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Mehr als 16.000 Lehrstellen im Osten frei – diese Berufe suchen dringend Azubis

Дата публикации: 19-08-2026 18:59:40

In vier ostdeutschen Ländern sind noch mehr als 16.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Besonders gefragt sind Nachwuchskräfte in Handel, Logistik und Technik.

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Am ersten September starten in den ostdeutschen Bundesländern die Ausbildungen. Aktuell sind aber noch immer tausende Lehrstellen frei. Allein in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern sind zusammen 16.302 Ausbildungsstellen unbesetzt. Das zeigen aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Dabei gibt es allerdings nicht einfach nur einen Mangel an Bewerbern. In vielen Regionen gibt es gleichzeitig noch Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Häufig passen schlicht Berufswünsche, Wohnort oder Anforderungen der Betriebe nicht zum vorhandenen Angebot.

Sachsen: 6400 freie Stellen, 5900 Jugendliche suchen noch

Sachsen ist das Bundesland mit den meisten freien Ausbildungsplätzen. Im Juli wurden 17.600 Bewerberinnen und Bewerber sowie 18.200 Ausbildungsstellen gemeldet, wie die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Davon waren noch 5900 Bewerber ohne Stelle und 6400 Ausbildungsstellen frei. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der unversorgten Bewerber damit um 11,8 Prozent, während die Zahl der freien Ausbildungsstellen um 5,8 Prozent zurückging.

Die Arbeitsagentur bewertet den sächsischen Ausbildungsmarkt dennoch als „erfreulich robust und nahezu ausgeglichen“. Rein rechnerisch gebe es für jeden noch suchenden Bewerber eine freie Ausbildungsstelle. Warum trotzdem tausende Jugendliche keinen Vertrag haben, erklärt die Regionaldirektion mit einem sogenannten Mismatch. Genannt werden unter anderem regionale Unterschiede, unterschiedliche Berufswünsche sowie Anforderungen der Betriebe, die nicht immer zu den schulischen Leistungen oder Sozialkompetenzen der Bewerber passen.

In diesen Berufen fehlen in Sachsen besonders viele Bewerber

Für Kaufleute im Einzelhandel waren noch 1055 Stellen frei, während 226 Bewerber ohne Stelle diesen Beruf suchten. Bei Zerspanungsmechanikern standen 175 freie Stellen 15 Bewerbern gegenüber, bei Industriemechanikern 110 Stellen 26 Bewerbern.

Besonders extrem ist das Verhältnis im Lebensmittelhandwerk. Für die Ausbildung im Bereich Fleischerei waren noch 100 Stellen unbesetzt, gleichzeitig gab es laut Arbeitsagentur weniger als drei Bewerber, die keine Stelle fanden. Bei Werkzeugmechanikern standen 54 freie Stellen weniger als drei Bewerbern gegenüber, bei Beton- und Stahlbetonbauern waren es 52 Stellen und ebenfalls weniger als drei Bewerber.

Umgekehrt gibt es auch Berufe, in denen mehr Jugendliche suchen, als Stellen frei sind. Bei Verkäufern standen 598 freie Stellen 640 unversorgten Bewerbern gegenüber. Im Büromanagement waren es 107 Stellen und 270 Bewerber. Die Arbeitsagentur weist zugleich darauf hin, dass die Zahlen nicht den gesamten Markt abbilden. Weder Jugendliche noch Unternehmen sind verpflichtet, sich beziehungsweise freie Ausbildungsstellen bei der Bundesagentur zu melden.

Mehr als 3000 Ausbildungsplätze in Sachsen-Anhalt frei

In Sachsen-Anhalt waren im Juli noch 3282 Ausbildungsstellen unbesetzt, wie die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit auf Anfrage mitteilte. Gleichzeitig waren 2817 Bewerberinnen und Bewerber noch ohne Stelle.

Besonders viele freie Stellen gab es in Sachsen-Anhalt für Kaufleute im Einzelhandel. Dort waren noch 489 Ausbildungsplätze unbesetzt. Es folgten Verkäufer mit 223 freien Stellen, Fachkräfte für Lagerlogistik mit 117 und Fachlageristen mit 84 Stellen.

Aufseiten der Jugendlichen gehörten dagegen Verkäufer mit 275 unversorgten Bewerbern, Kfz-Mechatroniker für Pkw-Technik mit 189 und Kaufleute für Büromanagement mit 175 zu den besonders häufig gesuchten Berufen. Für eine Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau im Einzelhandel waren noch 115 Bewerber ohne Stelle.

Ausbildungsplätze in Sachsen-Anhalt: Jeder zweite Betrieb findet nicht genug Azubis

Auch Unternehmen selbst berichten von Schwierigkeiten bei der Suche. Nach Angaben der IHK Halle-Dessau konnten 51 Prozent der befragten Unternehmen im vergangenen Ausbildungsjahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen.

Der häufigste Grund seien fehlende geeignete Bewerbungen, teilte die IHK mit. Die Kammer sieht dahinter vor allem ein langfristiges demografisches Problem: Auf einen Schulabgänger kämen rechnerisch weit mehr als zwei Menschen, die die Altersgrenze erreichen oder vorzeitig in Rente gehen.

Trotzdem brechen die Ausbildungszahlen bislang nicht ein. Bis zum 31. Juli verzeichnete die IHK Halle-Dessau 2571 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse – nach Angaben der Kammer entspricht das dem Vorjahresniveau.

Dr. Simone Danek, Geschäftsführerin der IHK Halle-Dessau, verweist zugleich darauf, dass Betriebe weiterhin Nachwuchs suchen. Freie Stellen gebe es beispielsweise für Industriemechaniker, Chemikanten, Industriekaufleute und Verkäufer. Und auch wer zum eigentlichen Ausbildungsbeginn noch nichts gefunden habe, müsse nicht leer ausgehen: „Ausbildungsverträge werden noch bis weit in den Herbst geschlossen“, heißt es.

In Thüringen sind 3625 Ausbildungsplätze unbesetzt

Höher ist die Zahl der freien Stellen in Thüringen. Im Juli waren dort 3625 Ausbildungsplätze unbesetzt, wie die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit mitteilte.

Auch hier steht der Einzelhandel ganz oben: 483 Ausbildungsplätze für Kaufleute im Einzelhandel waren noch frei. Hinzu kamen 290 Stellen für Verkäufer und 131 für Fachkräfte in der Lagerlogistik. Gesucht wurden außerdem unter anderem Zerspanungsmechaniker mit 104 freien Plätzen, Mechatroniker mit 83 und Industriemechaniker mit 73 Stellen. Bei den von der Arbeitsagentur erfassten Bewerbern gehörten dagegen Kaufleute für Büromanagement, Verkäufer und Kfz-Mechatroniker zu den beliebtesten Ausbildungswünschen.

Arbeitsagentur: Lage für Jugendliche wird etwas schwieriger

Ganz so komfortabel wie in den vergangenen Jahren ist der Ausbildungsmarkt allerdings nicht mehr. In Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Zahl der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Bewerber leicht gestiegen, während gleichzeitig weniger Ausbildungsstellen gemeldet wurden.

Dadurch habe sich das Verhältnis aus Sicht der Jugendlichen verschlechtert, teilte die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit mit. Trotzdem gebe es weiterhin mehr Stellen als Bewerber. Auf 100 betriebliche Ausbildungsstellen kommen rechnerisch 81 Bewerber.

Auch die schwache Wirtschaft hinterlasse inzwischen Spuren auf dem Ausbildungsmarkt. Nach Einschätzung der Arbeitsagentur wiegt der demografische Druck aber weiterhin schwerer. Viele Beschäftigte verlassen altersbedingt den Arbeitsmarkt, während Unternehmen versuchen, ihren Nachwuchs durch Ausbildung selbst heranzuziehen.

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze steigt derzeit nicht, sondern sinkt. In Sachsen-Anhalt und Thüringen verzeichnet die Arbeitsagentur aktuell 21,4 Prozent weniger unbesetzte Stellen als im Vorjahresvergleich. Gleichzeitig wurden allerdings auch 7,8 Prozent weniger Ausbildungsstellen insgesamt gemeldet. Der Rückgang der unbesetzten Stellen falle damit stärker aus als der Rückgang des gesamten Angebots.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern bleiben fast 3000 Stellen frei

In Mecklenburg-Vorpommern waren im Juli noch 2995 betriebliche Ausbildungsstellen unbesetzt, wie die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Das waren 234 Stellen beziehungsweise 7,2 Prozent weniger als noch im Juli 2025.

Insgesamt waren dort 6160 Bewerberinnen und Bewerber und 8450 Ausbildungsstellen gemeldet. Beide Werte bewegen sich nach Angaben der Arbeitsagentur ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Viele Möglichkeiten gibt es weiterhin im Verkauf und Handel, im Gastgewerbe, im Handwerk sowie in Verkehr und Lagerei, teilte die Arbeitsagentur mit.

Markus Biercher, Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, sieht die duale Ausbildung weiterhin als wichtigen Hebel gegen den Fachkräftemangel. „Die duale Ausbildung bleibt ein wichtiger Bestandteil der Berufsausbildung und ist ein wichtiger Eckpfeiler für die Gewinnung von qualifizierten Fach- und Nachwuchskräften“, sagte Biercher. Bei jungen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern gewinne sie zudem wieder an Attraktivität.

Auch für Mecklenburg-Vorpommern erwartet die Bundesagentur nicht, dass 2026 außergewöhnlich viele Ausbildungsstellen frei bleiben. Die Regionaldirektion geht sogar davon aus, dass am Ende weniger Stellen unbesetzt bleiben werden als im vergangenen Ausbildungsjahr.

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