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Leere Ausbildungsplätze: MV-Jugend erfüllt die Ansprüche nicht

Дата публикации: 21-08-2026 08:29:15

Viele Betriebe in MV suchen verzweifelt nach Lehrlingen. Doch Bewerbungen bleiben aus – und die wenigen Bewerber erfüllen oft nicht die Erwartungen.

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Der Vertrag ist gedruckt, der Arbeitsplatz frei. Der Ausbilder hat sich den Montag freigehalten, an dem alles losgehen sollte. Gekommen ist niemand. So sieht der Ausbildungsstart in Mecklenburg-Vorpommern gerade in vielen Firmen aus. Mehr als jedes zweite befragte Unternehmen bekam im vergangenen Lehrjahr weniger als die Hälfte seiner Plätze voll. Für dieses Jahr sieht es bisher nicht besser aus. 

Ausbildungs-Flaute in MV: Fast die Hälfte der Betriebe bekommt nicht eine Bewerbung

Der Nordosten hat ein Problem, das mit Schulnoten nichts zu tun hat: Fast jeder zweite Betrieb mit offenen Lehrstellen bekam im Lehrjahr 2025/26 nicht eine einzige Bewerbung. Schuld sind aus Sicht der Ausbilder die Bewerber. Am härtesten trifft es den östlichen Landesteil. In Neubrandenburg meldeten nur 43 Prozent der Betriebe, dass sie einen kompletten Jahrgang vollbekommen haben. In Schwerin waren es 46 Prozent, in Rostock 52.

Die Zahlen stammen aus zwei Umfragen der Industrie- und Handelskammern in Schwerin, Neubrandenburg und Rostock, über die der Nordkurier berichtet.

Vor einigen Jahren war es als Jugendlicher noch schwer, sich durchzusetzen und einen Platz in seinem gewünschten Betrieb zu ergattern.

Vor einigen Jahren war es als Jugendlicher noch schwer, sich durchzusetzen und einen Platz in seinem gewünschten Betrieb zu ergattern.Norbert Fellechner

Von den Neubrandenburger Betrieben, die Plätze frei lassen mussten, bekamen 48 Prozent keine einzige Bewerbung, kein Anschreiben, kein Lebenslauf – nichts! Bundesweit klagen darüber nur 24 Prozent. Weitere 48 Prozent im Nordosten erhielten Bewerbungen, mit denen sie nichts anfangen konnten. Damit fallen hier zwei Probleme zusammen, die nicht dasselbe sind. Es kommen zu wenige. Und wer kommt, passt oft nicht. Für die eine Hälfte dieser Firmen war es also kein Auswahlproblem, sondern ein Mangelproblem.

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Betriebe geben Bewerbern die Schuld

Nach den Gründen gefragt, antworten die Ausbilder trotzdem eindeutig. Fehlende Ausbildungsreife nennen 95 Prozent der Unternehmen in Schwerin als großes Problem, 94 Prozent in Neubrandenburg, fast 90 Prozent in Rostock. Und die Mängelliste ist lang: Lücken beim Rechnen, zu wenig Zuverlässigkeit, zu wenig Disziplin, zu wenig Biss. Im Osten des Landes vermissen die Firmen zusätzlich wirtschaftliches Grundwissen und finden, dass sich viele Bewerber schlecht ausdrücken.

Man könnte meinen, das sei gemessen. Ist es nicht. Es ist das Urteil von Ausbildern über die Bewerber, die sich bei ihnen gemeldet haben, abgegeben in einer Umfrage ihrer eigenen Kammer. Über die, die sich gar nicht erst gemeldet haben, können die Betriebe nichts sagen.

In Mecklenburg-Vorpommern blieb im vergangenen Lehrjahr mehr als jeder zweite Ausbildungsplatz unbesetzt.

In Mecklenburg-Vorpommern blieb im vergangenen Lehrjahr mehr als jeder zweite Ausbildungsplatz unbesetzt.Michael Bihlmayer/IMAGO

Immerhin: Aufgegeben haben die Betriebe nicht. Alle drei Industrie- und Handelskammern berichten, dass viele Firmen auch Jugendlichen mit Schwächen eine Chance geben. In Westmecklenburg tun 46 Prozent das nach Angaben der IHK Schwerin ohne einen Euro aus öffentlichen Töpfen. Etwa 30 Prozent organisieren dort Nachhilfe im eigenen Haus oder holen Bewerber über eine Einstiegsqualifizierung an Bord.

Von Schule und Politik verlangen die Kammern mehr. Die IHK Neubrandenburg fordert Abschlüsse, die aussagekräftiger und untereinander vergleichbar sind, verlässliche Grundkompetenzen und eine Berufsorientierung, die deutlich näher an der Praxis liegt.

Wenn der Fahrplan die Ausbildung erschwert

Rund 29 Prozent der Lehrlinge im Bezirk Neubrandenburg sitzen für eine einfache Strecke mindestens eine Stunde in Bus oder Bahn, bevor sie in der Berufsschule ankommen. Bei etwa 14 Prozent sind es anderthalb Stunden und mehr. Zum Ausbildungsbetrieb brauchen dagegen nur rund acht Prozent so lange. Weit weg ist also nicht die Arbeit, sondern die Schule. „Die jungen Menschen zeigen eine erhebliche Mobilitätsbereitschaft. Diese Bereitschaft darf aber nicht zum finanziellen Risiko werden“, sagt Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg, laut Nordkurier.

Rund 29 Prozent der Azubis im Bezirk Neubrandenburg brauchen mindestens eine Stunde bis zur Berufsschule.

Rund 29 Prozent der Azubis im Bezirk Neubrandenburg brauchen mindestens eine Stunde bis zur Berufsschule.IMAGO

Die Rostocker Kammer verlangt deshalb, Fahrten und Unterkunft gerecht zu finanzieren. Die Zuschüsse sollen fließen, egal wie hoch die Vergütung im Betrieb ausfällt, und kein Azubi soll über längere Zeit selbst vorstrecken. Auch bei Zimmern und Wohnungen wünschen sich die Firmen im ganzen Land Vermittlungsprogramme. Über die eigene Ausbildungsvergütung steht in den veröffentlichten Ergebnissen nichts.

Und die Jugend, die angeblich nicht kann und nicht will?

Wer einen Platz gefunden hat, ist überwiegend zufrieden. 82 bis 84 Prozent der befragten Lehrlinge würden ihren Betrieb weiterempfehlen. Gelobt werden das Klima im Haus, die Betreuung während der Ausbildung und die Aussicht, danach übernommen zu werden. Dieselbe Umfrage, dasselbe Bundesland, ein völlig anderes Bild.

Ausbildung statt Hörsaal: Der überraschende Trend bei jungen Leuten

Fair bleibt: Die Betriebe erfinden ihre Not nicht. Wer keine Bewerbung im Postfach hat, hat keine. Nur sind diese Umfragen kein neutrales Gutachten. Sie sind die Sicht der Arbeitgeberseite, erhoben von deren eigener Interessenvertretung. Schulen, Lehrkräfte und vor allem die Jugendlichen ohne Vertrag kommen darin nicht zu Wort.

Der Jahrgang 2026/27 ist noch offen. Wer jetzt einen Vertrag will, hat im Nordosten nach dieser Datenlage also ungewohnt gute Chancen.

Wie ist Ihre Meinung? Wie nehmen Sie das Ausbildungsklima wahr? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.

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