Debakel, Desaster, Alarmstufe Rot – das 0:7 der SGE bei der Generalprobe vor dem Auftakt im Pokal hat das Team um Neu-Trainer Adi Hütter in Aufruhr versetzt. Wenige Tage vor dem Spiel in Krefeld scheint bislang noch wenig zusammenzupassen.
Robin Koch von Eintracht Frankfurt ist am Ball beim Mannschaftstraining mit dem neuen Trainer Adi Hütter (l) und Younes Ebnoutalib (r).
Foto: Florian Wiegand/dpa/Florian WiegandDüsseldorf · Debakel, Desaster, Alarmstufe Rot – das 0:7 der SGE bei der Generalprobe vor dem Auftakt im Pokal hat das Team um Neu-Trainer Adi Hütter in Aufruhr versetzt. Wenige Tage vor dem Spiel in Krefeld scheint bislang noch wenig zusammenzupassen.
Selbst die Social-Media-Abteilung von Eintracht Frankfurt hatte genug gesehen. „Puuh. Schluss“, postete der Fußball-Bundesligist, als es endlich vorbei war. Mit 0:7 (0:3) kamen die Hessen bei ihrer Generalprobe wenige Tage vor dem Pflichtspielauftakt unter die Räder. Die herbe Pleite am Samstag beim englischen Premier-League-Klub FC Brentford und die ganz schwache Verfassung der Schützlinge von Trainer-Rückkehrer Adi Hütter versetzten die Bankenmetropole in Aufruhr.
Die Frankfurter Rundschau schrieb von einem „Debakel“ sowie einer „Tracht Prügel“ und rief die „Alarmstufe Rot“ aus. Sportvorstand Markus Krösche habe mit Blick auf den Kader „seine Hausaufgaben nicht ausreichend gut gemacht“ und müsse handeln. Der Hessische Rundfunk berichtete von einer „krachenden Bruchlandung“ zum Abschluss der Vorbereitung, bei der die Eintracht ein „desaströses Bild“ abgegeben habe.
Erneut kein fertiger Kader zum Saisonstart
Dabei soll Hütter nach der verpatzten vergangenen Saison mit zwei verschlissenen Trainern und der erstmals seit sechs Jahren verpassten Europacup-Teilnahme in seiner zweiten Amtszeit am Main eigentlich alles wieder zum Guten wenden. Doch kurz vor der Partie in der ersten Runde des DFB-Pokals am Freitag beim Fünftligisten SC St. Tönis stapeln sich die Probleme.
Der größte Dorn im Auge der Fans: Mal wieder ist es der Eintracht nicht gelungen, mit einem fertigen und runden Kader in die Saison zu starten. Vor allem die ausbleibenden Abgänge sorgen für Unmut. Hütter selbst forderte die Verkleinerung der Mannschaft ein, doch zu viele Spieler verdienen bei den Frankfurtern gutes Geld und wollen nicht einfach so auf Gehalt verzichten, wenn sie zu einem vermeintlich kleineren Verein wechseln. Das sorgt dafür, dass einige Spieler der Eintracht quasi aussortiert sind – zum Beispiel Ellyes Skhiri oder Elye Wahi. Da sie aber bislang noch keinen neuen Verein gefunden haben, gibt es auch weniger Budget für neue Profis.
Die sind dringend nötig – und das in eigentlich fast allen Mannschaftsteilen. Zwar konnte man im defensiven Mittelfeld eine seit Jahren offene Stelle schließen und verpflichtete gleich zwei Akteure mit Raphael Onyedika (Club Brügge) und Noël Aséko (FC Bayern) für insgesamt über 20 Millionen Euro. Andererseits verlor man mit Nathaniel Brown, Aurèle Amenda und Rasmus Kritensen aber auch drei Stammspieler der Abwehr – anscheinend zulasten der ohnehin fragilen defensiven Stabilität. Mit dem formschwachen und nun verletzten Robin Koch und dem quasi aussortierten Arthur Theate steht die SGE zum Auftakt mehr oder weniger ohne Verteidigung da.
Chancen auf eine Pokal-Sensation stehen nicht schlecht
Die Probleme hören auch eine Position dahinter noch nicht auf. Die Torwart-Frage war bereits während der gesamten Spielzeit 2025/26 ein Dauerthema bei der Eintracht. Eigentlich sollte dem talentierten (und fehleranfälligen) Kauã Santos das Vertrauen ausgesprochen werden. Doch nach einem erneut großen Patzer beim Brentford-Debakel schaut man sich nun wohl doch noch einmal nach einer neuen Nummer eins um. Denn auch dem Ersatzkeeper Michael Zetterer scheint man die Rolle als erstem Schlussmann nicht zuzutrauen. Es ist gut möglich, dass die Frankfurter ihr Torhüter-Duo bis zum Ende der Transferphase noch abgeben und zwei neue Keeper holen.
Auch offensiv läuft es noch nicht. Can Uzun ist der einzige Spieler, der verlässlich für kreative Momente sorgen kann. Ritsu Doan ist noch nicht in Frankfurt angekommen, Ayoube Amaimouni-Echghouyab weilte lange im wohlverdienten WM-Urlaub und das Sturm-Duo aus Jonathan Burkardt und Younes Ebnoutalib hat im neuen System mit Doppelspitze noch lange nicht zueinandergefunden.
In der fehlenden Abstimmung im Team des Favoriten lauert die große Außenseiterchance des St. Tönis im Erstrunden-Duell des DFB-Pokals am Freitag. Dem Europa-Legaue-Sieger von 2022 fehlt es nach einer schwachen Vorsaison und einer verpatzten Generalprobe an Selbstvertrauen. Eingespielt hat sich bei der Eintracht noch nichts, Hütter möchte auch sein neues 4-4-2-System durchdrücken. St. Tönis kann also durchaus versuchen, munter drauf los zu spielen.
Die Gefahr, von den Frankfurtern überrannt zu werden, besteht in der aktuellen Situation kaum. Vielmehr könnte ein früher Nackenschlag für die SGE durch einen Rückstand für noch mehr Verunsicherung und Panik sorgen. Selten waren die Chancen für einen Fünftligisten in der jüngeren Vergangenheit so gut, die Adlerträger zu schlagen. Es wartet noch viel Arbeit auf Krösche und seine Eintracht. Bei einem Patzer im Pokal dürfte der Druck noch größer werden – und die Aufgabenliste immer länger.
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