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Verbraucherpreise im April: Energiepreise heben ab, Inflation steigt auf 2,9 Prozent

Дата публикации: 30-04-2026 14:36:20

Nach 2,7 Prozent im März beträgt die Inflation im April nun 2,9 Prozent. Haupt­grund sind die Energiepreise, die um 10,1 Prozent angezogen haben. Was jetzt wichtig ist.

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Die gefürchtete 3 vor dem Komma ist erneut ausgeblieben – aber nur knapp. Nach 2,7 Prozent im März beträgt die Inflations­rate im April nach vorläufigen Schät­zungen des Statistischen Bundes­amtes 2,9 Prozent gegen­über dem Vorjahr. So hoch war die Teuerung in Deutsch­land zuletzt im Januar 2024.

Im Euroraum beträgt die Inflations­rate nach Schät­zung der Statistikbehörde Eurostat im April 3,0 Prozent.

Grund dafür ist in erster Linie der Anstieg der Energiepreise infolge des Iran-Kriegs. So schossen die Preise für Öl und Gas im April um 10,1 Prozent in die Höhe. Bereits im März hatte das Statistische Bundes­amt einen Anstieg der Energiepreise um 7,2 Prozent verzeichnet. Bei Dienst­leistungen, zu denen etwa Restaurant­besuche und Reisen zählen, stiegen die Preise um 2,8 Prozent. Im März betrug die Teuerung in diesem Bereich noch 3,2 Prozent. Lebens­mittel waren 1,2 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

Tipp: Lesen Sie hier Inflation – einfach erklärt

Die Kerninflation ohne Energie und Lebens­mittel, die von Ökonomen besonders beachtet wird, sank im April leicht von zuvor 2,5 Prozent auf 2,3 Prozent.

Öl und Benzin sind erst der Anfang

„Im April ist die Inflation nur wegen höherer Energiepreise gestiegen“, ordnete Commerz­bank-Chef­volks­wirt Jörg Krämer ein. „Aber Umfragen zeigen, dass die Unternehmen rasch auf die Verteuerung der Energie reagieren und bald auch die Preise für andere Waren und Dienst­leistungen deutlich anheben werden.“

Weil teure Energie Produktions- und Trans­port­kosten von Unternehmen steigen lässt, ist die Sorge groß, dass die Preise für Lebens­mittel, Restaurant­besuche und Dienst­leistungen weiter anziehen. Nach Daten des Ifo-Instituts plant eine steigende Zahl von Firmen Preis­erhöhungen, etwa in der Gastronomie und im Einzel­handel.

Friedrich Heinemann, Ökonom am Mann­heimer Forschungs­institut ZEW, prognostiziert, je länger die Blockade der für den welt­weiten Öl- und Gashandel wichtigen Meer­enge Straße von Hormus andauere, desto wahr­scheinlicher werde für Deutsch­land eine breite Inflation: „Dann wird es ungemütlich, auch für die Menschen, die kein Auto fahren.“

Tipp: Was Sie in Bezug auf steigende Gaspreise beachten sollten, lesen Sie im Beitrag Wer jetzt den Gasvertrag wechseln sollte.

Volks­wirte erwarten deutlich steigende Inflations­rate 2026

Noch vor dem Iran-Krieg hatten Volks­wirte erwartet, dass die Inflations­rate in Deutsch­land dieses Jahr knapp über der Zwei-Prozent-Marke landen wird – ähnlich wie 2024 und 2025. Das ist längst Makulatur: Inzwischen rechnen führende Wirt­schafts­forschungs­institute damit, dass die Teuerungs­rate im laufenden Jahr auf durch­schnitt­lich 2,8 Prozent und 2027 auf 2,9 Prozent steigen wird.

Das wäre zwar noch weit unter dem Inflations­rekord für das wieder­ver­einigte Deutsch­land von 6,9 Prozent während des Ukraine-Krieges 2022. Heute sei die Lage eine andere als beim Energiepreisschock vor vier Jahren, sagt Deka­bank-Chef­volks­wirt Ulrich Kater. „Die Inflation liegt im April etwa 4 Prozent­punkte nied­riger als zum vergleich­baren Zeit­punkt nach Ausbruch des Ukraine­kriegs“, erklärt Kater. „Ob die Preissteigerungen in der zweiten Jahres­hälfte anhalten oder sich wieder umkehren, hängt einzig und allein von der Öffnung der Straße von Hormus ab.“

Energie sorgte schon 2022 für hohe Teuerungs­raten

Erinnerungen werden wach an das Jahr 2022. Der folgende Chart zeigt die Inflations­rate mit und ohne Energie. Es lässt sich ablesen, dass die Inflation auch im Jahr 2022 schon einmal stark gestiegen ist – und zwar ebenfalls aufgrund höherer Energiepreise. Damals war der Angriff Russ­lands auf die Ukraine die Ursache. Die Preise stiegen in der Spitze um knapp 10 Prozent. Viele Preise haben sich dauer­haft erhöht. Lebens­mittel etwa haben sich nach Angaben der Bundes­anstalt für Land­wirt­schaft und Ernährung zwischen 2021 und 2025 um fast ein Drittel (32 Prozent) verteuert. Wie es dieses Mal wird, hängt entscheidend vom weiteren Verlauf des aktuellen Konfliktes im Nahen Osten ab.

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Warenkorb als Grund­lage

Das Statistische Bundes­amt berechnet die Inflation anhand der Preis­entwick­lung eines repräsentativen Warenkorbes. Er besteht aus rund 700 Produkten und Dienst­leistungen, unterteilt in zwölf Haupt­kategorien. Im Korb enthalten sind Lebens­mittel genauso wie Wohnungs­mieten, Friseur­besuche oder Flugreisen, gewichtet nach dem Anteil an den privaten Konsum­ausgaben.

Das Statistikamt hat die Berechnung der Inflations­rate auf eine neue Basis gestellt. Früher waren die Preissteigerungen auf den Warenkorb des Jahres 2015 bezogen, nun gilt das Jahr 2020 als Grund­lage. Bei der Neube­rechnung des Warenkorbs berück­sichtigen die Statistiker auch gesell­schaftliche Entwick­lungen wie Digitalisierung und demogra­fischen Wandel und veröffent­lichen nun auch die Preis­entwick­lung von Smartwatches oder Fitnes­stra­ckern sowie Geh- und Alltags­hilfen.

Wohnen ist der größte Batzen

Das größte Gewicht der privaten Konsum­ausgaben entfällt auf das Wohnen inklusive Wasser, Strom, Gas und anderen Brenn­stoffen. Durch die Umstellung vom bisherigen Basis­jahr 2015 auf das neue Basis­jahr 2020 ist das Gewicht dieses Bereichs allerdings um 6,5 Prozent­punkte gesunken und beträgt jetzt nicht mehr 32,5 Prozent, sondern nur noch 26 Prozent. Der Anteil der Nahrungs­mittel ist dagegen um 2,2 Prozent­punkte auf 11,9 Prozent gestiegen.

Nahrungs­mittel über fünf Jahre am stärksten gestiegen

Die folgende Grafik zeigt unterteilt nach Waren­gruppen, wo die Preise besonders stark beziehungs­weise wo sie kaum gestiegen sind. Über fünf Jahre am stärksten gestiegen sind die Preise für Nahrungs­mittel sowie für Restaurants und Über­nachtungen

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Die individuelle Inflation

Der Warenkorb passt nicht für jeden Einzelnen. Für Menschen, die kein Auto haben, sind zum Beispiel die Benzinpreise unwichtig. Wer im eigenen Haus wohnt, muss keine Miete zahlen. Auch Frei­zeit- und Essgewohn­heiten können sich unterscheiden. Mithilfe des persönlichen Inflationsrechners des Statistischen Bundesamts können Verbrauche­rinnen und Verbraucher sich ausrechnen lassen, wie ihre individuelle Inflation ist.

Zins­sparen wird attraktiver, Kredite teurer

Steigt die Inflation weiter an, könnte das die Europäische Zentral­bank (EZB) dazu veranlassen, die Zinsen anzu­heben. Aufgabe der EZB ist es, für Preisstabilität im Euroraum zu sorgen. Bei der jüngsten Sitzung am 30. April 2026 ließ der EZB-Rat die Leitzinsen allerdings zum siebten Mal in Folge unver­ändert. Die nächste Sitzung des EZB-Rates ist für den 11. Juni anberaumt. Der für Sparer und Banken wichtige Einlagenzins beträgt damit weiterhin 2,0 Prozent.

Für Verbrauche­rinnen und Verbraucher würden steigende Zinsen zweierlei bedeuten: Zins­sparer können auf attrakti­vere Konditionen hoffen – teil­weise haben die Anbieter ihre Zinsen für Tagesgeld und Festgeld schon erhöht. Auf Anleger mit Aktienfonds und ETF könnten weitere Kurs­verluste zukommen. Wer einen Kredit hat oder aufnehmen möchte, muss möglicher­weise mehr dafür zahlen.

Tipp: Wer über einen Immobilienkauf nach­denkt, findet im Beitrag Bauzinsen aktuell die neuesten Konditionen.

Sach­werte schützen

Tagesgeld und Festgeld bieten nach wie vor oft keinen kompletten Schutz vor einer Geld­entwertung. Der sogenannte Realzins, also das, was nach Abzug der Inflation übrig bleibt, ist häufig negativ.

Bei sogenannten Sach­werten hingegen sind Renditen, die über der Inflations­rate liegen, möglich. Im Gegen­satz zu Zins­anlagen begründen Sach­werte echtes Eigentum. Ob Aktien, Immobilien, Edel­metalle, Kunst­werke oder Sammel­gegen­stände – Käufer erwerben in allen Fällen etwas „Hand­festes“.

Tipp: Lesen Sie mehr in unserem Beitrag Mit Sachwerten gegen die Geldentwertung

An den höheren Preisen mitverdienen

Wer an der Tank­stelle mehr für Benzin und Diesel zahlen muss, könnte auf die Idee kommen, die höheren Ausgaben mit Investitionen in Rohstoffe zumindest zum Teil zu kompensieren. Das geht über ETF, die in Aktien von Energiekonzernen anlegen oder die Rohstoff­preise nach­zeichnen. Wie das genau funk­tioniert, zeigen wir im Beitrag Investieren in Öl, Kupfer, Gold & Co.

Lesetipp: Unser Ratgeber Sicher durch die Inflation liefert wichtiges Grund­wissen rund um das Thema Inflation und zeigt anhand von Check­listen und Infografiken, welche Gegen­maßnahmen Anle­gerinnen und Anleger ergreifen können.

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