Immer häufiger geraten deutsche Wälder in Brand. Ein ferngesteuerter Löschroboter soll auch in extrem gefährlichen Situationen helfen.
Waldbrände bergen für die Feuerwehren in Deutschland viele Gefahren. Steile Hänge, Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg oder unwegsames Gelände erschweren die Einsätze. Deshalb setzen Feuerwehr und Katastrophenschützer auf eine neue Waffe gegen die Flammen: einen ferngesteuerten Löschroboter mit dem Namen „Superwolf“.

Ein Härtetest für den Löschroboter lief Ende Juni im Kreis Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz). Am Rotenfels kämpften Einsatzkräfte über Tage gegen einen Waldbrand in einem schwer zugänglichen Naturschutzgebiet. Weil dort immer wieder alte Weltkriegsmunition explodierte, konnten Feuerwehrleute viele Brandherde nicht gefahrlos erreichen. Statt Menschen direkt in die Gefahrenzone zu schicken, wurde der rund 14 Tonnen schwere Spezialroboter eingesetzt.
Der „Superwolf HR1“ ist kein klassisches Feuerwehrfahrzeug, sondern ein taktischer Einsatzroboter für besonders gefährliche Lagen. Die derzeit noch ferngesteuerte Kettenmaschine wurde speziell für Vegetations- und Waldbrände entwickelt und soll perspektivisch mithilfe Künstlicher Intelligenz zunehmend autonom arbeiten.
Der „Superwolf“ kann mit leistungsstarken Wasserwerfern Brände bekämpfen, Brandschneisen anlegen, Hindernisse beseitigen sowie Bäume fällen und zerkleinern, um Einsatzkräfte schneller an Brandherde heranzuführen oder Feuer auszubremsen. Dank Hybridantrieb, Wärmebildkameras und robuster Geländetechnik bewegt sich das Fahrzeug auch dort weiter, wo herkömmliche Löschfahrzeuge längst an ihre Grenzen stoßen. Nach Herstellerangaben lässt sich der Roboter aus sicherer Entfernung steuern und ist speziell für Einsätze konzipiert, bei denen Menschen einem hohen Risiko ausgesetzt wären.

In einem munitionsbelasteten Naturschutzgebiet im Kreis Bad Kreuznach brannte von Samstagnachmittag bis Dienstag ein Waldgebiet. Explodierende Weltkriegsmunition stoppte die Löscharbeiten.© dpa | Thomas Frey
„Superwolf“ bisher selten – kleinere Roboter international im EinsatzNach Angaben des Geschäftsführers von Alpha Robotics, Oliver Rasche, existiert vom großen System derzeit erst ein vollständiges Setup. Dazu gehören der taktische Einsatzroboter Alpha Superwolf HR1, ein Trägerfahrzeug für eine 800 Meter lange formstabile Schlauchleitung sowie ein mobiles Leitstandfahrzeug. „Alle Komponenten wurden von unserem Unternehmen entwickelt und gebaut“, sagt Rasche. Gemeinsam mit der Feuerwehr des Landkreises Vechta werde das System im Rahmen einer Kooperation unter realen Bedingungen betrieben.
Kleinere Systeme wie der „Alpha Wolf R1“ seien dagegen bereits in größerer Stückzahl im Einsatz – unter anderem in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Ukraine.
Die Anschaffung eines kompletten Systems ist allerdings teuer. „Je nach Ausführung und Ausstattung ergibt sich daraus ein Preisbereich von etwa 2 bis 6 Millionen Euro“, erklärt Rasche. Der Roboter allein sei dabei nicht ausreichend: Erst im Zusammenspiel mit Begleitfahrzeugen und Schlauchsystemen entfalte er seine volle Leistungsfähigkeit.
Vorteil vor allem bei gefährlichen EinsatzstellenDr. Ulrich Cimolino, Leiter des Arbeitskreises „Waldbrand“ des Deutschen Feuerwehrverbandes, sieht in Löschrobotern eine wichtige Ergänzung. Besonders sinnvoll seien solche Systeme laut Cimolino dort, wo Menschen nicht oder nur kurzzeitig eingesetzt werden können. Dazu gehören etwa Gefahrguteinsätze, Vegetationsbrände mit besonderen Risiken oder Flächen mit möglicher Munitionsbelastung.
„Sie bieten immer dann einen Vorteil, wenn das Arbeiten mit Einsatzkräften vor Ort aufgrund der Gefährdungslage nicht oder nur so kurz wie möglich sinnvoll beziehungsweise zu verantworten ist“, erklärt der Experte.
Auch Hersteller Rasche betont den Sicherheitsaspekt: Es gehe nicht um ein Entweder-oder zwischen Mensch und Maschine. „Im Mittelpunkt steht dabei immer die Sicherheit und Entlastung der Einsatzkräfte“, sagt er.
Technik stößt im Wald an Grenzen – „Können sich im Wald schnell festfahren“Ganz frei von Problemen sind die Systeme jedoch nicht. Cimolino verweist auf praktische Schwierigkeiten im Gelände. Ein Bediener müsse entweder über umfangreiche Kamerabilder verfügen oder sich in der Nähe in einem geschützten Fahrzeug befinden. „Sonst können sich die ferngesteuerten Fahrzeuge im Wald sehr schnell festfahren“, sagt Cimolino. Besonders kompliziert werde es, wenn Schläuche über lange Strecken durch unübersichtliches Gelände gezogen werden müssen.
Rasche sieht die größten Herausforderungen nicht nur in der Technik selbst. Die Einsatzumgebung der Feuerwehr sei äußerst komplex. Vollständig autonome Entscheidungen könnten deshalb aktuell nicht ersetzt werden. „Die Verantwortung für alle wesentlichen Entscheidungen liegt heute und auch in naher Zukunft weiterhin beim Menschen.“, erklärt Rasche. Autonome Funktionen seien derzeit vor allem Assistenzsysteme.

Verlässliche Zahlen, wie viele unbemannte Löschsysteme in Deutschland im Einsatz sind, gibt es laut Cimolino nicht. Unbemannte Technik werde bei Feuerwehren allerdings schon seit Jahrzehnten genutzt – etwa stationäre Wasserwerfer oder mobile Systeme für verschiedene Spezialaufgaben. Trotzdem erwartet Cimolino nicht, dass Roboter bald flächendeckend Feuerwehrfahrzeuge ersetzen werden. „Es wird auch in 50 Jahren noch eine, durchaus sinnvolle, seltene Speziallösung sein“, sagt er.
Mit Blick auf Vegetations- und Waldbrände sieht Cimolino Nachholbedarf bei der Ausstattung von Feuerwehren. Benötigt würden unter anderem mehr geländegängige Fahrzeuge, geschützte Spezialtechnik und bessere Strukturen für überregionale Einsätze. Gerade in Gebieten mit Munitionsverdachtsflächen seien spezielle Lösch- und Räumfahrzeuge nötig. Und auch die Ausbildung müsse angepasst werden. Jede Einsatzkraft brauche nach Ansicht Cimolinos mehr Grundlagenwissen zur Vegetationsbrandbekämpfung.
Die Anforderungen an die Feuerwehrleute steigen auch durch den Klimawandel. „Wärmere, trockenere Perioden führen automatisch zu größerer Trockenheit, dies zu größeren Gefahren in der Entzündung von Bränden und in der schnelleren Ausbreitung“, sagt Cimolino. Bei dynamischen Einsatzlagen wie Vegetationsbränden habe das Wetter einen entscheidenden Einfluss. „Jede Veränderung der Wetterlagen hat Folgen“, so der Experte.
Die Zukunft der Waldbrandbekämpfung dürfte deshalb aus einer Kombination bestehen: besser ausgebildete Einsatzkräfte, mehr Spezialfahrzeuge – und gezielt eingesetzte Roboter.
„Sie sind durchaus ein wichtiger Bestandteil beziehungsweise Baustein der Möglichkeiten für bestimmte Einsatzlagen“, sagt Cimolino. Entscheidend sei aber, dass Feuerwehren ihre Möglichkeiten und Grenzen kennen.
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