Die Tour de France Femmes findet in diesem Jahr ohne Starterin aus Berlin oder Brandenburg statt. Der Berliner Verein Wheels Divas treibt den Radsport der Frauen in der Region aber weiter voran. Gerade in der Nachwuchsarbeit fehlt es allerdings an finanziellen Mitteln.
Radsport der Frauen "Berlin hat alle Chancen, eine führende Position einzunehmen"
Die Tour de France Femmes, die dieser Tage stattfindet, rückt den Radsport den Frauen ins Rampenlicht [sportschau.de]. Seit 2022 wird sie als Etappenrennen – im Anschluss an die Tour der Männer – ausgetragen.
"Die Tour war von Anfang an das Highlight im Rennkalender. Mit den Medien, der Organisation und dem Trubel drumherum ist das etwas komplett anderes als alle anderen Rennen", sagt die deutsche Radrennfahrerin Romy Kasper im Gespräch mit dem rbb. Die 38-Jährige aus Forst (Lausitz) hat in ihrer Karriere bereits an unzähligen Straßenrennen teilgenommen, wurde kürzlich die erste Steher-Europameisterin überhaupt und fährt aktuell für das Berliner Wheel Divas Cycling Team.
Auch wenn bei der Tour in diesem Jahr keine Athletin aus Berlin oder Brandenburg an den Start ging, sieht sie den Radsport der Frauen, auch in der Region, insgesamt auf einem guten Weg. "Wir sind, vor allem in der Spitze, breiter aufgestellt als noch vor Jahren." Aber: "Im Nachwuchsbereich fehlt ein bisschen was, dass da was nachkommt und um den Mädels eine Perspektive aus dem Übergang von den Junioren in den Elitebereich zu bieten."
Berliner Wheel Divas: "Amateur-Team in Profi-Liga"
Ganz ähnlich sieht das Hans-Günter Päske, der die Wheel Divas im Jahr 2017 gegründet hat und als sportlicher Leiter fungiert. Neben dem Leistungsradsport engagieren sich die Wheel Divas – auch an Schulen – für die Ausbildung im Nachwuchsbereich. "Inzwischen ist das Team in der Spitze international extrem anerkannt. Es fehlt aber der komplette Unterbau", sagt er.
Seit 2026 haben die Wheel Divas eine Lizenz als "Women's Continental Team" des Weltradsportverbands UCI. Als einziges europäisches Kontinentalteam seien die Berliner dabei jedoch als Verein organisiert. "Alle anderen haben eine Kapitalgesellschaft im Hintergrund. Das sind Wirtschaftsunternehmen." Anders formuliert: "Wir sind ein Amateur-Team in einer Profi-Liga", so Päske.
Für eine erfolgreiche und nachhaltige Entwicklung im Nachwuchs mangele es dem deutschen Radsport letztlich an finanzieller Förderung – und politischem Willen, meint Päske. Allein um die hohen Material- und Logistik-Kosten im Radsport stemmen zu können. "Ich würde mir den Etat aller Flutlichtanlagen für den Fußball pro Jahr – nur, dass das Licht angeht – mal alleine für den Frauen-Radsport wünschen", sagt er. "Der Frauen-Radsport erhält im Prinzip null Zuwendungen vom Land Berlin. Das gilt für die Junioren, U23 und Frauen. Wir sind – bis auf wenige Aufnahmen, wenn wir mal im Velodrom sind – zu 97 Prozent privatfinanziert."
Gute Voraussetzungen in Berlin - aber mangelnde finanzielle Mittel
Ein Ziel seines Vereins sei es, so Päske weiter, in Berlin "ein nationales Frauen-Kompetenzzentrum anzusiedeln, wo der Nachwuchs an der Sportschule gefördert wird. Unsere Aufgabe ist es jetzt, als Spitzenteam mit Berlin in den Austausch zu treten. Wir wollen den Mädels die Chance geben, alles bereitzustellen und eine gleiche Teilhabe zu ermöglichen."
Denn für Päske steht fest: "Berlin hat alle Chancen, im Frauen-Radsport eine führende Position einzunehmen. Die Infrastruktur ist super, wir haben mit dem Velodrom eine der schnellsten Radrennbahnen Europas, aber wir haben keine verlässliche Finanzierung."
"Die Tour hat bewiesen, dass Sichtbarkeit auch eine Nachfrage erzeugt"
Die aktuell laufende Tour de France Femmes zeige erneut, welche sportlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Potenziale im Frauen-Radsport stecken. "Die Tour hat in ganz kurzer Zeit bewiesen, dass Sichtbarkeit auch eine Nachfrage erzeugt", sagt Päske. "Wir haben also die große Hoffnung, dass noch der eine oder andere Sponsor dazukommt."
Auch die deutsche Bewerbung um den Grand Départ der männlichen Tour de France im Jahr 2029 findet er "extrem cool. Die Reichweite der Tour de France ist so unfassbar hoch, dass Berlin auf dem Weg möglicher Bewerbungen als Sportmetropole nur gewinnen kann."
Und "in fünf Jahren" könnte sich Hans-Günter Päske dann auch vorstellen, dass die Wheel Divas bei der Tour de France Femmes mitfahren. Dafür müsste jedoch die jahrelange Vorbereitung durchfinanziert werden. "Da muss Frau Spranger als Sport- und Innensenatorin sagen, ob sie das will", sagt er mit einem Schmunzeln. "Ich habe schon mehrere Gespräche mit ihr geführt und glaube, dass sie ein sehr großer Freund des Frauensports ist. Berlin ist ja immer für eine verrückte Idee gut: Warum also nicht eine Profi-Frauen-Mannschaft im Radsport?"
Sendung: rbb|24, 05.08.2026, 7 Uhr
Audio: rbb|24, 05.08.2026, Lukas Witte im Gespräch mit Romy Kasper
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