Energie Cottbus hat gegen Werder Bremen die Generalprobe vor dem Ligastart mit 2:4 verloren. Der Zweitliga-Aufsteiger zeigte im Kollektiv wie auch individuell durchaus einige Stärken, aber auch noch größere Defizite. Ein gemischtes Fazit zur Saisonvorbereitung.
Eine Woche vor Ligastart Fünf Erkenntnisse aus Cottbus-Generalprobe gegen Bremen
Der FC Energie Cottbus hat die Generalprobe für den Liga-Auftakt verloren. Eine Woche vor der Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga nach zwölf Jahren unterlagen die Brandenburger in ihrem letzten Testspiel gegen Werder Bremen mit 2:4. Das Duell mit dem Bundesligisten ging über zweimal 60 Minuten.
Leistungsträger Tolcay Cigerci (6. Minute) brachte die Lausitzer in Führung. Salim Musah (31.), Samuel Mbangula (45.) und Paul Erevbenagie (103.) drehten die Partie zugunsten des Favoriten. Der Anschlusstreffer durch FCE-Kapitän Axel Borgmann (112.) war zu wenig - auch, weil Bremen durch Chuki (120.) noch einmal auf 4:2 erhöhte.
Am 9. August wird es für die Lausitzer dann ernst. Zum Auftakt der Zweitliga-Saison empfängt die Mannschaft von Trainer Claus-Dieter Wollitz Hannover 96. Die Generalprobe gegen Bremen lieferte für den Liga-Start einige Erkenntnisse.
Erkenntnis 1: Egal, wie hoch der Druck - Cottbus will Fußball spielen
Die Generalprobe gegen Werder Bremen machte klar: Cottbus-Trainer Wollitz will trotz der neuen Liga an seinem Fußball festhalten. Energie scheute sich vor allem in den ersten 60 Minuten gegen den Bundesligisten nicht, das Spiel mutig und technisch anspruchsvoll aufzubauen.
Die Lausitzer ließen sich vom hohen Bremer Pressing nur selten aus der Ruhe bringen und eröffneten stets flach wie kurz. Die Wollitz-Elf trat über lange Zeit sehr dominant und ballsicher auf. Darüber hinaus zeigte der Zweitliga-Aufsteiger immer wieder unterschiedliche Varianten im Aufbau. Dadurch stellte man Bremen immer wieder vor Probleme, indem man das Werder-Pressing ins Leere laufen ließ und Angriffe startete.
Die spielerische Überzeugung Cottbus' war imponierend, barg allerdings auch Gefahr. So kassierte Energie in der 45. Minute den 1:2-Gegentreffer, indem Bremen einen ungenauen Pass kurz vorm Cottbuser Strafraum abfing und dank eines kurzen Weges zum Tor ein leichtes Spiel hatte.
Es wird spannend sein zu sehen, ob Cottbus seine spielerische Linie auch in der 2. Liga beibehalten kann oder zu oft für das riskante Aufbauspiel bestraft wird.
Erkenntnis 2: Wer verteidigt den Sechserraum?
Energie-Übungsleiter Wollitz entschied sich am Samstag für eine Doppelsechs aus Leihgabe Lukas Michelbrink und Rückkehrer Leonardo Bittencourt. Damit betonte er die spielerische Linie der Lausitzer, entschied sich allerdings gegen einen defensivstarken Sechser. Das sollte sich rächen.
Cottbuser Leonardo Bittencourt gegen seinen Ex-Klub Werder Bremen im Einsatz. (Foto: IMAGO / Steffen Beyer)
Cottbus hatte immer wieder Probleme, den Raum vor der eigenen Abwehrkette konsequent zu schließen. Michelbrink und Bittencourt sind eher freischwebende defensive Mittelfeldspieler, die ihre Positionen immer wieder verlassen - das ist gegen den Ball sehr riskant. Es fehlte eine Art Anker, der seine Position hält und dadurch das so entscheidende Zentrum besser verdichten kann.
Entweder muss sich Wollitz für einen defensiveren Spielertypen entscheiden oder aber die Abstimmung zwischen Michelbrink und Bittencourt signifikant verbessern. Ansonsten könnten im Ligabetrieb die Lücken gegen den Ball deutlich zu groß werden.
"Es geht bei uns nicht um die Spielanlage, sondern um das Spieltempo, an das wir uns noch gewöhnen müssen", erklärte Trainer Wollitz gegenüber rbb|24.
Erkenntnis 3: Torhüter Lotka macht einen sicheren Eindruck
Das Erbe ist ein wahrlich großes: Marcel Lotka hat die schwierige Aufgabe, Cottbus' Aufstiegstorhüter Marius Funk, den es zum VfB Stuttgart zog, vergessen zu machen. Der 25-Jährige, der von Fortuna Düsseldorf in die Lausitz gewechselt ist, machte zumindest gegen Bremen einen guten Eindruck.
Lotka zeigte gegen Werder gleich mehrere gute Paraden. Der einstige Herthaner bewies vor allem viel Mut und Proaktivität in Eins-gegen-eins-Situationen. Auch mit Ball am Fuß agierte der gebürtige Duisburger souverän, er fügte sich gut ins anspruchsvolle Cottbuser Aufbauspiel ein.
Marcel Lotka ist die neue Nummer eins bei Energie Cottbus. (Foto: IMAGO / Steffen Beyer)
Erkenntnis 4: Butler und Doumbia machen auf sich aufmerksam
Zwei Spieler, die nicht zur vermeintlichen A-Elf des Testspiels gehörten, jedoch auf sich aufmerksam machten, waren Frankfurt-Leihgabe Fousseny Doumbia und Linksaußen Justin Butler. Das Duo auf der linken Cottbuser Seite wurde für die zweiten 60 Minuten des Tests eingewechselt und überzeugten sogleich.
Doumbia, der auch als Innenverteidiger spielen kann, bekam die Chance als Linksverteidiger. Der 1,90 Meter große Abwehrspieler überzeugte durch eine enorme Wucht und sicheres Passspiel. Doumbia ist für seine Körpergröße bemerkenswert schnell und konnte sich so offensiv wie defensiv immer wieder sehr nützlich einschalten.
Auch Butler, der in der vergangenen Saison sechs Torbeteiligungen in 29 Einsätzen sammelte, konnte überzeugen. Der Angreifer ersetzte zur "zweiten" Spielhälfte Lucas Copado und konnte weitaus mehr Akzente als sein Konkurrent setzen. Butler war durch seine Wucht und seinen immensen Zug zum Tor nur schwer zu verteidigen, einzig an der Präzision im Abschluss haperte es. Ein Auftritt, der Trainer Wollitz noch einmal ins Grübeln bringen könnte.
Cottbus-Stürmer Justin Butler (r.) im Dribbling. (Foto: IMAGO / Steffen Beyer)
Erkenntnis 5: Der zweite Anzug sitzt noch nicht
Für das letzte Viertel des Testspiels rotierte Energie-Trainer Wollitz noch einmal ordentlich. Unter anderem Ersatztorhüter Kevin Kratzsch, Innenverteidiger Tim Campulka, Kapitän Axel Borgmann, Mittelfeldspieler Jonas Hofmann und Flügelspieler Moritz Hannemann erhielten Spielzeit. Es war kein Zufall, dass die Lausitzer in jenen 30 Minuten noch einmal zwei Gegentore kassierten.
Dem zweiten Anzug der Brandenburger war die Differenz an Qualität anzumerken - vor allem körperlich. Cottbus hatte auf einmal deutlich Tempodefizite und konnte die Lücken kaum noch stopfen. Gegner Bremen fiel es im Schlussspurt deutlich einfacher, die Tiefe zu bespielen und sich in direkten Laufduellen durchzusetzen - Energie kam schlicht nicht hinterher.
Die Kadertiefe auf ein paar Postionen bereitet kurz vor Saisonbeginn noch etwas Sorgen.
Sendung: rbb|24, 01.08.2026, 19:27 Uhr
Video: rbb24 Brandenburg aktuell, 01.08.2026, Aline Anders-Lepsch
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