Jährliche Konferenz der Gesellschaft für Evolutionsmedizin und öffentliche Gesundheit (ISEMPH) fand diese Woche an der CAU statt.
Jährliche Konferenz der Gesellschaft für Evolutionsmedizin und öffentliche Gesundheit (ISEMPH) zu evolutionsbiologischen Grundlagen in der Medizin fand diese Woche an der CAU in Kiel statt.
Die Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft für Evolutionsmedizin und öffentliche Gesundheit (Englisch: International Society for Evolutionary Medicine and Public Health, ISEMPH) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist heute erfolgreich zu Ende gegangen. Seit Dienstag hatten sich über 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der gesamten Welt zu aktuellen Entwicklungen und neuen Ergebnissen auf dem Gebiet der Evolutionsmedizin ausgetauscht.
Einige der wichtigsten Themen der vier Konferenztage waren zum Beispiel die Resistenzevolution von bakteriellen Krankheitserregern, die Vorhersagbarkeit der Tumorevolution, die Pathogendynamik bei der Ausbreitung von Infektionskrankheiten oder das evolutionäre Zusammenspiel von vielzelligen Lebewesen und Mikroben in einem gemeinsamen Metaorganismus. Ein Team des Kiel Evolution Centers (KEC) Im Rahmen des CAU-Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science (KLS) um Professor Hinrich Schulenburg und Professor John Baines hatte das diesjährige Kieler Meeting gemeinsam mit der ISEMPH organisiert.
Im noch jungen wissenschaftlichen Feld der Evolutionsmedizin geht es um die grundlegende Frage, in welcher Form Evolutionsprozesse die Krankheitsentstehung, mögliche Behandlungsansätze und die öffentliche Gesundheit beeinflussen. Von der Anwendung der modernen Evolutionstheorie auf Erkrankungen beim Menschen erhoffen sich Forschende, sowohl Krankheitsbilder als auch Konsequenzen einer Behandlung besser zu verstehen und darauf aufbauend neue und nachhaltige Therapieansätze zu entwickeln.
Viele Erkrankungen haben einen evolutionsbiologischen Ursprung. Zudem üben viele Behandlungsansätze direkte Selektion zum Beispiel auf die beteiligten Krankheitserreger oder auch Tumorgewebe aus und prägen somit die weitere Manifestation der Erkrankung. Dieser Einfluss der Evolution wird bislang in der Medizin meist wenig beachtet, sollte jedoch künftig in der akademischen Ausbildung und in der medizinischen Praxis Stück für Stück besser verankert werden. Dadurch könnten in Zukunft wichtige Fortschritte zum Beispiel im Verständnis der Krebsentstehung, von Autoimmunerkrankungen oder der Bildung von Behandlungsresistenzen gelingen.
„Unsere internationale Tagung hat deutlich gemacht, wie zentral Evolutionsprozesse für ein besseres Verständnis von Erkrankungen beim Menschen sind. Und zwar über diverse Erkrankungen hinweg, inklusive Autoimmunerkrankungen oder psychische Erkrankungen, Infektionen oder auch Krebs,“ so Baines, Mit-Organisator und Leiter der Sektion Evolutionsmedizin an der Medizinischen Fakultät der CAU. „Das Spannendste ist, dass sich über diese evolutionsbiologische Perspektive die Diagnose von Krankheiten wie auch Behandlungsstrategien nachhaltig verbessern lassen. Hier steckt ein besonderes Potenzial, das sich zum Wohle von Patientinnen und Patienten in der Zukunft nutzen lässt“, fasst Schulenburg, Evolutionsbiologe und Mit-Organisator der Tagung, zusammen.