Inflationsgeschützte Anleihen sollen dafür sorgen, dass man nach Abzug der Inflation kein Geld verliert. Doch funktioniert der Schutz für Anleger wirklich?
Die jüngsten Inflationszahlen aus den USA von 3,3 Prozent (Stand April 2026) lassen durchblicken, dass der Inflationsdruck in den Staaten zunimmt – und auch die aktuelle Inflationsrate im Euroraum ist mit 2,5 Prozent wegen der gestiegenen Energiepreise ebenfalls merklich höher als noch zu Jahresanfang.
Die Frage, die sich für Anlegerinnen und Anleger mittelfristig stellen wird: Können die Zinsen für Tagesgeld, Festgeld und Euro-Anleihen mit der Inflationsrate mithalten, wenn letztere weiter steigen sollte? Tendenziell eher nicht, denn: Die realen Zinsen, die in etwa den nominalen Zinsen abzüglich der weiter steigenden Inflation entsprechen, sind negativ.
Wer in dieser Lage einen Ausweg sucht – also positive reale Rendite –, begegnet sogenannten inflationsindexierten Anleihen.
Rückzahlung und Zins an Preissteigerung gekoppeltBei diesen Inflationsanleihen sind Zinskupon und Rückzahlungswert an die Entwicklung der Inflation gekoppelt. Steigt die Inflation, steigen auch der Zins und der Rückzahlungswert. Meist werden diese Anleihen von Staaten begeben, auch aus Deutschland gibt es welche.
Uns fragen Leserinnen und Leser immer wieder, ob diese Inflationsanleihen oder ETF darauf für sie geeignet sind. Auch war in der Vergangenheit oft unklar, warum die ETF-Wertentwicklung auf indexierte Anleihen nicht positiv ist, wenn die Inflationsraten so hoch waren wie etwa im Jahr 2022.
Daher fassen wir die Besonderheiten von inflationsgeschützten Anleihen und den entsprechenden ETF zusammen. Darüber hinaus zeigen wir, worauf man bei der Berechnung des Realzinses achten sollte. Denn die Realzinsen sind das, was nach Abzug der Inflation übrig bleibt.
Der deutsche Markt für indexierte AnleihenSeit 2024 emittiert Deutschland keine neuen Inflationsanleihen. Aus der Bundesrepublik gibt es aktuell drei inflationsgeschützte Anleihen mit ursprünglichen Anfangslaufzeiten von zehn oder 30 Jahren. Da sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgelegt wurden, haben sie unterschiedliche Restlaufzeiten. Die Fälligkeiten der Papiere verteilen sich wie folgt:
Bei klassischen Anleihen ist der nominale Kupon und Rückzahlungsbetrag fixiert. Bei indexierten Anleihen wird der Kupon und der Rückzahlungsbetrag an einen Inflationsindex gekoppelt und ändert sich im Zeitverlauf. Bei den deutschen Inflationsanleihen wird der unangepasste Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) des Euroraums (Gesamtindex ohne Tabak) zugrunde gelegt.
Die deutschen Inflationsanleihen können Privatanleger über die Börse kaufen. Dabei können zusätzliche Gebühren entstehen. Grundsätzlich gibt es keine Mindest- oder Höchstgrenzen beim Handel.
Was Anleger bei Einzelanleihen beachten müssenDer große Unterschied zwischen klassischen Anleihen und indexierten Anleihen:
Das bedeutet:
Fazit: Mit einer indexierten Anleihe schützen sich Anleger also vor Inflationssprüngen. Das bedeutet aber nicht, dass man garantiert eine positive Realrendite erhält.
Die reale Rendite ist nur festgezurrt, wenn man die Anleihe bis zum Schluss hält. Sollte man vorzeitig die Anleihe verkaufen, kann die reale Rendite über die Haltedauer anders ausfallen - je nachdem, wie stark der Kurs der indexierten Anleihe gefallen oder gestiegen ist.
ETF auf inflationsgeschützte AnleihenStatt auf einzelne Anleihen zu setzen, können Privatanleger auch ETF kaufen, die die indexierten Anleihen bündeln. Wegen des Wechselkursrisikos empfehlen wir keine ETF auf Anleihen in ausländischer Währung. Infrage kommen ETF auf inflationsgeschützte Euro-Anleihen.
Wer einen Anleihen-ETF kauft, muss sich nicht um die Wiederanlage von Kupons oder Rückzahlbeträgen kümmern. Ein ETF erledigt das alles für den Anleger.
Die Wertentwicklung der Anleihenindizes und der ETF spiegelt die durchschnittliche börsentägliche Kursbewertung der einzelnen Anleihen wider.
Der folgende Chart zeigt die nominale Wertentwicklung zweier breit gestreuter Anleihen-Indizes. Einer enthält klassische, nominale Euro-Staatsanleihen, der andere inflationsgeschützte Euro-Staatsanleihen. In etwa so liefen auch die entsprechenden ETF.
Die dargestellte historische Wertentwicklung ist nominal, also vor Abzug der Inflation. Für Anleihen gilt, dass der Zusammenhang zwischen Kursentwicklung und Zinsentwicklung invers ist. Fallen die Zinsen, steigen also die Kurse – und umgekehrt.
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Im folgenden Chart werfen wir einen Blick auf die den Anleihenindizes zugrunde liegenden Zinsen beziehungsweise Endfälligkeitsrenditen.
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Die Grafik zeigt im Kern drei Dinge: Nominale Euro-Staatsanleihen lagen über den dargestellten Zeitraum über den realen Zinsen, und die Break-even-Inflationsrate bewegte sich dazwischen.
Inflationsgeschützte Anleihen lohnen sich vor allem, wenn die später realisierte Inflation über der Break-even-Inflationsrate liegt. Wenn die tatsächliche Inflation drunter bleibt, waren nominale Anleihen im Nachhinein meist besser. Das ist also eine Wette auf höhere Inflation als der Markt aktuell erwartet.
Haben sich inflationsgeschützte Anleihen also gelohnt? Ja, vor allem in Perioden, in denen die Inflation überraschend kräftig angestiegen ist und die Break-even-Rate zu niedrig war. Besonders relevant waren die Jahre 2021 bis 2023, als die Inflation im Euroraum stark anzog und viele Marktpreise den Anstieg anfangs nicht vollständig eingepreist hatten. In solchen Phasen konnte der Inflationsschutz die nominalen Anleihen übertreffen.
Fazit: Inflationsgeschützte Anleihen sind also sinnvoll, wenn man einen Inflationsschock erwartet und der Markt diesen Schock nicht erwartet. Je besser der Zeitraum mit überraschend hoher Inflation und die Laufzeit der Inflationsanleihe übereinstimmen, desto besser schützt sie. ETF auf Inflationsanleihen und somit ohne festes Enddatum eignen sich am besten für konservative Anleger, die langfristig und noch sicherer als mit normalen Staatsanleihen anlegen möchten. Mit ETF auf Inflationsanleihen schließen Anleger langfristig Inflationsrisiken aus. Sie erhalten dafür in der Regel aber eine niedrigere Rendite als mit normalen Anleihen-ETF.
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