Der BMW iX3 ist eins der besten Elektroautos und hat einen grandiosen Autobahn-Assistenten ohne Nerv-Faktor. Doch manchmal wirkt er auch etwas billig.
Ladeleistung, Power, Reichweite: In der Praxis kann der BMW iX3 voll überzeugen. Und die Assistenzsysteme funktionieren um Klassen besser als bei jedem China-Auto. Doch für das Geld müsste der Wagen trotzdem hochwertiger sein.
Selten lastete so viel Verantwortung auf einem Auto wie auf dem iX3 von BMW. Das erste Modell der "Neuen Klasse" muss ein Erfolg werden, denn sonst wäre die Elektro-Strategie der Münchner mit jahrelanger Entwicklungs-Arbeit gescheitert. Bislang sieht es gut aus für die weißblaue Marke: Die Vorbestellungen für den Wagen brechen alle Rekorde, die ersten Modelle fahren auf den Straßen. Aber kann das SUV auch auf deutschen Autobahnen halten, was die ersten Fahreindrücke versprochen haben? FOCUS online hat den iX3 im Alltag getestet.
Optisch spaltet BMW mit einem neuen Auto ja eigentlich immer. Es gibt die eine Extrem-Fraktion, für die nach dem E46 kein schönes BMW-Design mehr kam, und die andere, die selbst einen XM als noch zu dezent empfindet. Die Masse rangiert irgendwo dazwischen und wird das Design des iX3 wohl nehmen, wie es ist. Immerhin hebt er sich deutlich vom Quasi-Vorgänger BMW iX ab. Eine Sache, die uns noch auffiel: Die hinteren Blinker des BMW sind von nachfolgenden Autos kaum zu sehen
Der Kofferraum schluckt 520 Liter – ein Kinderwagen oder zusammengeklappter Fahrradanhänger passen gerade so hinein – und er hat ein geräumiges Unterbodenfach. Dazu kommt der "Frunk" unter der Fronthaube, in dem man am besten das Ladekabel unterbringt. Weniger gut ist das Elektro-SUV beim Thema Ablagen aufgestellt. Die Mittelkonsole ist sehr klein und das darunter liegende Ablagefach ohne Verrenkungen nicht zu erreichen. Das Handschuhfach ist winzig und die Staufächer in den Türen nehmen keine Flaschen auf. Auch in Sachen Wertigkeit überzeugt der BMW nicht vollständig. Es gibt ziemlich viel Plastik, Details wie der nicht verchromte Lautstärken-Regler fallen ins Auge. Alles nicht dramatisch, aber wir reden hier nun mal von einem 80.000 Euro-Auto.
Schon bei der ersten Ausfahrt war der neue "Panoramic iDrive" mit der Anzeigen-Leiste unter der Scheibe und der Bedienung ohne "iDrive"-Controller arg gewöhnungsbedürftig. Und auch bei einem längeren Praxistest überzeugte er uns nicht ganz. Es fehlen wichtige Schnellzugriffstasten und eine übersichtliche Menüstruktur. Immerhin ist die Sprachsteuerung, die BMW optisch in einen kleinen Alien-Kopf als Avatar in das Anzeige-Band integriert hat, ganz hilfreich. Radiosender auswählen, Telefonanruf starten, Navigationsziel eingeben, all das funktioniert flüssig per Sprachsteuerung.
Geht es um die wichtigsten Infos an sich, macht der Panoramic Drive mehr Sinn: Alle Angaben wir Reichweite, Navigationshinweise etc. werden entweder in das Anzeige-Band unter der Windschutzscheibe oder in das Head-Up-Display projiziert. Man muss also den Blick fast nie von der Straße abwenden.
,regionOfInterest=(809,890)&hash=ff22e6809d2351d923a2e851959fdf2f5de45bfde090c361045b9d22522567c1)
Es gibt aber einen anderen Aspekt, der dem iX3 zum angenehmsten Reisewagen gemacht hat, den wir seit langem getestet haben. Das hat weniger mit dem Elektroantrieb zu tun als damit, was der BMW alles nicht macht: Er geht seinem Fahrer nicht mit diversen Warn-, Pieps- und Träller-Tönen oder Lenkeingriffen auf die Nerven. Den Münchnern ist es gelungen, die Integration verschiedener Assistenzsysteme hin zu einem entspannten, bei Bedarf aber auch assistiertem Fahren so smooth wie möglich zu machen.
Das gilt beim iX3 auch für die Rekuperation (Bremsenergierückgewinnung). Auf den ersten Blick vermisst man dort eine Feineinstellung, doch die ist gar nicht nötig. Der BMW passt die Stärke der Rekuperation immer perfekt an und schaut dabei voraus, zum Beispiel ob man gerade an eine Kreuzung heranfährt oder die Straße abschüssig ist.
BMW verzichtet beim iX3 auf Luftfederung oder adaptive Dämpfer. Trotzdem ist der Fahrkomfort sehr gut, der immerhin 2,3 Tonnen schwere Wagen wankt kaum in Kurven und dank des elektrischen Allradantriebs gibt es auch keinerlei Traktionsprobleme.
Auf langen Autobahnfahrten bietet BMW den Level 2 Plus, das heißt assistiertes Fahren mit dem „Autobahn-Assistenten Pro”. Damit wird der iX3 bis Tempo 130 zum Chauffeur:
Das Ganze funktioniert in den meisten Fällen sehr gut, mit einer Ausnahme: Während unseres Testzeitraums geriet der BMW etwa vier bis fünf Mal plötzlich in den Nothalt-Modus (Warnblinker wird aktiviert und Auto bremst ab), ohne dass es dafür einen erkennbaren Grund gab. Sobald man Gas gibt, schaltet sich der Modus sofort wieder ab, aber irritierend ist es trotzdem. Ein bisschen Feintuning braucht die Technik also doch noch.
Trotzdem nähert sich BMW dem automatisierten Fahren in der Praxis ziemlich weit an und das Beste dabei: Der Fahrer kann das alles, sei es nun Tempo, Spurwechsel oder Abstand, jederzeit manuell übersteuern und danach ohne erneute Einstellung den Wagen sofort wieder alleine fahren lassen. So wie ein Copilot, der bei Bedarf übernimmt; doch die Person auf dem linken Sitz bleibt immer Kapitän.
,regionOfInterest=(1288,1456)&hash=97b99d85b2197febeb22327646fbe063dcb7c29bc90515b88daa037a3a1f5c98)
Der iX3 50 xDrive leistet 345 kW / 469 PS, beschleunigt in knapp fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht 210 Spitze. Bei Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit wird künftig sicher noch mehr gehen, wenn sich die M GmbH an den Modellen der Neuen Klasse ausgetobt hat. Doch für ein schnelles Reise-SUV reichen die Werte wahrscheinlich den meisten Autofahrerinnen und -fahrern bereits aus. Und zum Glück hat BMW nicht wie Volvo die alberne Abregelung bei 180 km/h eingeführt.
Bis zu 805 Kilometer Reichweite laut WLTP-Zyklus verspricht BMW bei seinem neuen E-SUV. In der Praxis waren es bei uns zwischen 650 und 700 Kilometer im Schnitt (Autobahn, Landstraße, Stadtverkehr). Das ist schon ein ordentlicher Sprung im Vergleich zu früheren Stromer-Generationen.
Unser Schnitt beim Verbrauch lag bei 20,4 Kilowattstunden auf 100 km. Darin enthalten waren Autobahnpassagen zwischen 130 und 160 km/h, also kein schnelles, aber ein reisetaugliches Tempo. Bei 108 kWh Akku-Kapazität heißt das: Auch auf der Autobahn kommt man zwischen 400 und 500 Kilometer weit, bevor es wieder an die Ladestation geht. Das ist nicht ganz Verbrenner-Niveau, aber fast.
Vom Schnellladen waren wir dagegen etwas enttäuscht. Die maximal möglichen 400 Kilowatt erreichten wir auch an einer 400 kW-Säule nicht. An den normalen Säulen, die wir getestet haben (meistens 350 kW-Lader von EnBW) war die maximale Ladeleistung 225 Kilowatt, trotz vorheriger Akku-Konditionierung.
Der BMW iX3 in der bisherigen Top-Version 50 xDrive kostet 70.900 Euro, unser Testwagen lag mit Sonderausstattung bei 81.020 Euro. Eine Menge Holz, wobei man sich damit trösten kann, dass die Benzin- und Diesel-SUV bei BMW auch kaum billiger sind. Ein in der Leistung vergleichbarer X3 30e xDrive mit Plug-In-Hybrid liegt bei 66.900 Euro und ein X3 40d xDrive mit Diesel bei 71.000 Euro.
Die Serienausstattung des Stromers ist in Ordnung, allerdings muss man auf die Details achten. So kostet zum Beispiel der kombinierte Autobahn- und City-Assistent 1450 Euro extra, für deutsche Premium-Verhältnisse nicht mal viel. Doch das Hightech-Helferlein ist „laufzeitbegrenzt”, wie BMW es ausdrückt. Heißt: Sie kaufen nicht das System, sondern nur ein Abo. In unserem Testwagen lief das beispielsweise nur zwei Jahre. Auch die „BMW Digital Premium”-Services haben ein Ablaufdatum und müssen dann neu gebucht werden. Interessant wird diese Art der Preispolitik, wenn die ersten iX3 in drei bis vier Jahren aus dem Leasing herausfahren und als Gebrauchtwagen auf den Markt kommen. Viele Käufer dürften sich gar nicht bewusst sein, dass man dann nicht nur das Auto bezahlen, sondern auch einen Teil der Ausstattung quasi noch einmal kaufen muss.
,regionOfInterest=(1988,1484)&hash=ae9562806d7fc98b01eddae1ce0fb91e7956d0546918ad8aa508583aed3a38a3)
Hat der BMW iX3 wirklich Gamechanger-Qualitäten? Ja, definitiv. Weil er in Sachen Reichweite und Alltagstauglichkeit den Abstand des E-Autos zum Verbrenner noch einmal deutlich verkürzt. Auch wenn die Ladezeiten länger als erhofft sind, ist dieses SUV im besten Sinne langstreckentauglich. Die aktuellen Spritpreise werden dazu wohl ihr Übriges tun.
Für uns war das Beste am iX3 aber nicht einmal der E-Antrieb, sondern das Zusammenspiel der Assistenzsysteme und der automatisierte Autobahn-Modus. Gerade der Vergleich mit den so hoch gelobten China-Stromern zeigt, dass immer noch eine spürbare Distanz besteht zwischen deutschem Premium und chinesischem „Wir können das jetzt auch". Das gleiche gilt für Fahrwerk und Antrieb; und das bekommen die Deutschen auch noch mit einem ganz normalen Fahrwerk ohne Luftfeder oder sonstige Gimmicks hin.
Weniger schön: Der hier und da durchaus sichtbare Sparstift im Innenraum und natürlich die stolze Preisliste, zumal manche Funktionen auch noch per Abo funktionieren. Der Druck auf BMW, Audi und Mercedes durch China bleibt also enorm und läuft ganz einfach über den Preis.
Für den EU-Markt noch wichtiger als der iX3 ist für BMW übrigens der i3, quasi der erste Elektro-Dreier. Der kommt auch noch in diesem Jahr und 2027 als Touring. Unsere Prognose: Der i3, der im Wesentlichen den gleichen Antrieb und die gleiche Technik wie der iX3 an Bord hat, wird zumindest im Dienstwagen-Bereich den 3er mit Benzin- und Dieselantrieb überflügeln.
BMW iX3 50 xDrive - Plus und Minus
Pluspunkte
Minuspunkte
Sie wollen keinen Artikel unserer Auto-Experten verpassen? Dann melden Sie sich jetzt beim Auto-Newsletter von FOCUS online an.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Der elektrische M3 muss sich erst noch als würdig erweisen | 0 | 12.49 | 27-07-2026 |
| 2 | VOGE DS 900 X überzeugt mit BMW-Technik zum Kampfpreis | 0 | 19.59 | 07-06-2026 |
| 3 | The New BMW i3 Has More Range Than Any Tesla | 0 | 17.1 | 18-03-2026 |
| 4 | BMW X3 20 im Test: Wie viel X3 steckt im Basismodell? | 0 | 14.22 | 01-08-2026 |
| 5 | Електричний BMW iX4 вперше показали майже без камуфляжу (ФОТО) | 0 | 5 | 16-07-2026 |
| 6 | Una gran prueba de conducción desvela la autonomía real de 24 coches eléctricos: algunos ya recorren más de lo homologado | 0 | 12.24 | 01-07-2026 |
| 7 | BMW’s Electric M3 Has to Prove It Has a Soul | 0 | 7 | 16-06-2026 |
| 8 | BMW’s Electric M3 Has to Prove It Has a Soul | 0 | 7 | 16-06-2026 |
| 9 | BMW’s Electric M3 Has to Prove It Has a Soul | 0 | 7 | 16-06-2026 |