bei der FuWo: Kilian Depuhl, Tino Loest und Peer Hempel (vlnr.) (Foto: Pia Henkel) Die Neuen bei der FuWo: Kilian Depuhl, Tino Loest und Peer Hempel (vlnr.) (Foto: Pia Henkel)

rbb|24: Als gedrucktes Exemplar war die "FuWo" ein Muss in jedem Vereinsheim. Wird es auch weiter Print-Ausgaben geben und wenn ja, wie häufig werden diese erscheinen?

Tino Loest: Unser Ziel ist, dass wir die Print-Ausgabe rausbringen. Wir sind gerade dran, den Businessplan nachzuschärfen, weil wir tatsächlich auch jetzt erst die gesamte Kostenstruktur rausbekommen. In dem Moment, wenn wir 750 Abos verkauft haben, ab dann beginnt die Auslieferung. Damals gab es die "Fußball-Woche" 50 bis 52 Mal im Jahr. Ich glaube, wenn man in dem Bereich 40 bis 45 Ausgaben rauskommen würde, dann wäre das schon ein absolut attraktives Produkt.

Den klassischen Kiosk-Vertrieb werden wir einstellen. Man kriegt nur noch die Zeitung in dem Moment, wenn man auch tatsächlich ein Abo abschließt. Wir denken über ein Modell nach, dass in jedem Vereinsheim in Berlin 20 Zeitungen zur freien Verfügung ausliegen würden. Man wüsste dann ganz genau, welche Zielgruppe man erreicht und könnte vielleicht wirklich gute Werbepartner dafür finden.

rbb|24: Wann kann man mit der ersten Print-Ausgabe rechnen?

Tino Loest: Wir haben als Datum das Wochenende um den 24. September rausgegeben. Damals, vor 103 Jahren, war der 24. September der Tag der Erst-Ausgabe. Man muss aber sagen, dass die Mühlen maximal langsam mahlen und wir ein Redaktionsprogramm aufbauen müssen, wir müssen Verträge schließen, um auf Fotorechte zuzugreifen. Wir müssen die neue "Fußball-Woche" im Template komplett bauen. Wir brauchen die Redaktion.

Und am Ende brauchen wir auch die 750 Erstabonnenten. Aktuell stehen wir bei 250. Wir merken zwar, dass wir über die Klickraten Woche für Woche organisch einen Zuwachs haben, aber dass wir natürlich eine große Social-Media-Kampagne anlegen müssen, um wirklich auf die 750 zu kommen. Wir hoffen, dass wir in der Hinrunde die Produktion Ende September schaffen. Alles andere können wir leider zum jetzigen Moment noch nicht konkret sagen.

Berliner Fuwo digitalisiert die Fußballgeschichte der Stadt (Quelle: rbb) Berliner Fuwo digitalisiert die Fußballgeschichte der Stadt (Quelle: rbb)

rbb|24: Herr Depuhl, Sie sind zuständig für die Digital-Strategie. Zu sehen gab es schon einiges, vor allem auf Social Media. Könnte man sagen, dass Sie sich auch neue Zielgruppen aufbauen wollen?

Kilian Depuhl: Vor uns liegt ein großer To-Do-Listen-Katalog, wir machen das ja eigentlich in unserer Freizeit, das darf man nicht vergessen. Gerade bei Social Media ist es unser Ansatz, das Ganze crossmedialer zu denken, viel moderner zu denken. Wir wollen auf Social Media viele Dinge ausprobieren, uns selbst herausfordern. Wir wollen da absolut neue Zielgruppen erreichen. Denn wenn eins gefehlt hat, war es nicht, dass die "Fußball-Woche" bei der älteren Zielgruppe nicht mehr bekannt war, sondern eher, dass die jüngere Zielgruppe die Fußball-Woche nicht mehr so auf dem Schirm hatte.

Die "Fußball-Woche" wird kein anderes Medium, sondern wir haben unterschiedliche Channels, sodass wir da auch für jeden am Ende was dabei haben.

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Wir wollen die geilste lokale Fußballmarke der Welt bauen.

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Tino Loest

rbb|24: Über welche Ligen wird die "FuWo" informieren? Wo liegt der Fokus?

Tino Loest: Wir haben ja schon gesagt, dass die Regionalliga unsere Champions League ist. Dann gehen wir in der Berichterstattung bis zur Landesliga der Herren. Darunter werden wir die Tabellen abbilden. Bei den Frauen wollen wir natürlich den Fokus auf die Berliner Teams legen, wo wir Union in der ersten Liga haben und Hertha und Viktoria in der zweiten Liga. Dann das Thema Jugend. Dann haben wir den Altherren-Bereich, den wir natürlich auch mit ausgestalten wollen.

Ein besonderes Highlight wird sein, dass wir mit dem Berliner Fußballverband das Spiel der Woche ausverhandelt haben. Der Berliner Fußballverband bestimmt das Spiel der Woche. Wir begleiten das in der Vorberichterstattung über Social Media und sind dann an dem Spieltag vor Ort mit Berichterstattung, mit Interviews, mit einem 360-Grad-Blick aufs Spiel.

rbb|24: Wie sicher ist es denn, dass man jetzt mit der "FuWo" weiterhin rechnen kann und das vor allem auch über einen langfristigen Zeitraum?

Tino Loest: Wir können auf jeden Fall sagen, dass wir die nächsten 24 Monate finanziell so ausgestattet sind, dass wir das Produkt rausbekommen. Dass wir die App und die Internetseite so schön gestaltet bekommen, dass man wirklich ein Produkt hat, wo man sagt: Darauf kann man stolz sein. 24 Monate - das ist sehr, sehr sicher. Und alles, was danach kommt, wird natürlich vom wirtschaftlichen Erfolg und vom Produkt abhängig sein.

rbb|24: Die Übernahme der "Fußball-Woche" ist also eine schwere Aufgabe. Was hat Sie beide dazu bewegt, sich dieser Aufgabe trotzdem anzunehmen?

Kilian Depuhl: Ich bin immer auf der Suche nach solchen Herausforderungen. Das Schönste ist natürlich, wenn es dann im Lieblingssport passiert. Das, was die "Fußball-Woche" ausmacht, ist, Leute zusammenzubringen und Leuten eine Stimme oder eine Sichtbarkeit zu geben.

Tino Loest: Von meiner Seite aus muss man sagen, dass ich mich schon viel im lokalen Fußball engagiere und durch den Vorsitz bei Eintracht Mahlsdorf natürlich auch viel prägen möchte. Die Marke "Fußball-Woche" wäre definitiv in der Versenkung verschwunden. Und da gilt es einfach, das Produkt wiederzubeleben und frischen Wind reinzubringen. Wir können nur sagen: Wir wollen die geilste lokale Fußballmarke der Welt bauen.

Kilian Depuhl: Als die "FuWo" eingestellt wurde hat man immer gehört: Ach schade, dass es sowas nicht mehr gibt. Wir haben uns dann dementsprechend zusammengeschlossen und gesagt: Ja, okay, dann müssen wir uns was trauen. Das ist wichtig für die Fußballkultur, das ist wichtig, dass soetwas erhalten wird.

rbb|24: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview wurde für die Textfassung redigiert.

Sendung: rbb|24, 10.08.2026, 21:30 Uhr

Audio: rbb|24, 10.08.2026, Tino Loest und Kilian Depuhl im Gespräch mit Hendrik Flöter

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