In den Randgebieten der Stadt ist die Freiwillige Feuerwehr oft vor dem Rettungswagen da. Die neue Qualifikation gibt den Einsatzkräften mehr Möglichkeiten, in Notfällen zu helfen.
Antonia Wahle ist eine der neuen Rettungssanitäterinnen bei der Freiwilligen Feuerwehr in Düsseldorf. Sie ist seit 2022 beim Löschzug in Angermund aktiv.
Foto: Bretz, Andreas (abr)Düsseldorf · In den Randgebieten der Stadt ist die Freiwillige Feuerwehr oft vor dem Rettungswagen da. Die neue Qualifikation gibt den Einsatzkräften mehr Möglichkeiten, in Notfällen zu helfen.
Die Feuerwehr bildet ihre ehrenamtlichen Kräfte weiter – und verbessert so die Versorgung mit Erster Hilfe in Düsseldorf. Erstmals hatten nun Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr die Möglichkeit, an einer Weiterbildung zu Rettungssanitätern teilzunehmen.
Eine von den vier Absolventinnen und Absolventen des Lehrgangs ist Antonia Wahle. Die 23-Jährige ist ehrenamtlich in der Löschgruppe Angermund tätig. Anders als die meisten Wachen der Berufsfeuerwehr sind die Standorte der freiwilligen Löschgruppen eher dezentral an den Stadträndern gelegen, in Wittlaer, Hubbelrath, Unterbach und Himmelgeist zum Beispiel. Zwar schafft die Berufsfeuerwehr es in den meisten Fällen (83 Prozent), innerhalb der Hilfsfrist von zehn Minuten am Einsatzort zu sein. Vor allem in den Randgebieten kommt es aber vor, dass die Freiwillige Feuerwehr schneller ist und zuerst eintrifft.
So hat es auch Antonia Wahle bereits erlebt. Sie erinnert sich noch gut an einen Einsatz in Angermund, bei dem sie und ihre Kollegen eine Frau reanimieren mussten, weil sie vor dem Rettungswagen vor Ort waren. In solch lebensbedrohlichen Situationen kommt es auf jede Sekunde an. „Das war ein ausschlaggebender Moment für mich“, sagt die 23-Jährige. Zwar müssen alle freiwilligen Feuerwehrkräfte einen erweiterten Erste-Hilfe-Kurs absolvieren und lernen dabei auch die Reanimation. Als aber das Angebot zur Rettungssanitäter-Ausbildung kam, habe sie keine Sekunde gezögert, sagt Antonia Wahle: „Das wollte ich mitnehmen.“
Von März an hat sie den 520-stündigen Lehrgang mit Theorieteil und Praktika in einer Klinik und auf einer Rettungswache absolviert. Um das stemmen zu können, hat die 23-Jährige für ein Semester das Pensum ihres Masterstudiums in Wirtschaftschemie heruntergeschraubt. So konnte sie das Studium, die theoretische Weiterbildung und mehrere 24-Stunden-Schichten unter einen Hut bekommen.
Bei dem Lehrgang habe sie ihr bisheriges Erste-Hilfe-Wissen um ein Vielfaches erweitert, sagt die 23-Jährige. Sie kennt sich nun im Rettungswagen aus, weiß, wo die Medikamente lagern und wie man diese aufzieht, sie kann die Symptome eines Patienten systematisch überprüfen, erste Maßnahmen einleiten, einen Zugang legen und eine medizinische Einschätzung an die Rettungskräfte weitergeben, wenn diese eintreffen.
Ein typischer Einsatz, bei dem sie das anwenden kann: Eine Person liegt hilflos in der Wohnung und die Freiwillige Feuerwehr kommt, um die Tür zu öffnen. Dann können Antonia Wahle und die anderen Rettungssanitäter bereits tätig werden. Auch bei einem Unfall mit einer leicht verletzten Person in Angermund, bei dem die Ehrenamtlichen als Erste am Einsatzort waren, habe sie die neu erlernten Fähigkeiten bereits nutzen können.
Das Engagement der Freiwilligen sei ein „großer Gewinn“ und eine „wertvolle Ergänzung“ für die Arbeit der Berufsfeuerwehr, sagt Feuerwehrsprecher Alexander Vieten. Die Feuerwehr Düsseldorf trägt darum die Kosten für den Lehrgang. Die rund 2000 Euro müssen Ehrenamtliche ansonsten selbst tragen. Zudem übernimmt das Team die Organisation der Praktikumsplätze auf den Rettungswachen und in den Kliniken. Auch die jährlichen Auffrischungskurse gehören dazu.
Die freiwilligen Kräfte sitzen dabei mit den angehenden Berufsfeuerwehrleuten in einem Kurs zusammen. Zehn solcher Plätze waren beim ersten Durchgang im Frühjahr 2026 frei, vier davon wurden von Ehrenamtlichen genutzt. „Das Interesse war noch größer“, sagt Vieten. Doch nicht alle Ehrenamtler könnten sich neben Job, Familie und anderen Verpflichtungen drei Monate für die Weiterbildung freischaufeln. So seien es hauptsächlich jüngere Kräfte wie Antonia Wahle, die im oder nach dem Studium die Flexibilität dafür haben.
Wenn Antonia Wahle im kommenden Jahr ihr Studium beendet, ist für sie bei der Feuerwehr sicherlich noch nicht Schluss. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich zur Berufsfeuerwehr gehe“, sagt die 23-Jährige.