Die Krise ist vorbei, sagt die BVG. Der Betrieb läuft zuverlässig wie lange nicht mehr. Zum Schulbeginn gibt es erstmals seit drei Jahren ein größeres Angebot im Busnetz. Und: Es gibt keinen Fahrermangel mehr.
Nach Angaben von BVG-Chef Henrik Falk ist die Krise bei der BVG vorbei. „Unser Stabilisierungskurs zeigt Wirkung“, sagte der Vorstandsvorsitzende am Donnerstag vor Journalisten. Die Zuverlässigkeit habe sich vor allem bei der U-Bahn deutlich erhöht. Sie lag im ersten Halbjahr bei 98,5 Prozent, im Jahr 2025 waren es nur 94,3 Prozent.
Auf dem Höhepunkt der Krise im Jahr 2024 waren es 91,7 Prozent, fast jeder zehnte Zug fiel damals aus. Denn es fehlten Fahrer und Fahrzeuge. 2023 reduzierte die BVG das Angebot vor allem bei Bus und U-Bahn. Im Busbereich war das Angebot 2023 um sechs Prozent reduziert worden, das sind etwa sechs Millionen Bus-Kilometer im Jahr. Es gilt seitdem das Motto „Stabilität vor Wachstum“.
Die Probleme bei Personal und Fahrzeugen hat die BVG nach eigener Einschätzung nun gelöst. Auf den Linien 5 bis 9 sind mittlerweile fast 100 neue Wagen des Typs „J“ unterwegs, die Lieferung hatte im Mai begonnen. Für die Linien 1 bis 4 stehen inzwischen 140 neue Wagen des Typs „JK“ bereit. Mehr Züge gibt es deshalb aber nicht: Parallel mit der Lieferung der neuen Wagen werden die ältesten und reparaturanfälligsten Modelle ausgemustert.
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Kilometer wird die Buslinie M77 verlängert
„Die BVG leidet nicht mehr unter Fahrermangel“, betonte Falk am Donnerstag. Zum Schuljahresbeginn Ende August wird es erstmals seit 2023 wieder einige Verbesserungen im Busangebot geben: Die Linie M77 (Marienfelde – Mariendorf) wird um knapp fünf Kilometer zum S/U-Bahnhof Hermannstraße verlängert. Auf der Linie X33 (Spandau – Wilhelmsruher Damm) wird der Takt verdichtet. Die Linie 310 fährt wieder wie früher. Diese Linie war Ende 2023 komplett eingestellt worden. Auf den allermeisten Linien gelten die Einschränkungen von 2023 weiter.
Die Zuverlässigkeit beim Bus liegt laut BVG im ersten Halbjahr bei 99,6 Prozent (2025: 99,5 Prozent). Bei der Straßenbahn verbesserte man sich von 98,6 auf 99,3 Prozent. Bei all diesen Zahlen sind Streiks und „externe Faktoren“ (Unfälle, Demonstrationen, Staus, Streik und der Eisregen im Winter) herausgerechnet. Falk sagte, dass nur die Situation bei Personal und Fahrzeugen von der BVG beeinflussbar sei.
Fahrgäste unterscheiden nicht zwischen den AusfallgründenDen Fahrgast interessiert der Grund für den Ausfall allerdings nicht. Rechnet man die externen Faktoren hinein, liegt die Zuverlässigkeit bei 98 Prozent (U-Bahn) und 99,2 Prozent (Bus). Am deutlichsten ist der Unterschied bei der Straßenbahn: 2,3 Prozent der Fahrten fielen vor allem wegen des Eisregens aus. Zu Jahresbeginn hatte die BVG die Straßenbahn in ganz Berlin mehrere Tage komplett eingestellt.
Die Zuverlässigkeit liegt allerdings weiterhin unterhalb der im Verkehrsvertrag mit dem Land Berlin vereinbarten Werte – ganz vorbei ist die Krise also noch nicht. Nun ist der Sanierungsstau das größte Problem.
Im Juni stellte der Verkehrsbetrieb die Linie U1 auf der Hochbahn zwischen Warschauer Straße und Wittenbergplatz ein: Schienen und Schwellen haben so große Mängel, dass die verbleibenden Züge der U3 deutlich langsamer fahren müssen. Die U1 pendelt nur noch auf dem Stummel zwischen Uhlandstraße und Nollendorfplatz. Wann die Strecke saniert wird, ist unklar.
Falk verweist auf Fortschritte in anderen Bereichen: 2027 sollen zwei neue Betriebshöfe für Batteriebusse fertig werden. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 70 neue E-Gelenkbusse in Betrieb genommen, weitere 80 folgen in der zweiten Jahreshälfte. Bis Jahresende sollen 15 neue Straßenbahnen vom Typ Urbanliner auf der M4 im Einsatz sein.
Bei allen Projekten gibt es ein riesiges „Aber“: 60 Jahre lang wurde in Berlin kein Betriebshof gebaut. Die Bestellung neuer Batteriebusse musste deshalb zuletzt deutlich reduziert werden, weil es keine Höfe gibt, auf denen sie geladen werden können.
Auch die Inbetriebnahme der neuen superlangen Straßenbahn geriet zum Fiasko. Die BVG musste die Premierenfahrt im Februar kurzfristig absagen und den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und zwei Senatorinnen wieder ausladen. Der Urbanliner des französischen Herstellers Alstom hatte schlicht keine Zulassung durch die Technische Aufsichtsbehörde erhalten. Erst im Juli konnte der Fahrgastbetrieb starten, mehrere Jahre zu spät. Zur Erinnerung: Bestellt wurde der Zug im Jahr 2020.
Ebenso hausgemacht ist das Fiasko mit der Sanierung der U-Bahn-Linie 6 in Reinickendorf. Aus zwei Jahren Bauzeit werden nun fast fünf, wie das Unternehmen kürzlich mitteilte. Der Umfang der Arbeiten war völlig falsch eingeschätzt worden. Erst im August 2027 sollen wieder Züge zwischen Kurt-Schumacher-Platz und Tegel fahren.
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