Die neue Kaufprämie für E-Autos soll vor allem Familien zugute kommen. Die Wahrheit sieht anders aus, zeigen FOCUS online vorliegende Zahlen.
Die neue Kaufprämie für E-Autos soll vor allem Familien zugute kommen. Die Wahrheit sieht anders aus, zeigen FOCUS online vorliegende Zahlen. Chinesische Autobauer können sich derweil freuen.
Die neue Elektroauto-Kaufprämie soll E-Mobilität für Familien mit geringem Einkommen erschwinglich machen. Das betont das Bundesumweltministerium unter Carsten Schneider (SPD) immer wieder und spricht von einer „sozialen Staffelung des E-Auto-Boosters“. Doch kommt die Prämie wirklich vorwiegend Familien zugute? Und profitieren deutsche Arbeitsplätze davon, indem auch in Deutschland produzierte Stromer gekauft werden? FOCUS online liegen Daten vor, die zum Teil ein anderes Bild offenbaren, als es die Bundesregierung zeichnet.
Insgesamt sind im Rahmen der E-Auto-Förderung bislang 82.008 Anträge eingegangen (Stand: 13. Juli 2026, alle Details zur Förderprämie finden Sie hier). Gefördert werden nur private Käufer. Pro Kind zahlt der Staat zusätzlich 500 Euro, wobei maximal zwei Kinder (bis 18 Jahre) berücksichtigt werden. Die Anträge verteilen sich laut Daten der BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ) wie folgt:
Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Familien werden bei der Prämie vor die Entscheidung gestellt, ihr existierendes und meist gebrauchtes Fahrzeug, etwa einen Kombi, einen Familienvan oder ein SUV, durch ein E-Auto zu ersetzen. Die „leistbaren“ E-Fahrzeuge im Bereich zwischen 20.000 und 40.000 Euro sind aber in den meisten Fällen Klein- und Kompaktwagen mit eher schlechten Platzverhältnissen und durchschnittlichen Reichweiten. Die kommen dann als Ersatz für den vorhandenen Diesel oder Benziner eher nicht infrage.
Ein klarer Fördertrend zeigt sich bei den Antriebsarten. Umweltverbände hatten oft Kritik daran geübt, dass neben reinen Batterieautos auch Plug-In-Hybride gefördert werden. Denn diese hätten in der Praxis einen zu hohen Verbrauch. Tatsächlich entfallen nach bisherigen Daten aber 90 Prozent der Anträge auf reine Elektroautos. „Von 82.008 Anträgen entfallen 74.209 Anträge auf reine batterieelektrische Fahrzeuge beziehungsweise Brennstoffzellenfahrzeuge (BEV/FCEV); das entspricht mehr als 90 Prozent der Anträge. Weitere 7799 Anträge betreffen Plug-in-Hybride beziehungsweise Elektrofahrzeuge mit Reichweitenverlängerer (PHEV/REEV)“, listet das Bundesumweltministerium auf Anfrage von FOCUS online auf.
Etwas näher an den Förderzielen als die Familien-Komponente scheint die Einkommens-Quote der Antragsteller zu liegen. 41.156 Anträge wurden von Haushalten mit einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen von bis zu 45.000 Euro gestellt. „Das entspricht fast 50 Prozent aller Anträge. Weitere 18.108 Anträge entfallen auf Haushalte mit einem Einkommen von 45.001 bis 60.000 Euro. Damit stammen insgesamt 59.264 Anträge beziehungsweise rund 72 Prozent aller Anträge von Haushalten mit einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen von bis zu 60.000 Euro“, so das Ministerium.
Eher ungewöhnlich ist, dass die geförderten Fahrzeuge nur etwa zur Hälfte geleast werden. Von 82.008 Anträgen entfallen 40.324 Anträge auf Fahrzeugleasing. 41.684 Fahrzeuge wurden gekauft. Bei E-Autos, die technisch schnell veralten und zumindest derzeit noch einen hohen Wertverlust haben, ist Leasing eigentlich empfehlenswerter. Allerdings unterscheidet sich der Privatkundenmarkt hier durchaus vom Markt für Gewerbekunden.
Politischen Zündstoff birgt die Frage, welche Autohersteller von den Prämien am meisten profitieren. Denn der für rund 800.000 Neuwagen ausgelegte Milliarden-schwere Fördertopf muss ja von den deutschen Steuerzahlern gefüllt werden und entsprechend müssten auch deutsche Hersteller mit ihren derzeit akut bedrohten Arbeitsplätzen besonders profitieren.
Das Umweltministerium macht hierzu auf Nachfrage keine Angaben, doch dem „Handelsblatt“ liegt eine Aufschlüsselung nach Marken vor. „Die deutschen Hersteller profitieren bislang kaum von den deutschen Steuergeldern. Chinesische Hersteller wie BYD und vor allem Elon Musks Firma Tesla sind dagegen die Profiteure“, so das „Handelsblatt“. Auf der Bundespressekonferenz am 10. Juli sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums dazu:
Auf Basis der vorliegenden Anträge und der steigenden Zahlen der Bewilligungen zeigt sich, dass weniger als 15 Prozent der Anträge auf Fahrzeuge chinesischer Hersteller entfallen.
Der Schluss, dass chinesische Autobauer nicht überdurchschnittlich von der Prämie profitieren, lässt sich daraus aber nicht ableiten, und zwar aus einem einfachen Grund: Der Marktanteil der Chinesen in Deutschland ist derzeit noch erheblich niedriger als 15 Prozent. So kommt aktuell (Stand Juni 2026) die Marke BYD auf 2,1 Prozent, MG auf 1,3 Prozent, Leapmotor auf 0,9 Prozent und XPeng auf 0,3 Prozent. Die vielen anderen China-Marken kommen derzeit jeweils nicht einmal auf 0,1 Prozent. Die relevanten China-Hersteller kommen zusammen auf knapp fünf Prozent Marktanteil, sind aber bei den Förderanträgen zu rund 15 Prozent vertreten. Tatsächlich ist die E-Auto-Kaufprämie also für Chinas Autoindustrie eine Abkürzung zur Eroberung des deutschen Marktes, und das auf Kosten der hiesigen Steuerzahler.
Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes wurden im abgelaufenen Monat Juni über 296.000 Fahrzeuge neu zugelassen – das sind 15,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damit stieg die Zahl der Neuzulassungen in der ersten Jahreshälfte auf 1.484.393 – ein Anstieg um 5,8 Prozent. Insbesondere zugelegt haben private Neuzulassungen mit mehr als 28,6 Prozent, was nicht zuletzt durch die E-Auto-Förderung begünstigt sein dürfte. Der Anteil der privaten Zulassungen liegt damit bei knapp 37 Prozent. Besonders im Trend liegen aktuell die reinen Elektroautos, denn mit 84.000 Neuzulassungen stieg deren Anteil um mehr als 78 Prozent im Vergleich zum Juni 2025. Der Verkaufsanteil liegt aktuell bei 28,4 Prozent.
Noch beliebter als die Elektroautos waren im Monat Juni die Hybridmodelle mit einer Kombination aus Verbrenner und Elektromotor. Über 115.000 Zulassungen (32.000 Plug-in-Hybriden / 10,9 Prozent) bedeuten einen Mix an den Neufahrzeugen von 39 Prozent. Im Jahresverlauf verzeichnen die Hybriden dabei ein Plus von 9,8 Prozent, während die Plug in-Hybriden um fast 18 Prozent zulegten. Gleichzeitig ging das Zulassungsvolumen benzinbetriebener Pkw im Juni um 16,8 Prozent zurück und lag somit nur noch bei 20,5 Prozent. Diesel haben aktuell noch einen Verkaufsanteil von knapp über zehn Prozent. Die größten Zuwächse im ersten Halbjahr 2026 gab es für die Marken Smart (+116,3 Prozent), Mini (+39,0 Prozent) und Opel (+14,5 Prozent), während auf den weiteren Plätzen die Premiumhersteller Audi (+8,9 Prozent) und BMW (+6,5 Prozent) folgten. Volkswagen war sowohl im Juni als auch im ersten Halbjahr die Marke mit dem größten Marktanteil von 17,2 beziehungsweise 18,4 Prozent.
Von den relevanten Importmarken lief es im Monat Juni besonders für Tesla (Marktanteil 2,6 Prozent) und BYD (2,1 Prozent) gut, die insbesondere Elektroautos verkaufen. In der Halbjahresbetrachtung legten BYD (+315,2 Prozent) und Tesla (+224,6 Prozent) am stärksten zu. Die Importmarke mit dem größten Verkaufsanteil, Skoda, stammt mit rund 8,5 Prozent ebenfalls aus dem Volkswagen Konzern.
Hybridantrieb (kurz HEV, Hybrid Electric Vehicle): Der Antrieb besteht aus einem Elektro- und einem Benzin- oder Dieselmotor. Der Hybridakku wird nur während der Fahrt per Generator aufgeladen, entweder durch den Benzinmotor oder durch Bremsenergierückgewinnung. Rein elektrisch kann ein HEV nur kurze Strecken fahren. Verbrauchsvorteile hat das Auto vor allem im Stadtverkehr. Das klassische Beispiel für ein HEV ist der Toyota Prius.
Plug-in-Hybrid (PHEV): Hier hat das Auto noch einen Stecker an Bord. Zusätzlich zur Aufladung während der Fahrt wird der Akku an der Steckdose oder einer Ladesäule „vorgeladen“. So sind bestimmte Strecken komplett elektrisch fahrbar, bevor der Verbrennungsmotor wieder mithelfen muss. Neuere Hybride schaffen bis zu 100 oder gar 200 km E-Reichweite. Der Hybridakku eines PHEV hat viel mehr Kapazität als bei einem normalen Hybriden und nutzt in der Regel Lithium-Ionen-Technik. Deshalb sind diese Autos auch deutlich teurer. Vorteil: Wegen des vollwertigen Verbrennungsmotors entspricht die Gesamtreichweite des Hybriden der eines normalen Diesel- oder Benzinfahrzeugs.
E-REV oder REEV: Elektroautos mit "Range Extender", auch Range-Extended Electric Vehicles genannt, sind besonders in China beliebt und eines Sonderform der Plug-In-Hybriden. Der Verbrenner an Bord dient hier nur als Stromgenerator, um bei Bedarf den Akku aufzuladen. Er hat keinen Zugriff auf die Antriebsachse. Die Technik ist weniger komplex als bei gewöhnlichen Plug-In-Hybriden. Wesentlicher Vorteil des E-REV ist die Unabhängigkeit von einer Elektro-Ladeinfrastruktur.
Elektroauto (BEV, steht für Battery Electric Vehicle): Das Auto hat nur eine Batterie als Energiequelle.
FCV: Das Fuel Cell Vehicle (Brennstoffzellen-Fahrzeug) hat zwar auch eine kleine Batterie an Bord und fährt elektrisch, die Energie erzeugt jedoch eine Brennstoffzelle. Als Treibstoff muss Wasserstoff getankt werden. Mit dem "Wasserstoff-Auto" ist in der Regel ein Brennstoffzellen-Auto gemeint. Allerdings kann Wasserstoff auch direkt in einem dafür optimierten Verbrennungsmotor als Treibstoff dienen.
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