In China werden E-Autos zum Wegwerf-Objekt. Das liegt nicht an den Batterien, sondern an den Wünschen der Käufer.
Chinas aufstrebende Autoindustrie fordert extrem schnelle Modellwechsel, Kunden wollen immer das Neueste. Gebrauchtwagen spielen keine Rolle. Die Kehrseite zeigt sich nun: E-Autos werden zum Wegwerf-Objekt. Das hat auch Folgen für deutsche Kunden.
Das Elektroauto gilt unterm Strich als beste Lösung für die sogenannte klimafreundliche Mobilität. Das gilt aber schon bei der Stromproduktion nur bedingt: Je nachdem wie "grün" der Strom produziert wird, ist ein E-Auto erst nach 65.000 bis 90.000 Kilometern im "Klima-Vorteil", wenn man eine Gesamtbilanz von der Produktion bis zur Entsorgung betrachtet.
Doch selbst wenn sich diese Bilanz stetig verbessert, wird sie durch das, was in China gerade passiert, massiv verhagelt: Der Trend geht zum Einweg- oder Wegwerf-Auto. "Junge Käufer nutzen ihr neues Elektroauto zwei bis drei Jahre und wollen dann ein neues Modell. Doch während in Europa die Fahrzeuge als Gebrauchte weiterverkauft werden oder in den nächsten Leasingzyklus gehen, werden sie in China vom Markt genommen", berichtet die "Automobilwoche".
Automarkt-Experte Xing Zhou von AlixPartners geht davon aus, dass sich rund um das Wegwerf-Auto neue Geschäftsmodelle entwickeln werden, zum Beispiel beim Recycling. „Die Batterie entwickelt sich schneller als die Automobilwelt“, so Zhou zur "Automobilwoche". Das Geschäftsmodell in China gleicht also eher dem eines Smartphones als dem eines klassischen Autos.
Nach wenigen Jahren ist es Elektro-Schrott, der zumindest auf dem Heimatmarkt kaum verkäuflich ist; schlicht deshalb, weil Kunden lieber neue Modelle wollen. Selbst ein Tausch der Batterie lohnt sich nicht, wenn das Auto so günstig zu produzieren ist wie in China. Dazu kommt, dass es in China noch nie einen relevanten Gebrauchtwagenmarkt gab. "Mögliche Anzeichen gab es schon vor einiger Zeit. Ein chinesischer Carsharing-Dienst hat seine Autos aussortiert und einfach abgestellt. Optisch sahen die Fahrzeuge noch gut aus, technologisch waren sie aber wohl veraltet", so die "Automobilwoche".
Das Problem ist dabei übrigens prinzipiell nicht die Haltbarkeit der Batterien. Die verlieren zwar im Schnitt nach einer gewissen Laufleistung an Kapazität, halten aber in der Regel mindestens genauso lang wie ein Benzin- oder Dieselmotor. Das Problem sind tatsächlich die Schnelllebigkeit des chinesischen Automarktes und auch die Fortschritte in der Akku-Technik, die Autos technisch viel schneller "alt" aussehen lassen, als das bei modernen Verbrennern der Fall ist.
In Deutschland oder vielen anderen Ländern in der EU oder weltweit manifestiert sich das in einem hohen Wertverlust dieser Fahrzeuge. Gerade deutsche Autofahrerinnen und Autofahrer binden sich aber gern langfristig an ein Fahrzeug. Das Durchschnittsalter deutscher Autos liegt bei 10,6 Jahren. Bis zur Verschrottung vergehen im Schnitt sogar mehr als 18 Jahre.
Die chinesische Wegwerf-Mentalität hat auch Auswirkungen auf internationale Märkte, und die dürften gravierend werden:
Zwar kann man davon ausgehen, dass Branchen-Riesen wie BYD sich an die Bedürfnisse europäischer Kunden anpassen und eine längere Nutzungsdauer anpeilen. Doch das Mindset, Dinge lange zu nutzen und zu pflegen, ist eben nicht das der chinesischen Industrie.
Die EU-Kommission spielt den Chinesen mit der neuen "Altautoverordnung" sogar in die Hände. Seit mittlerweile drei Jahren tüftelt Brüssel an einer neuen Altfahrzeugverordnung (End-of-Life Vehicles / ELV). Das Ziel: Alte Autos sollen schneller aus dem Verkehr gezogen werden, um einerseits die Elektroauto-Verkäufe anzukurbeln und andererseits im Zuge der sogenannten "Kreislaufwirtschaft" Material zum Recycling zu bekommen.
Der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe e.V. (ZDK) warnt bereits vor den möglichen Folgen für den Gebrauchtwagenmarkt. „Werden reparierbare Autos zu schnell als Altfahrzeuge eingestuft, verschwinden sie aus dem Gebrauchtwagenmarkt. Das verknappt das Angebot – und gerade günstige Gebrauchtwagen könnten für viele Menschen teurer werden", so ZDK-Präsident Thomas Peckruhn gegenüber FOCUS online.
Für China ist die europäische Politik ein Glücksgriff: Sie stehen für diese Kunden dann bereit, nämlich mit billigen Elektroautos, die nach wenigen Jahren dann wieder durch ein neues Auto ersetzt werden. Darin liegt aber ein Widerspruch, denn die EU will in ihren Nachhaltigkeits-Zielen auch am "Recht auf Reparatur" festhalten. Das würde dem Wegwerf-Prinzip eigentlich fundamental widersprechen.
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