Die langlebigen Chemikalien sind in der Umwelt weit verbreitet. Wie riskant sind sie? Lassen sie sich meiden? Und wie bewerten wir sie in unseren Tests? Unser Überblick.
Sind PFAS im menschlichen Körper nachweisbar?
Menschen und Säugetiere nehmen per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (kurz PFAS) über die Nahrung, das Trinkwasser und die Luft auf. Langkettige Formen speichert der Körper bis zu mehrere Jahren im Blutplasma, in der Leber und in der Niere. Kurzkettige PFAS hingegen werden schneller über Kot und Urin ausgeschieden, wie Forscher des Bundesinstituts für Risikobewertung im Selbstversuch herausfanden.
Auch in der Muttermilch konnten Wissenschaftler bereits PFAS in sehr unterschiedlich hohen Konzentrationen nachweisen, abhängig vom Lebensstil der Mutter.
Sind sie gesundheitsschädlich?
„Viele PFAS haben nachgewiesenermaßen gesundheitlich kritische Eigenschaften“, sagt Dr. Holger Brackemann, Leiter des Bereichs Untersuchungen bei der Stiftung Warentest. Für einige PFAS sind gesundheitliche Risiken belegt, für viele steht eine Bewertung aber noch aus.
Am besten erforscht sind die bereits verbotenen PFOA (Perfluoroctansäure) und PFOS (Perfluoroctansulfonsäure). Folgendes ist bereits bekannt:
1. Angereichert im menschlichen Körper können sie die Wirkung von Impfungen schwächen, die Infektanfälligkeit und den Gesamtcholesterinspiegel erhöhen.
2. Bei Schwangeren können sie zu einem niedrigeren Geburtsgewicht des Kindes führen.
3. In Tierversuchen zeigte sich, dass sie das Gewicht der Leber erhöhten und den Schilddrüsenhormonspiegel senkten. Hohe PFOA-Konzentrationen führten zu Tumoren an Leber und Hoden.
4. Sammeln sich die Chemikalien im Blut an, kann das zu schlechteren Blutfettwerten führen und mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen, berichten Forschende des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen im Rahmen der Rheinland-Studie.
5. Die Entwicklung und Funktion des Gehirns kann beeinflusst werden. So beobachteten Forschende des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in einer Studie an Zebrafischen, die Menschen genetisch sehr ähnlich sind, dass diese zu Hyperaktivität neigten, wenn sie im Larvenstadium PFOS und PFHxS ausgesetzt wurden.
PFAS verursachen in Europa Gesundheitsschäden in einer geschätzten Höhe von 39,5 Milliarden Euro im Jahr. Das geht aus einem Report der EU-Kommission hervor, der die vier wichtigsten PFAS-Typen berücksichtigt. Über alle PFAS hinweg dürfte der Schaden also größer sein.
Was genau sind PFAS?
Es handelt sich um eine riesige Gruppe von Chemikalien, die seit den 1950er-Jahren hergestellt werden. Chemisch gesehen sind es Verbindungen aus Kohlenstoff- und Fluoratomen, die sehr stabil sind. Das heißt, sie bauen sich nur sehr langsam ab und belasten daher lange die Umwelt. Deshalb werden sie auch Ewigkeitschemikalien genannt.
Chemiker unterscheiden zwischen kurz- und langkettigen PFAS. Kurzkettige PFAS besitzen zwischen ein und fünf Kohlenstoff-Atomen und langkettige sechs oder mehr. Je mehr Fluor-Atome zwischen diesen Kohlenstoffketten sitzen, desto stabiler und langsamer abbaubar ist die Verbindung.
Gibt es europaweite Beschränkungen für PFAS?
Ja, für einige PFAS bestehen bereits Grenzwerte und Verbote. 2006 wurde die Verwendung von PFOS verboten, 2020 die von PFOA. Das regelt die Chemikalienverordnung der EU. Für die vier häufigsten PFAS – PFOS, PFOA, PFNA (Perfluornonansäure) und PFHxS (Perfluorhexansulfonsäure) – sind zudem seit 2023 Höchstgehalte für bestimmte Lebensmittel definiert und werden von den Behörden überwacht. Das betrifft Eier, Fischereierzeugnisse, Muscheln, Fleisch von Rindern, Schweinen, Geflügel, Schafen und Wild sowie Trinkwasser.
Seit 23. Oktober 2025 werden in der Europäischen Union (Verordnung 2025/1988) schrittweise die Verwendung von Feuerlöschschäumen mit PFAS eingeschränkt, bis hin zum weitreichenden Verbot in tragbaren Feuerlöschern bis 2030.
Derzeit prüft die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) Vorschläge für weitere Beschränkungen bis hin zu einem allgemeinen Verbot. Ende 2026 sollen die nötigen Studienergebnisse für einen Vorschlag auf EU-Ebene vorliegen.
Zeigen Verbote Wirkung?
Laut BfR sind die Gehalte der vier langkettigen PFAS (PFOA, PFNA, PFOS und PFHxS) im Blutserum beziehungsweise -plasma in Deutschland um das Jahr 1990 am höchsten gewesen und inzwischen rückläufig, weil sie entweder verboten oder durch Grenzwerte kontrolliert wurden.
Das Umweltbundesamt untersucht laufend die Schadstoffbelastung der Bevölkerung anhand von Blutproben. Die Ergebnisse landen dann in der Umweltprobendatenbank des Bundes.
Werden PFAS im Trinkwasser kontrolliert?
Im Trinkwasser dürfen chemische Stoffe nicht in gesundheitsschädlichen Konzentrationen enthalten sein. Das schreibt die Trinkwasserverordnung vor. Zuständig für die Überwachung der Vorgaben sind in erster Linie Gesundheitsämter und Wasserversorger. Grenzwerte für PFAS wurden 2023 erstmals in die Trinkwasserverordnung aufgenommen – mit Übergangsfristen.
Seit dem 12. Januar 2026 gilt für 20 PFAS ein Summengrenzwert. Vier dieser PFAS sind von besonderer toxikologischer Besorgnis; für sie wird ab 12. Januar 2028 ein zusätzlicher, strengerer Summen-Grenzwert gelten. In einigen Regionen in Deutschland ist das Trinkwasser laut Umweltbundesamt bereits stark mit PFAS belastet, zum Beispiel in der Möhnetalsperre in Nordrhein-Westfalen.
Die Stiftung Warentest prüft Mineralwässer auf PFAS und orientiert sich dabei an den Vorgaben der Trinkwasserverordnung. Bisher wiesen wir Trifluoressigsäure (TFA) nach, die weder in der Trinkwasser-, noch in der Mineral- und Tafelwasserverordnung gesetzlich geregelt ist. TFA bewerten wir in Mineralwasser als oberirdische Verunreinigung – bei einem erhöhten Gehalt vergeben wir ein Ausreichend in diesem Prüfpunkt. TFA findet sich bereits überall in der Umwelt. Sie gelangt insbesondere über Kältemittel in die Atmosphäre und über den Regen in den Wasserkreislauf.
Können Kläranlagen PFAS wieder entfernen?
Teilweise ja, aber nach Auskunft des Umweltbundesamts passiert das erst in wenigen Kläranlagen. Es sei zwar bereits technisch möglich, mithilfe von Aktivkohle langkettige PFAS effektiv aus dem Abwasser zu holen, aber nicht kurzkettige, die besonders wasserlöslich sind. Ein Großteil der Kläranlagen in Deutschland habe diese Technik im Moment noch nicht installiert, so das Umweltbundesamt.
Nach Einschätzung der EU-Kommission könnte die Entfernung der vier häufigsten PFAS (PFOA, PFOS, PFHxS, PFNA) aus Trinkwasser und kontaminierten Böden zusammen mit den Gesundheitsausgaben bis zum Jahr 2050 bis zu 1,7 Billionen Euro betragen. Ein Ausstieg aus der Produktion und Verbreitung sei deutlich billiger.
Wie suchen wir nach PFAS?
Die Untersuchung auf PFAS ist fester Bestandteil vieler unserer Tests, zum Beispiel bei Lebensmitteln, Textilien und Gebrauchsgegenständen. Im Prüfprogramm definieren wir vorab, auf welche der rund 200 bereits in der EU regulierten PFAS wir testen werden und werten die Ergebnisse detailliert aus.
Wo haben wir sie bereits nachgewiesen?
Typischerweise in früheren Tests von beschichteten Pfannen und Imprägniermitteln, überraschenderweise auch in Textilienbezügen von Autokindersitzen, Kinderbuggys und Kinderfahrradanhängern.
Auch in Lebensmitteln stoßen wir immer wieder auf PFAS-Belastungen. Bereits 2007 entdeckten wir PFOA und PFOS bei einem Test von Pommes frites, 2023 fanden wir Perfluorpentansäure in Butter. Sogar Pre-Nahrung für Säuglinge enthielt die umstrittenen Chemikalien, wie unser Test 2025 nachwies.
Wie bewerten wir PFAS?
Finden wir verbotene PFAS in kritischen Mengen in den Produkten, erhalten diese im Schadstoffurteil und im Gesamturteil die Note Mangelhaft. Zudem haben wir unsere Produktauswahl angepasst: So testen wir zum Beispiel keine Pfannen mehr, die mit PTFE (Polytetrafluorethylen) beschichtet sind – besser bekannt unter der eingetragenen Marke Teflon. Wir beschränken uns im Pfannen-Test auf PFAS-freie Alternativen.
Warum prüfen wir manchmal strenger als gesetzlich vorgeschrieben?
Das betrifft zum Beispiel Textilien. Die derzeit gültige Prüfmethode nach Din-Norm erkennt nur „frei verfügbare“ PFAS, also solche, die nicht an andere Substanzen gebunden sind. In der EU sind aber auch bereits so genannte „festgebundene“ PFAS reguliert.
Um auch solche PFAS aufzuspüren, prüfen wir jetzt schon nach einer neuen Din-Norm, für die es erst einen Entwurf gibt. Bei dieser neuen Prüfmethode werden die Ewigkeitschemikalien durch eine alkalysche Hydrolyse mit Natronlauge gelöst. Dadurch können wir auch festgebundene PFAS finden. Das haben wir zum Beispiel beim Test von Fahrradanhängern gemacht.
Was hält die Stiftung Warentest vom vorgeschlagenen PFAS-Verbot?
„Das ist der richtige Ansatz, alles andere ein Hase-und-Igel-Spiel: Fluorcarbone werden verwendet, dann untersucht, verboten und durch andere ersetzt“, sagt Dr. Holger Brackemann, Chemiker und Leiter des Bereichs Untersuchungen der Stiftung Warentest. „Die Stoffe sind problematisch, weil sie sich in der Umwelt kaum abbauen und daher anreichern.“
Seit März 2023 existiert der weitreichende Vorschlag, in der EU alle Fluorcarbone zu verbieten. Ausnahmen könnten laut der Europäischen Chemikalienagentur für essenzielle Verwendungen - etwa in der Medizin - möglich sein, wenn es noch keine alternativen Stoffe oder Technologien gibt, aber dafür gesorgt wird, dass sie weniger in die Umwelt gelangen.
Bei welchen Produkten werden PFAS in der Herstellung eingesetzt?
Sie sind besonders da beliebt, wo man ihre fett- oder wasserabweisenden Fähigkeiten braucht – also zum Beispiel in beschichteten Pfannen, Backpapier, Imprägniermitteln, Einwegverpackungen, Teppichböden oder Regenkleidung. Sie stecken aber auch im Schaum von Feuerlöschern, in Batterien, Kältemitteln und Medizinprodukten wie Implantaten und Blutbeuteln.
Wie gelangen die Chemikalien in die Umwelt?
Die Wege sind vielfältig. Das kann durch Abluft und Abwasser bei der Industrieproduktion geschehen, durch Schwebeteilchen in Imprägniersprays, durch Abnutzung der Beschichtung von Funktionskleidung oder beim Löschen von Bränden.
Manche PFAS verändern sich, wenn sie in die Umwelt gelangen und können dadurch sogar schädlicher werden. Dazu gehört etwa die wasserlösliche Trifluoressigsäure (TFA), die beim Abbau von PFAS-haltigen Kältemitteln entsteht und sich über den natürlichen Wasserkreislauf sehr schnell verbreitet. Sie gilt laut Umweltbundesamt bislang als nicht in der Umwelt abbaubar und erschwert etwa die Trinkwassergewinnung.
Wo in der Umwelt sind PFAS nachweisbar?
Inzwischen sind PFAS weltweit in Böden, im Wasser und in der Luft nachweisbar – sogar im Meeresschaum. Auf diese Weise nehmen auch Pflanzen und Tiere sie auf, die wiederum vom Menschen verzehrt werden.
Welche Lebensmittel sind besonders belastet?
Insbesondere Wild und Seefische sind teilweise hoch belastet, aber auch manche Gemüsesorten oder Eier. Bei Wildschweinen hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer achtjährigen Beobachtung festgestellt, dass die PFAS sich unterschiedlich stark im Körper des Tieres anreichern. Besonders hoch war die Konzentration in der Leber.
Mit einer einzigen Portion Wildschweinleber kann man unter Umständen schon die tolerable PFAS-Aufnahme für ein ganzes Jahr erreichen. Dadurch sind laut BfR gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht ausgeschlossen. Da sich der PFAS-Wert im Körper ohnehin schon häufig allein durch eine normale Ernährung an der Schwelle des tolerablen Wertes bewegt, raten auch wir vom zusätzlichen Verzehr von Wildschweinleber vorsorglich ab.
Wie finde ich Produkte ohne PFAS?
Für einige Lebensbereiche lassen sich Tipps ableiten, aber längst nicht für alle:
Bei Pfannen gibt es inzwischen gute Alternativen mit Keramikbeschichtung. Auch Imprägniermittel ohne PFAS sind bereits erhältlich.
Beim Backen sind Sie auf der sicheren Seite, wenn Sie auf Backmatten und Backpapier verzichten und Ihr Blech stattdessen einfach fetten.
Manche Hersteller von Outdoorkleidung werben ebenfalls mit „frei von PFAS“ und „frei von Fluorverbindungen“. Das ist allerdings nicht immer zuverlässig, wie unser Test von Funktionsjacken ergeben hat. Für Gartenmöbel gibt es inzwischen Outdoorpolster und Tischdecken, die mit dem umweltfreundlicheren Polyurethan beschichtet sind. Die Herstellerangaben sind nicht immer zuverlässig, stellte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit fest.
Tipp: Sind Sie sich nicht sicher, ob ein Produkt mit PFAS beschichtet ist, machen Sie den Perlentest.
Wie soll ich mit PFAS-belastete Produkte entsorgen?
Outdoorjacken oder Arbeitskleidung sollten Sie nicht in den Altkleidercontainer, sondern in die Restmülltonne werfen, empfiehlt das Umweltbundesamt. Aber einen richtig guten Entsorgungsweg gibt es noch nicht. Für die Zerstörung der Ewigkeitschemikalien bedarf es einer Temperatur von 1 300 Grad Celsius. Das schaffe laut Umweltbundesamt derzeit keine normale Müllverbrennungsanlage.
Leere Spraydosen von Imprägniermitteln gehören in die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack. Sind die Behälter noch gefüllt, bringen Sie sie zur Schadstoffannahmestelle Ihres Entsorgers. Mit PFAS-beschichtete Pfannen – meist PTFE – können unbedenklich weiterbenutzt werden, sagt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Selbst wenn sich kleine Partikel aus der Beschichtung lösten und mitgegessen würden, könnte der Körper diese ausscheiden.
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