Chinas Autohersteller wollen den Deutschen ans Premium-Leder. Der Wey 05 hat eine spannende Hybrid-Technik, doch im Detail geht noch was.
Chinas Autohersteller wollen den Deutschen ans Premium-Leder. Der Wey 05 hat eine spannende Hybrid-Technik, doch im Detail müssen die Chinesen noch manches ändern.
Brot-und-Butter-Marken für die Masse, Premium-Modelle für gehobene Käuferschichten: Dieses Prinzip beherrschen nicht nur deutsche Autohersteller. Chinas Elektro-Gigant BYD zum Beispiel baut Klein- und Kompaktwagen und viele SUV unter dem BYD-Label, während die Marke Denza Premium-Kundschaft bedient. Auch bei Great Wall verfährt man nach diesem Prinzip. Für den Premium-Bereich ist die Marke Wey zuständig, die sich seit Jahren an die Konkurrenz von Audi oder Mercedes heranpirscht. FOCUS online hat den neuesten Wurf der Chinesen in der Praxis getestet: Den Wey 05 als Plug-In-Hybrid.
Mit 4,87 Metern Länge hat der Wey 05 das Format eines Audi Q5 oder VW Tayron. Optisch macht das China-SUV eine ausgezeichnete Figur, angefangen vom imposanten Grill bis hin zum gefälligen Heck. Das Platzangebot innen ist großzügig, der Kofferraum schluckt 500 Liter (1229 Liter bei umgelegten Rücksitzlehnen).
Eine Stärke des Wagens ist der hochwertige Innenraum. Echte Metall-Applikationen statt Plastik im Metall-Look (hier dürfen sich deutsche Premium-Anbieter gern angesprochen fühlen) und saubere Verarbeitung. Dazu kommt – auf den ersten Blick nicht auffällig, aber durchaus relevant, wenn man China-Autos der vergangenen Jahrzehnte kennt: Die Autos wurden nun auch für europäische (Lang)nasen gebaut. Sprich: Sie müffeln nicht mehr wie früher, was damals vor allem an den eingesetzten Gerbstoffen fürs Leder lag. Das China-Premium von heute entscheidet sich von Audi, Mercedes und Co. höchstens noch darin, dass man dem Interieur seltener den Rotstift ansieht. Ja, liebe deutsche Autobauer: Das war eine Warnung.
Allerdings gibt es im schicken Wey 05 auch einen dicken Haken. Denn die gewaltige Mittelkonsole, die Fahrer und Beifahrer voneinander trennt wie die chinesische Mauer, nimmt nicht nur viel Platz weg, sie ist auch unpraktisch. Das Staufach unter der Konsole ist schwer zu erreichen und der fast horizontale Bildschirm, auf dem die Klimaanlage und andere Funktionen gesteuert werden, lässt sich zum einen je nach Lichteinfall nur schlecht ablesen und zum anderen ist er ein echter Staubfänger.
Die Bedienung an sich ist besser gelöst. Es gibt einen Fahrstufen-Hebel an der Mittelkonsole und die meisten Funktionen wie der Tempomat mit Abstandswarner lassen sich eingängig bedienen. Das Head-Up-Display ist immer serienmäßig an Bord. Es gibt aber auch einige Details, die einem im Wey schnell auf den Zeiger gehen:
Hier ist dann doch noch etwas Feinarbeit nötig, gerade wenn man das Ganze mit den gut abgestimmten Assistenzsystemen etwa des neuen BMW iX3 vergleicht.
Der Wey 05 wirkt ziemlich massiv und ist es mit seinen 2,4 Tonnen Leergewicht auch. Das Fahrwerk ist gemütlich abgestimmt, kann in schnellen Kurven das Fahrzeuggewicht aber nicht vergessen machen. Die Lenkung ist sehr leichtgängig und ziemlich gefühllos; ein Sport-SUV ist der Wey jedenfalls nicht. Immerhin hat er serienmäßig Allradantrieb, so dass es trotz großer Power keine Traktionsprobleme gibt.
Während die EU ab 2035 alle neuen Verbrenner inklusive Hybridmodelle verbietet, kennt China kein Verbrenner-Verbot. Stattdessen erfreuen sich auf dem größten Automarkt der Welt Hybridmodelle trotz des Elektroauto-Trends sogar wachsender Beliebtheit. Allerdings sind das dann oft sogenannte „E-REVs”, bei denen der Benzinmotor an Bord nur noch Strom für die E-Maschine generiert, statt den Wagen anzutreiben. Im Wey 05 dagegen arbeitet noch ein „echter” Plug-In-Hybrid. Die Antriebsarbeit teilen sich ein zwei Liter großer Vierzylinder-Turbobenziner mit 150 kW / 204 PS und zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse. Die Systemleistung des Hybrids liegt bei 350 kW / 476 PS. Entsprechend ordentlich sind die Fahrleistungen. In fünf Sekunden sprintet das schwere SUV von 0 auf 100 km/h, Schluss ist erst bei 235 km/h. Einziger Wermutstropfen des ansonsten kraftvollen Antriebs: Es gibt beim Kickdown ein winziges Turboloch, das durch den E-Antrieb nicht ganz überspielt werden kann. Doch beim Überholen und auch auf der Autobahn steht der Wey 05 einem schnellen Elektro-SUV in nichts nach; beim Maximaltempo ist er sogar deutlich schneller als die meisten E-SUV.
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Der große Unterschied zu den meisten anderen Plug-In-Hybriden ist die elektrische Reichweite. Mit 33 Kilowattstunden Netto-Kapazität ist der Akku des Hybrid-SUV so groß wie der eines Elektro-Kleinwagens, damit steigt die rein elektrische Reichweite in der Praxis auf rund 140 bis 150 Kilometer bei einem Verbrauch um 22 kWh / 100 km. In der Praxis ist der Benzinverbrauch auf dieser Distanz dann zwar nicht null, weil der Verbrenner immer mal kurz mithilft, etwa bei Volllast. Doch der Durst bleibt deutlich unter einem Liter auf 100 Kilometer. Ganz anders, wenn der Akku leer ist: Dann genehmigt sich der Wey 05 bis zu acht Liter Super. Was immer noch in etwa dem Verbrauch eines normalen Benzin-SUV entspricht.
Die maximale Ladeleistung liegt bei 11 kW an der Wallbox und bei 50 Kilowatt mit Gleichstromladen an der Ladesäule. In der Praxis bedeutet das, dass man den Akku in einer halben Stunde bei einer längeren Strecke zumindest einmal bis 80 Prozent auflädt, wenn man Pause macht, und dann für rund 100 Kilometer E-Reichweite nachzapft. Die Gesamtreichweite ist durch den nur 55 Liter großen Benzintank etwas enttäuschend, aber immerhin ist man dank Hybridsystem nicht an elektrische Ladezeiten gebunden.
Den Wey 05 gibt es ab 59.900 Euro, die Top-Version „Luxury” kostet 63.900 Euro. Schon im Basismodell „Premium” ist die Ausstattung nahezu komplett, es fehlen nur wenige Assistenten wie der erweiterte Parkassistent und ein paar Komfort-Details wie Alcantara-Sitze, außerdem das elektrische Glasschiebedach. Im Konkurrenzvergleich bleibt das chinesische Premium-SUV durch die reichhaltige Ausstattung und die gebotene Antriebspower samt Allrad in jedem Fall ein gutes Angebot. Dazu kommen fünf Jahre Garantie fürs Auto und acht Jahre (bis 160.000 km) für den Antrieb; letzteres entspricht der sonst nur bei reinen Elektroautos üblichen Garantie. Auch da kann man nicht meckern.
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Macht ein Plug-In-Hybrid überhaupt noch Sinn, jetzt wo reine E-Autos in der Praxis 600 bis 800 Kilometer schaffen? In jedem Fall ist man mit einem Auto wie dem Wey 05 maximal flexibel und durch die hohe E-Reichweite hat man eine relevante Tankrechnung wirklich nur bei Langstrecken. Gerade wer ein Allround-Familien-SUV für alle Gelegenheiten braucht, wird sich damit durchaus anfreunden können. Die neue E-Prämie kann man für das Fahrzeug auch noch beantragen.
Der Wey hat noch ein paar Bedien-Schwächen und er fährt sich vor allem gemütlich, ein Sport-SUV ist er nicht. Doch die Antriebs-Power und Fahrleistungen sind sehr gut und sowohl Ausstattung als auch Qualitätseindruck stimmen ebenfalls. Bleibt das Restrisiko einer hierzulande unbekannten China-Marke mit unklarem Restwert beim Wiederverkauf. Hier kann man zumindest sagen, dass Great Wall einer der größten Autobauer Chinas mit weltweiten Ambitionen ist. Dass deren Marken bald wieder von der (europäischen) Bildfläche verschwinden, ist unwahrscheinlich. Sicher ist dagegen, dass der Druck dieser und andere China-Marken auf deutsche Premium-Marken weiter zunehmen wird.
Antrieb: Plug-In-Hybrid, 2.0-Liter Vierzylinder und zwei E-Motoren
Systemleistung: 350 kW / 476 PS
Getriebe: 9-Gang-DCT
Antrieb: Allradantrieb
Beschleunigung 0–100 km/h: 5,0s
Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h
Verbrauch (Hybrid): 0,4l/100km + 24,4kWh / 100 km
FOCUS online Verbrauch: 0,7 l / 100 km + 22,5 kWh / 100 km
Preise: ab 59.900 Euro
E-Reichweite: ca. 150 km
Batterie-Kapazität: 33,71 kWh netto / 39,67 kWh brutto
Ladeleistung AC/DC: 11 kW / 50 kW
Ladedauer AC/DC: ca. 3h 50min / 53min
Sitzplätze: 5
Kofferraumvolumen: 500 Liter (max. 1229l)
Leergewicht: 2410kg
Gesamtlänge: 4870mm
Gesamtbreite: 1960mm
Gesamthöhe: 1690mm
Radstand: 2910mm
Plus
Minus
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