Die Bilder aus Ceuta alarmierten Europa. Politikwissenschaftler Thomas Jäger erklärt, wie Russland die Krise strategisch nutzen kann.
Die Bilder aus Ceuta alarmierten Europa. Politikwissenschaftler Thomas Jäger erklärt, wie Russland die Krise strategisch nutzen kann.
Die Bilder aus Ceuta haben Europa aufgeschreckt: Rund 72.000 Afrikaner versuchten innerhalb kurzer Zeit, über die spanische Exklave in die EU zu gelangen. Ein Großteil wurde zurückgeführt.
„Richtig ist, Russland hat in der Sahelzone erheblichen Einfluss, insbesondere seit sich Frankreich hier zurückgezogen hat.“
Der Rückzug Europas hat Moskau eine strategisch bedeutende Position verschafft.
„Russland ist insofern in der Lage, zumindest ein Auge drauf zu haben. Kontrolle wäre mir eigentlich zu stark das Wort, aber ein Auge drauf zu haben, wie die, äh, Fluchtrouten hier sind“, sagt Jäger in „Die Weltlage“ bei FOCUS online.
Unter den Menschen, die nach Ceuta gelangten, seien auch Migranten aus dem Sudan und Somalia gewesen. Eine russische Urheberschaft der aktuellen Krise ist nicht belegt. Für Jäger spricht jedoch einiges dafür, Moskau zumindest als möglichen Akteur ernst zu nehmen:
„Das ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen, vor allem weil Russland genau das ja an der Ostgrenze der Europäischen Union tut. Da ist es bekannt, dass über Belarus auf Polen auf die baltischen Staaten eben genau mit dem Mittel Migration Druck ausgeübt werden soll.“
Unabhängig davon, ob Moskau seine Finger im Spiel hatte, kann Russland die Ceuta-Krise für seine eigenen Ziele einsetzen.
„Aus russischer Sicht ist wichtig, dass diese Bilder produziert wurden, dass man mit ihnen spielen kann, dass man mit ihnen Zorn entfalten kann.“
Davon profitieren laut Jäger vor allem politische Kräfte, die Russland innerhalb der EU unterstützt. Das langfristige Ziel gehe jedoch darüber hinaus:
„Die einzige Möglichkeit, wie Russland überhaupt seine angestrebte Rolle in Europa überhaupt noch einnehmen kann, indem sich eben europäische Staaten dem russischen Willen unterwerfen. Und dazu dienen eben solche hybriden Maßnahmen.“
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