Der Krieg in Nahost verunsichert die Kapitalmärkte. Unser Strategie-Check zeigt, wie Anlegende auf verschiedene Börsenszenarien reagieren können.
Der übliche Ratschlag in Krisenzeiten lautet: Ruhe bewahren. Das bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass man gar nichts tun sollte. Wer noch genügend Zeit und die Nerven hat, auch längere Durststrecken durchzustehen, kann seine Aktien-ETF einfach halten – bekannt als Buy-and-Hold-Methode. Wer seine Verlustrisiken verringern und gleichzeitig möglichst wenig Aufwand betreiben will, dem empfehlen wir unser Pantoffel-Portfolio. Aktivere Anleger können Absicherungsstrategien nutzen.
Strategien bieten klare Regeln, die Anlegern helfen, auch in üblen Phasen rational zu bleiben und keine emotionalen (Fehl-)Entscheidungen zu treffen.
Die 3 Anlagestrategien in Kürze
Pantoffel-Portfolio. Die Anlagestrategie der Stiftung Warentest setzt sich aus einem Rendite- und einem Sicherheitsbaustein zusammen. Für viele passen dürfte die 50:50-Variante mit je zur Hälfte Aktien-ETF und Zinsanlagen.
Buy-and-Hold-Strategie. Portfolio mit 100 Prozent Aktien-ETF. Man kauft und hält die Papiere.
Absicherungsstrategien. Je nach Marktlage wird der Aktienanteil zeitweilig reduziert oder wieder erhöht (zum Beispiel Dip-Crash-Strategie oder Gleitende Durchschnitte).
Wer ein Pantoffel-Portfolio hat, sollte zunächst prüfen, ob die gewählte Mischung aus Rendite- und Sicherheitsbaustein tatsächlich seinem Risikoempfinden entspricht. Wenn es an der Börse gut läuft und die Rückschläge kurz und überschaubar sind, ist man schnell geneigt, sein Depot offensiv aufzustellen. Um den eigenen Risikotyp herauszufinden, hilft ein Blick auf die Verluste der Vergangenheit.
Tipp: Haben Sie den richtigen Pantoffel-Mix gefunden und Ihr Depot eingerichtet, schauen Sie lediglich ab und zu, ob die Mischung noch passt. Ist der Aktienanteil zu klein geworden, kaufen Sie nach. Unser kostenloser Pantoffel-Rechner hilft beim Check.
Strategisch absichernAnfang des Jahres haben wir Absicherungsstrategien vorgestellt. Zwei der vier getesteten Methoden haben in vergangenen Krisen vergleichsweise robuste Ergebnisse geliefert: die Strategie der gleitenden Durchschnitte und die von uns entwickelte Strategie Dip-Ausstieg & Crash-Einstieg. Sie sind eine Möglichkeit, den Aktienanteil im Depot dynamisch zu steuern.
Ziel: Schutz vor hohen VerlustenZweck solcher Absicherungsstrategien ist es, sich vor größeren Verlusten zu schützen. Sie sind keine Wundermittel für eine dauerhaft bessere Rendite – auch wenn diese in bestimmten Fällen möglich ist.
Tipp: Fragen zu den Absicherungsstrategien beantwortet unser FAQ zur Depotabsicherung.
Die 3 Anlagestrategien im Börsen-CheckKeine Strategie funktioniert in jeder Situation gleich gut. Entscheidend ist daher weniger die perfekte Methode – sondern eine Strategie, die man auch in schwierigen Zeiten durchhalten kann. Die fiktiven Szenarien zeigen für typische Börsenverläufe, wie das 50:50-Pantoffel-Portfolio, ein reines Aktiendepot und unsere Dip-Crash-Strategie reagieren.
Szenario 1 – Aufwärtstrend: Buy-and-Hold vornDer Aktienmarkt steigt, größere Rückschläge bleiben aus, Kurse schwanken moderat. Das Buy-and-Hold-Portfolio profitiert am stärksten, weil es voll auf Aktien setzt. Gilt auch für die Dip-Crash-Strategie. Das Pantoffel-Portfolio nimmt nur zur Hälfte an der Aktienmarktentwicklung teil.
Beste Rendite: Buy-and-Hold-Strategie, Dip-Crash-Strategie.
Geringstes Risiko: Pantoffel-Portfolio.
© Stiftung Warentest
Szenario 2 – Mittlere Korrektur: Pantoffel ist der HeldDer Markt fällt, erholt sich aber schnell. Das Pantoffel-Portfolio hat das beste Chance-Risiko-Verhältnis. Buy-and-Hold verliert mehr, erholt sich aber stärker. Die Dip-Crash-Strategie vermeidet höhere Verluste, liegt nach Kosten jedoch hinten.
Beste Rendite: Buy-and-Hold, Pantoffel-Portfolio.
Geringstes Risiko: Pantoffel-Portfolio, Dip-Crash-Strategie.
© Stiftung Warentest
Szenario 3 – Tiefer Einbruch: Dip-Crash am bestenDie Kurse stürzen heftig ab und erholen sich nur langsam. Das Buy-and-Hold-Portfolio bricht ebenfalls ein und bleibt lange im Verlust. Das Pantoffel-Depot verliert weniger. Mit der Dip-Crash-Strategie lässt sich ein Großteil der Verluste vermeiden. Man ist auch schneller wieder im Plus.
Beste Rendite: Dip-Crash-Strategie.
Geringstes Risiko: Dip-Crash-Strategie, Pantoffel-Portfolio.
© Stiftung Warentest
Fazit: Seien Sie gewappnetDie drei dargestellten Szenarien können in unterschiedlicher Form auftreten. Sie könnten länger oder kürzer verlaufen, in verschiedener Reihenfolge geschehen, jeweils häufiger oder seltener vorkommen. Es könnte jahrelang nach oben gehen, ehe es plötzlich richtig kracht. Der Absturz könnte auch demnächst kommen und in ein jahrelanges schwaches Wachstum münden. Eventuell wird es auch nur mittlere Korrekturen geben – wir wissen es nicht. Wichtig ist daher, dass Sie sich für eine Strategie entscheiden, mit der Sie auch das unbequemste Szenario gut durchstehen können.
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