Es gibt zu wenige Sozialwohnungen, vielerorts steigen die Mieten: Ein Ökonom fordert, dass Nordrhein-Westfalen neue Wohnungsbaugesellschaften gründet.
In Großstädten wie Düsseldorf gibt es zu wenig bezahlbare Wohnungen.
Foto: Marcel Kusch/dpa/Marcel KuschKolumne | Düsseldorf · Es gibt zu wenige Sozialwohnungen, vielerorts steigen die Mieten: Ein Ökonom fordert, dass Nordrhein-Westfalen neue Wohnungsbaugesellschaften gründet.
Eine Wohnung oder ein Haus sind mehr als nur ein Platz zum Schlafen. Sie sind Rückzugsort und bestimmen unsere Lebensqualität. Doch die Mieten in den städtischen Ballungsräumen steigen unaufhaltsam an und machen das Leben für viele unbezahlbar. Die Wohnungsfrage ist eine der zentralen Fragen unserer Zeit.
Um das Problem zu lösen, müssen mehr Wohnungen mit Mietpreisbindung gebaut werden – sogenannte Sozialwohnungen. Das ist kein Randthema. In vielen Städten hätten rund die Hälfte der Familien ein Anrecht auf eine öffentlich geförderte Wohnung, aber das Angebot deckt nur einen Bruchteil davon ab. Was ist zu tun? Einige Ökonomen meinen, der Markt würde das schon regeln – aber das ist eine Illusion. Private Immobilienunternehmen haben kein Interesse am sozialen Wohnungsbau. Oberstes Ziel ist die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital, und mit dem Bau von Sozialwohnungen können keine hohen Renditen erzielt werden. Wer sich hier auf den Markt verlässt, der ist verlassen.
Deshalb braucht jede Stadt eine öffentliche Wohnungsbaugesellschaft. Hamburg hat eine solche Gesellschaft – die Saga Unternehmensgruppe – und der soziale Wohnungsbau funktioniert dort wirklich sehr gut. In Nordrhein-Westfalen hingegen gibt es Defizite. Einige Städte haben keine kommunale Wohnungsbaugesellschaft, und andere haben eine mit strukturellen Problemen.
Die Landesregierung in Düsseldorf könnte helfen. Sie kann zum Beispiel eine neue Wohnungsbaugesellschaft gründen, die dort den sozialen Wohnungsbau übernehmen würde, wo es kein kommunales Unternehmen gibt. Darüber hinaus kann das Land eine öffentliche Beteiligungsgesellschaft etablieren, die die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften mit Eigenkapital unterstützt. Etwas muss jetzt geschehen, denn für immer mehr Menschen wird die Wohnungsfrage zu einer existenziellen Frage.
Unser Autor ist Professor für Makroökonomik an der Universität Mannheim und Mitglied der Mindestlohnkommission. Er wechselt sich hier mit der Ökonomin Ulrike Neyer, dem Wettbewerbsökonomen Justus Haucap und dem Energieökonomen Manuel Frondel ab.