Die Kings of Leon aus Tennessee gibt es seit mehr als 25 Jahren. Sie haben alle Höhen und Tiefen einer Rockband erlebt. Eines lieben sie offenbar immer noch am meisten: live zu spielen. Ihr ausverkauftes Konzert in Berlin geriet schnörkellos und großartig.
Konzert Kings of Leon in der Zitadelle Gänsehaut, Durst und Sex on Fire
Betont beiläufig kommen die Kings of Leon um kurz nach 20 Uhr auf die Bühne der Zitadelle Spandau, winken ein Mal und los geht's. Die Schlangen vor den Getränkeständen sind da immer noch endlos, bis hinein in den Zuschauerraum. Kein Witz. Es ist heiß und die Leute haben Durst, Durst, Durst.
Irgendwann aber sind alle versorgt und können sich auf das Konzert konzentrieren. Nur auf die drei riesigen Videowände darf man phasenweise nicht zu lange gucken. Da sieht man zwar die abgefilmten Kings of Leon schön nah, aber die Bildregie wechselt derart schnell zwischen Sänger, Drummer, Gitarrist, Bassist und wieder Sänger, dass einem schwindelig werden kann.
Dann kommt auch schon der wirklich schöne Song "Use Somebody" von ihrem Erfolgsalbum "Only by the Night" und ein erstes Juchzen geht durch das Publikum. Das Album ist bald 20 Jahre alt und katapultierte die Band damals vom Indie-Status in Rockstar-Höhen. Laut schreiend zeigen sich zu dem Song zwei Freundinnen grinsend gegenseitig ihre Gänsehaut und versuchen sich zu überbieten. So nah geht den Leuten dieser Soundtrack ihrer Jugend.
Ohne Schnickschnack immer weiter
Kings of Leon spielen stark auf, sind in Topform, das weiß man schon nach den ersten paar Songs. Sänger Caleb Followill klingt hell und leicht leidend und melancholisch wie immer. Er sagt nicht viel, auch das wie immer.
Die Band spielt 24 Songs in rund 100 Minuten. Das ist ihre Mission, kein Schnickschnack, keine Laberei, fast keine Videoshow außer eben der Band selbst auf den Bildschirmen, das reicht. Einen Zusatzmusiker haben sie dabei für ein bisschen mehr Sound, ein bisschen Percussion. Ansonsten sind es eben nur sie: die drei Brüder Caleb, Jared und Nathan Followill und ihr Cousin Matthew Followill. Gesang, Bass, Schlagzeug und E-Gitarre.
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Eine märchenhafte Geschichte
Ihre Geschichte wurde oft erzählt und je länger sie her ist, desto märchenhafter erscheint sie. Die Kurzform: Drei Söhne eines Wanderpredigers und ihr Cousin werden kurz nach der Jahrtausendwende quasi aus Versehen zu Rockstars, weil sie mit ihrem spröden, trockenen Hippie-Rock zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Ein paar Jahre später, siehe oben, sind sie mit einer Handvoll Hits weltberühmt.
Nun spielen sie so präzise, wie man vielleicht nur spielen kann, wenn man schon immer eine Familie war und nach wie vor ist. So cool, aber freundlich, wie man vielleicht nur sein kann, wenn man alles erlebt hat. Rasanter Aufstieg, dann Rausch, viel zu viel Rausch, etwas Überheblichkeit und Arroganz, schlechte Platten und dann doch wieder die Kurve bekommen.
Drummer Nathan sitzt beim Spielen auf einem Schreibtischstuhl, angelehnt - und macht Kaugummiblasen in die Kamera. Und spielt dabei gefühlvoller und tighter, als fast jeder andere Drummer seiner Zeit. Mehr muss man über diese naturlässige Band eigentlich gar nicht sagen.
Ein Mal durch die Diskografie
Ok, ein paar Songs sind dann doch eher Füllmaterial. Kings of Leon spielen sich beinah durch ihre gesamte Diskografie, spielen Songs von fast jedem Album. Die Fans aber mögen hauptsächlich die älteren Sachen. So ist das eben bei Bands, die es seit mehr als 25 Jahren gibt.
Das ist nicht schlimm, das muss man akzeptieren. Überhaupt ist die Stimmung erst am Ende zu "Knocked Up" und natürlich dem Überhit "Sex on Fire" so richtig eskalierend. Liegt vielleicht am Wetter. Oder daran, dass die meisten Fans mittlerweile doch etwas gesetzter sind? An Kings of Leon liegt es jedenfalls nicht. Die haben ein grandioses Konzert gespielt.
Sendung: rbb24 Inforadio, 19.06.2026, 6:55 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 19.06.2026, Hendrik Schröder
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