Ventilatoren, Fächer und viel Wasser – gegen die Hitze gewappnet erleben die Fans im Berliner Olympiastadion eine musikalische Zeitreise durch die größten Hits von Bruno Mars. Ein Abend voller Emotionen.
Konzert Bruno Mars in Berlin Zwischen Schweiß und Tränen im Olympiastadion
Von Jule Lippick
Nach neun Jahren ist Bruno Mars mit seinem Ende Februar veröffentlichten Album "The Romantic" zurück auf der Bühne. Seine einzigen drei Deutschlandkonzerte spielt er im Berliner Olympiastadion - ausgerechnet zum Zeitpunkt der Hitzewelle.
Beten für die Show
Die extreme Wärme flimmert über die Menschenmenge im Olympiastadion. Auf einer riesigen Leinwand leuchtet ein Video auf: Bruno Mars betet in einer Kirche. Dann eine Stimme aus dem Off: "God, I thank you". In rotem Gewand sieht man den Künstler knien. Er bittet Gott darum, in Berlin eine Show zu spielen, die die Stadt niemals vergessen wird. Und ob es Gott war, die brütende Hitze oder die Kraft des Publikums – dieser Abend wurde unvergesslich.
Bruno Mars, einer der größten Popstars der Welt, mit Millionen verkauften Alben und zahlreichen Auszeichnungen, darunter 16 Grammy Awards, ist nach neun Jahren als Headliner zurück auf der großen Bühne. Mit seinem Ende Februar erschienenen Album "The Romantic" ist der Weltstar dieses Jahr auf Tour. Berlin ist dabei sein einziger Tourstopp in Deutschland. Im ausverkauften Olympiastadion spielt er nun dreimal seine Show.
Dass diese Konzerte zufällig auf die Tage der Hitzewelle fallen, störte die Fans nicht. Sie kamen vorbereitet – mit kleinen Ventilatoren, zahlreichen Fächern, viel Wasser, Sonnencreme und Sonnenschirmen. Dennoch standen die Temperaturen um die 35 Grad einigen Besuchern ins Gesicht geschrieben. Feiern wollten sie das Konzert trotzdem: "Bruno Mars sieht man nur einmal. Da ist es egal, ob es stürmt, schneit oder heiß ist."
Das Publikum zeigt auch, dass Mars' Musik kein bestimmtes Alter kennt. Von Kindern mit ihren Eltern über beschwipste Mittzwanziger bis zum Mutter-Tochter-Duo – angereist aus allen Ecken Deutschlands und dem Ausland – wollen die Fans ihren Star in Berlin sehen.
Dresscode passend zu den Temperaturen: Rot - Rote Kleider, rote Hemden, Herzchen, Rosen als Accessoire. Das romantische Thema der Tour ist in diesem Punkt schon erfüllt.
Nach dem Gebet
"Amen", sagt Mars als letzte Worte in der Videosequenz. Auf der großen Leinwand verfolgen die Fans, wie er sich einen goldenen Cowboyhut aufsetzt, seinen Gitarrenkoffer schnappt und die Kirche verlässt – nur um einige Sekunden später tatsächlich im roten Anzug auf der Bühne des Olympiastadions aufzutauchen. Im Hintergrund spielt seine Band das Intro des neuen Albums "Risk It All", etwas länger und dramatischer als in der Studioversion. Hier gibt der Hawaiianer dem Stadion eine Kostprobe seiner Stimme. Die Fans rasten komplett aus. Handykameras werden gezückt.
Es folgen einige Hits seines neuen Albums. Beim dritten Song "On My Soul" explodiert das erste Feuerwerk. Dazu gleiten Band und Sänger über die Bühne, als wären dort oben keine 31 Grad. Mit "24K Magic" feuert die Show in die nächste Runde. Jetzt heißt es Partyreise in die Vergangenheit. Mit "Treasure" katapultiert Mars das Olympiastadion zurück ins Jahr 2012. An diesem Punkt sitzt niemand mehr auf den Sitzen, das Publikum singt lauthals mit. Tropfen rollen über einige Wangen – ob Schweiß oder Tränen ist nicht mehr zu unterscheiden.
Musiker Anderson Paak betritt die Bühne: Gemeinsam mit Bruno Mars bildet er das Duo Silk Sonic. Zusammen performen sie mehrere Songs. Paak nimmt einen Bissen von einer Brezel und trinkt einen Schluck Bier aus einem großen Krug. Mars setzt sich einen Jagdhut auf. Das Publikum lacht über diese liebevolle Geste.
Große Emotionen und Konfetti
Inzwischen taucht die sinkende Sonne den Himmel über Berlin in ein warmes Orange. Wie eine Kulisse leuchtet der Abend über dem Olympiastadion. Und auch Bruno Mars hat sein Gewand gewechselt. Statt rotem Anzug steht er nun in einem weißen Shirt mit Weste und Gitarre auf der Bühne. Damit leitet er in den romantischerem Teil des Abends über.
Er performt "Marry You". Zum Ende des Songs rieselt weißes Konfetti wie Schnee an diesem heißen Sommertag auf das Publikum. Es folgt sein Hit mit Lady Gaga "Die With a Smile". Bruno spielt nun allein auf der Bühne, am Flügel, ohne seine Band. Es wird ruhiger und emotional. Bei "Grenade" singt das gesamte Stadion mit wie bei kaum einem anderen Song. Mars hält kurz inne und atmet durch, bevor seine Band "The Hooligans" wieder auftauchen und sie gemeinsam das Stadion wieder zum Kochen bringen. Dieses Zusammenspiel aus sentimentaler, langsamer Musik voller Emotionen und All-Time-Party-Hits – das ist etwas, das dieser Mann studiert zu haben scheint.
Euphorie und Adrenalin
Er bringt die Menge zurück nach 2010 mit seiner Performance von "Just the Way You Are" und beendet mit dem Song "Uptown Funk" diese riesige Tanzveranstaltung. Das Licht erlischt, die Bühne ist dunkel. Doch die Fans haben nicht genug. Ein letztes Mal tritt Bruno Mars an diesem Freitagabend auf die Bühne des Olympiastadions und spielt den Closing Track seines Albums "Dance With Me". Dieses Ende schlägt ein wie ein Komet: Die Menschen liegen sich in den Armen. Verschwitzte Gesichter strahlen. Ein Cocktail aus Euphorie und Adrenalin, der auch nach dem letzten Ton noch nachwirkt. "Das ist eine once-in-a-lifetime experience", sagt eine Besucherin. Sie hat bei fast allen Liedern geweint, erzählt sie. Bruno Mars war ein großer Teil ihrer Kindheit und Jugend, ihn jetzt live zu sehen, ist ein wahr gewordener Traum.
Ob es Bruno Mars Gebet zu Beginn der Show war oder einfach das perfekte Zusammenspiel zwischen Choreografie, Band und der Energie des Publikums – dieser Abend war unvergesslich.
Sendung: rbb24 Inforadio, 27.06.2026, 7:55 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 27.06.2026, Jule Lippick
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