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Männer töten Frauen: Hört auf, es Liebe zu nennen!

Дата публикации: 18-08-2026 14:00:52

Immer wieder überleben Frauen eine Beziehung nicht, obwohl die Gefahr lange bekannt war. Warum sehen Gesellschaft und Behörden noch immer nicht richtig hin? Ein Kommentar.

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Ich will diesen Satz nie wieder lesen: Er tötete sie aus Liebe.

Nein. Liebe hat noch nie eine Frau erwürgt. Liebe hat noch nie ihr Handy durchsucht, vor ihrer Wohnung gewartet oder ihr ein Messer an den Hals gehalten. Liebe sagt nicht: Wenn du ohne mich leben willst, wirst du gar nicht leben.

Liebe hält ein Nein aus. Sie hält sogar eine Trennung aus. Vielleicht nicht besonders würdevoll. Vielleicht mit Tränen, Wut, drei Wochen trauriger Musik und Freunden, die dieselbe Geschichte irgendwann mitsprechen können. Aber Liebe lässt den anderen Menschen leben.

Trotzdem romantisieren wir die Tötung einer Frau sprachlich noch immer. Eifersucht. Trennungstragödie. Beziehungsdrama. Er habe sie „mit in den Tod genommen“, heißt es dann. Als wären zwei Menschen Hand in Hand gegangen. Dabei wollte sie leben. Er entschied, dass sie es nicht darf.

Schon wieder lesen wir von Frauen, die ihren Partner oder Ex-Partner nicht überlebt haben. In aktuellen, noch ungeklärten Fällen gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Sie ist die Bedingung für das Zusammenleben zwischen Menschen. Aber sie verbietet uns nicht, über das bekannte Muster hinter vielen anderen Taten zu sprechen.

Was passiert im Kopf eines Mannes, der die Frau tötet, die er angeblich liebt? Eine Untersuchung von 108 vollendeten Partnerinnen-Morden zeigt: Bei 72 Prozent stand eine tatsächliche oder befürchtete Trennung oder Untreue am Anfang. Die Forscher sprechen vor allem von Besitzdenken und Eifersucht. Viele Täter waren zuvor bereits durch Gewalt, Kontrolle, psychische Probleme oder Sucht aufgefallen.

Nicht die Trennung tötet. Es tötet der Mann: Wenn ich dich nicht haben kann, darfst du ohne mich nicht weiterleben.

Wenn eine Trennung zur tödlichen Kränkung wird

Und dann beginnt das große Erklären: schwierige Kindheit. Kriegserfahrungen. Alkohol. Religion. Drogen. Psychische Probleme. All das kann erklären, warum ein Mensch beschädigt ist. Es entschuldigt aber nicht, warum er einen anderen Menschen kontrolliert, schlägt oder tötet. Wir müssen aufhören, zu versuchen, das Verhalten von Mördern zu erklären, und stattdessen die Mörder stoppen.

Millionen Männer werden verlassen und töten niemanden. Millionen psychisch kranke Menschen werden niemals gewalttätig.

Auch der Ruf nach höheren Strafen greift allein zu kurz. Für Mord droht lebenslange Haft, für Totschlag mindestens fünf Jahre. Natürlich müssen schwere Taten hart bestraft werden. Doch eine lange Strafe hilft der Frau nicht mehr, die bereits tot ist. Und ein Mann, der denkt: „Dann sitze ich eben ein paar Jahre und bringe sie danach um“, braucht nicht nur einen höheren Strafrahmen. Er muss als Gefahr erkannt, kontrolliert und gestoppt werden, bevor er seine Drohung wahr macht.

Eine gefährliche Beziehung startet nicht immer mit einer Faust. Wer hat dein Foto geliked? Warum folgst du diesem Mann auf Instagram? Für wen hast du dich so angezogen? Schick mir deinen Standort. Gib mir dein Passwort.

Sie sagt Verabredungen ab, damit es keinen Ärger gibt. Sie löscht Kontakte. Sie überlegt vor jeder Nachricht, wie er reagieren könnte und ob das Oberteil, das sie trägt, wieder zur Diskussion wird. Irgendwann richtet sie ihren Alltag nicht mehr danach aus, was sie möchte, sondern danach, wie sie seinen nächsten Ausbruch verhindert.

Gehen kann gefährlicher sein als Bleiben

Und wir fragen: Warum ist sie nicht gegangen?

Ernsthaft? Ich kann diese Frage nicht mehr hören. Niemand liest die eigene Beziehung wie eine Ermittlungsakte. Nach dem Ausraster kommt die Entschuldigung, nach dem Schlag vielleicht ein Blumenstrauß. Dann ist er plötzlich wieder der Mann von früher. Dazu kommen Kinder, Geld, eine gemeinsame Wohnung.

Denn eine Trennung bedeutet nicht automatisch Sicherheit. Gerade dann kann die Gewalt eskalieren. Manche Frauen lassen deshalb alles zurück. Ihre Wohnung. Ihren Job. Ihre Freunde. Die Schule ihrer Kinder. Manchmal sogar ihre Stadt.

Warum eigentlich immer sie? Er bedroht sie, aber sie muss verschwinden. Er kontrolliert sie, aber sie soll ihre Gewohnheiten ändern. Er lauert ihr auf, aber ihr wird geraten, eine andere Strecke zu nehmen. Das ist doch irre.

Wir Frauen sind an solche Sicherheitspläne gewöhnt. Wir schicken der Freundin das Taxi-Kennzeichen, teilen beim Date unseren Standort und telefonieren nachts auf dem Heimweg. Fast jede Frau kennt diese Vorsicht. Wir nennen sie Alltag. Eigentlich ist sie ein Armutszeugnis.

2025 registrierte die Berliner Polizei 20.160 Opfer von Gewalt in Partnerschaft und Familie. 4,9 Prozent mehr als im Vorjahr. 14.210 Betroffene waren weiblich, 5950 männlich. Ja, auch Männer werden zu Hause geschlagen und bedroht. Auch ihnen muss geholfen werden. Aber mehr als 70 Prozent der registrierten Opfer waren Frauen.

Wie kann es sein, dass nach einer tödlichen Tat so häufig plötzlich niemand etwas bemerkt haben will?

Häufig hat jemand etwas gehört. Die Nachbarin kannte die nächtlichen Streitereien. Der Bruder wusste von den Drohungen. Eine Freundin bemerkte, dass sie kaum noch allein kam. Kollegen sahen, dass sie ständig auf ihr Handy schaute und zusammenzuckte, sobald sein Name aufleuchtete.

Wann haben wir aufgehört, aufeinander zu achten?

Natürlich erkennt niemand an einem lauten Streit, ob irgendwann ein Mensch sterben wird. Ein blaues Auge beweist nicht automatisch, dass der Partner zugeschlagen hat. Vielleicht war es tatsächlich die Schranktür. Aber seit wann ist eine ehrliche Frage zu viel verlangt? Wann beginnen wir endlich, auf unsere Mitmenschen zu achten?

„Ist bei dir wirklich alles in Ordnung?“

Wir sollen keine Hobbydetektive spielen und keinen möglicherweise gefährlichen Mann allein zur Rede stellen. Aber wir können zuhören. Wir können sagen: „Du musst dich nicht rechtfertigen. Was brauchst du?“ Manchmal ist diese eine Frage die erste Tür nach draußen.

Oft ist es ohnehin ein Nachbar, der die Polizei ruft. Er hört Schreie, einen dumpfen Schlag, eine knallende Tür oder splitterndes Glas. Dann kommt der Streifenwagen, im Hausflur wird es still und am nächsten Morgen steht derselbe Mann freundlich am Briefkasten, als wäre nichts gewesen. Aber Ruhe nach Gewalt ist nicht automatisch Frieden. Manchmal ist sie nur Angst hinter einer verschlossenen Tür.

Die Schuld trägt der Täter. Immer. Doch Schuld und Verantwortung sind zwei verschiedene Dinge. Der Staat trägt Verantwortung, wenn eine Frau mehrfach um Hilfe bittet und jedes Mal wieder erklären muss, warum sie Angst hat. Wenn Drohungen, Stalking, frühere Einsätze und Kontaktverbote in verschiedenen Akten liegen, aber niemand das ganze Bild sieht. Wenn ein gefährlicher Mann aus der Wohnung verwiesen wird und kurz darauf wieder vor der Tür steht.

Die Polizei kann einen Gewalttäter in Berlin bis zu 28 Tage aus der Wohnung weisen. Gut. Aber was geschieht am 29. Tag? Ist er dann ungefährlich, weil der Kalender weitergeblättert wurde? Wer kontrolliert, ob er sich an das Kontaktverbot hält? Wer reagiert sofort, wenn er wieder auftaucht?

Berlin hat seine Regeln verschärft. Wohnungsverbote wurden verlängert, elektronische Fußfesseln für bestimmte Gefährder ermöglicht, Schutzplätze ausgebaut. Das ist richtig. Aber eine Fußfessel hilft nur, wenn die Gefahr vorher erkannt wird. Ein Kontaktverbot hilft nur, wenn sein Bruch sofort Folgen hat. Und ein Frauenhaus hilft nur, wenn tatsächlich ein Platz frei ist.

Der Bund hat mit dem Gewalthilfegesetz erstmals einen Anspruch auf kostenlosen Schutz und Beratung geschaffen. Allerdings gilt dieser Rechtsanspruch erst ab 2032. Was soll eine Frau, die heute Todesangst hat, damit anfangen? „Halte noch sechs Jahre durch“ ist kein Schutzkonzept. Ein starker Staat zeigt seine Härte nicht erst mit einer langen Haftstrafe, wenn eine Frau bereits tot ist. Er zeigt sie vorher.

Schutz beginnt nicht erst im Erwachsenenalter

Und vorher heißt wirklich vorher. Schön, dass unsere Kinder lernen, einen Jambus vom Trochäus zu unterscheiden und ausrechnen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit Paul an einem Dienstag 78 Wassermelonen kauft. Aber im Schulalltag muss auch genug Zeit für das bleiben, was sie ihr ganzes Leben brauchen: Wie gehe ich mit Wut, Kränkung und Zurückweisung um? Wie respektiere ich Grenzen? Wo hole ich Hilfe, bevor aus einem Gefühl Gewalt wird? Ein paar Stunden Ethik reichen dafür offenbar nicht.

Wie ernst Berlin diese Prävention nimmt, zeigt ein bitterer Witz: Das Schulprojekt BIG Prävention gegen häusliche Gewalt musste Ende 2025 aus Geldmangel eingestellt werden.

Männliche Gewalt darf nicht länger ein Problem sein, das Frauen mit Standortfreigaben untereinander lösen. Frauen brauchen keine weiteren Tipps, wie sie ihr bisheriges Leben zurücklassen können. Sie brauchen Schutz, der funktioniert. Nicht erst, wenn wieder eine Frau tot ist.

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