Der offene Immobilienfonds Leading Cities Invest wird endgültig geschlossen. Solche Abwicklungen gab es zuletzt in der Finanzkrise 2008. Was das für Anleger bedeutet.
Paukenschlag bei offenen Immobilienfonds: Nachdem es schon lange Probleme gab, hat nun die Kapitalverwaltungsgesellschaft beschlossen, die Verwaltung des Fonds Leading Cities Invest zu kündigen. Am 26. Juni 2026 gab sie bekannt, den Fonds aufzulösen. Seit der Finanzkrise 2008 ist es der erste offene Immobilienfonds, der diesen Schritt geht.
Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das, dass sämtliche Anteilsrückgaben und Anteilsausgaben seit Montag, den 29. Juni 2026, nicht mehr ausgeführt werden. Wichtig: Auch bereits eingereichte Kündigungen von Anteilen werden nicht mehr ausgeführt.
Bei einer Leserumfrage im vergangenen Jahr hatten mehrere Leserinnen und Leser berichtet, dass ihnen dieser Fonds in der Vergangenheit bei Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenbanken verkauft wurde.
Anleger brauchen GeduldDie Auszahlung der Anlegerinnen und Anleger erfolgt nur noch im Rahmen der geordneten Auflösung des Fonds. Das heißt, die Kapitalverwaltungsgesellschaft wird nun nach und nach die Immobilien des Fonds verkaufen. Die Gesellschaft teilt mit, dies werde „voraussichtlich mehrere Jahre“ dauern und erfolge in enger Abstimmung mit der Finanzaufsicht Bafin.
Viele Immobilien sind bereits weg. Seit 2022 seien rund 70 Prozent der ursprünglich „mehr als 40“ Immobilien des Fonds veräußert worden, um Anteilsrücknahmen der Kunden bedienen zu können. Aktuell gebe es noch zwölf Immobilien in fünf Ländern mit einem Immobilienvermögen von rund 350 Millionen Euro.
Da der Wert der Fondsanteile schon zuletzt immer weiter reduziert wurde, werden die meisten Anlegerinnen und Anleger vermutlich Verluste erleiden.
Börsenverkauf nicht für alle eine AlternativeAnlegerinnen und Anleger, die nicht so lange auf ihr Geld warten wollen, können versuchen, ihre Fondsanteile über die Börse zu verkaufen. Das ist schon bei normal laufenden offenen Immobilienfonds nur mit deutlichen Abschlägen gegenüber dem offiziellen Anteilswert möglich. Wer einen Käufer für seine Leading-Cities-Anteile finden will, muss daher mit massiven Einbußen gegenüber dem letzten offiziellen Anteilswert rechnen. Finanziell kann es lohnender sein, auf die Auszahlungen aus den Immobilienverkäufen zu warten.
Die Fondsgesellschaft hat bekannt gegeben, dass Anleger, die ihre Fondsanteile bereits gekündigt haben, ihre Anteile nicht über die Börse verkaufen können. Ihre Anteile würden in den Depots mit einem Sperrvermerk gehalten, der einen Börsenverkauf verhindert. Laut Anbieter überprüft die Finanzaufsicht Bafin zurzeit die Rechtslage und ihre Verwaltungspraxis in diesem Punkt.
Zinsanstieg und Anteilsrückgaben als GrundAls Gründe für die Entscheidung nennt das Fondsmanagement die Folgen des Zinsanstiegs. „Höhere Finanzierungskosten, rückläufige Transaktionsvolumina und anhaltende Mittelrückgaben“ hätten den Leading Cities Invest belastet.
Immer wieder musste der Fonds in den vergangenen Jahren den Wert seiner Fondsanteile reduzieren. Im November 2023 lag der Kurs noch bei 102,20 Euro, zuletzt bei 57,06 Euro – ein Rückgang von 44 Prozent.
Ein Teufelskreis: Sinkt der Fondswert, werden weitere Anlegerinnen und Anleger aufgeschreckt, die ihre Anteile loswerden wollen. Das führt dazu, dass in schwierigem Marktumfeld Immobilien verkauft werden müssen, um die Rückgabewünsche zu finanzieren. Um diesen Mechanismus zu durchbrechen, hatten zuletzt auch die offenen Immobilienfonds Wertgrund Wohnselect D und Fokus Wohnen Deutschland und der UBS Euroinvest Immobilien die Anteilsrückgabe ausgesetzt.
Dahinter steht ein grundsätzliches Konstruktionsproblem: Die Vermögenswerte im Fonds (hier Immobilien) sind deutlich weniger gut handelbar als das Produkt selbst. In ruhigen Marktphasen fällt das kaum auf. Gerät der Markt aber in Turbulenzen, können sich die Schwächen dieses Konstrukts schnell und schmerzhaft zeigen. Mehr zu den Gefahren des Liquiditätsrisikos beschreiben wir im Artikel Wenn Anleger ihre Geldanlage nicht mehr loswerden.
Die Stiftung Warentest hatte den Leading Cities 2025 genauer analysiert, weil Anleger im Jahr 2023 besonders viele Anteile gekündigt hatten und der Fonds 2024 daher viele Immobilien verkauft hatte. Dabei fiel uns auf, dass die Immobilien, die der Fonds verkaufte, stärker gegenüber dem Vorjahr abgewertet worden waren als solche, die der Fonds behielt. Wir ermittelten beim Leading Cities ein Minus von 12,2 Prozent für den Bestand Ende 2024. Bei den Verkäufen war der prozentuale Abschlag mehr als doppelt so hoch. Unsere Fragen dazu, etwa ob gerade nicht so gefragte Objekte verkauft worden waren, beantwortete Kanam damals nicht. Der Fonds war weniger transparent als andere. Seit dem Rechenschaftsbericht 2021 nannte er keine Kauf- und Verkaufspreise mehr.
Neue Rückgaberegeln seit AprilDer Gesetzgeber war den Fondsgesellschaften zuletzt noch entgegengekommen. Seit 16. April dürfen offene Immobilienfonds Rückgaben von Fondsanteilen zeitlich strecken oder verteuern, wenn viele Anlegende aussteigen. Der Leading Cities von KanAm aktivierte die Gebühren am 16. April, es half aber wohl nicht mehr.
Immobilienfonds sind keine sichere AnlageEine Leserumfrage vor einem Jahr für unseren Artikel Geringe Renditen, hohe Risiken hatte gezeigt, dass viele Banken und Berater ihren Kunden offene Immobilienfonds als sichere Geldanlage verkauften – oft sogar an Menschen, die Verlustrisiken ausschließen wollten. Die aktuelle Entwicklung zeigt: Offene Immobilienfonds sind riskant und eignen sich nicht als Sicherheitsbaustein für das Depot. Die Stiftung Warentest rät in der aktuellen Situation von neuen Investitionen in offene Immobilienfonds ab.
Tipp: Sichere Geldanlagen ohne Verlustrisiko und mit guter Verzinsung finden Sie in unserem Tagesgeld-Vergleich oder unserem Festgeld-Vergleich.
Leseraufruf für Besitzer von offenen ImmobilienfondsHaben Sie den Leading Cities Invest oder einen anderen offenen Immobilienfonds im Depot? Uns würde Ihre Erfahrung interessieren: Wo haben Sie den Fonds gekauft? Wurden Sie dazu beraten? Mit welchen Argumenten wurde der Fonds empfohlen? Schreiben Sie uns an: immofonds@stiftung-warentest.de