Der Überfall auf den Menschenrechtler und Umweltschützer Rubén Irala muss aufgeklärt werden.
Guairá und Caazapá sind Departamentos im zentralen Osten Paraguays. Rubén Irala Galeano ist Umweltingenieur und als Koordinator des Sozialdienstes sowie als Sekretär des Wirtschaftsrats der Diözese Guairá der katholischen Kirche tätig. Der Sozialdienst der Diözese Guairá spielt eine aktive Rolle bei der Lösung sozio-ökologischer Konflikte in der Region und hat sich bereits wiederholt erfolgreich für die Rechte betroffener Gemeinschaften stark gemacht.
Rubén Iralas Organisation arbeitet derzeit an der Lösung eines Territorialkonflikts auf einem 1.500 Hektar großen Grundstück der Kirche, das von einer Gemeinschaft des indigenen Volkes der Mbya Guaraní, von Bauernfamilien und Agrarunternehmen besetzt wurde. Unter der Leitung von Rubén Irala arbeitet der Sozialdienst der Diözese Guairá daran, der indigenen Gemeinschaft 80 Hektar Land und den Bauernfamilien 230 Hektar Land als Schenkung zu überlassen und so ihre Rechte an dem Land offiziell zu sichern. Es wurde jedoch keine Vereinbarung mit der Agrarindustrie erzielt. Genau an dem Ort, der von Agrarunternehmen bewirtschaftet wird, wurde Rubén Irala angegriffen.
Der Sozialdienst der Diözese Guairá hat zudem die ökologischen und gesundheitlichen Folgen des illegalen Goldabbaus im Bezirk Paso Yobái angeprangert – im gleichen Bezirk, in dem der Umweltaktivist Vidal Brítez 2025 wegen seines Engagements gegen die Umweltverschmutzung durch Bergbauaktivitäten strafrechtlich verfolgt wurde. Im April 2025 führte der Sozialdienst der Diözese Guairá unter der Leitung von Rubén Irala in Zusammenarbeit mit der Katholischen und der Nationalen Universität von Asunción eine Untersuchung zur Verschmutzung durch Quecksilber und Cyanid durch. Das Bergbauunternehmen LAMPA S.A. prangerte dies umgehend als "Desinformations- und Verleumdungskampagne" an und schickte Rubén Irala die notarielle Androhung einer Strafanzeige wegen Verleumdung.
Am 24. April 2026 sollte der Sozialdienst der Diözese Guairá planmäßig mit dem zweiten Teil der Studie beginnen, dessen Schwerpunkt die gesundheitlichen Auswirkungen der Umweltverschmutzung war. Rubén Irala berichtete Amnesty International, dass er im Februar 2026 eine Drohung erhalten habe, diese zweite Studie nicht durchzuführen, vermutlich von einer Person mit Verbindungen zur Bergbauindustrie. Nach dem Angriff auf Rubén Irala wurde die Studie ausgesetzt.
Die paraguayischen Behörden haben einen Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Angriff festgenommen, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet, und fahnden nach einem weiteren Verdächtigen. Amnesty International äußert sich jedoch besorgt angesichts von Anzeichen, dass die Ermittlungen auf einen gewöhnlichen Raubüberfall reduziert werden könnten, ohne den möglichen Zusammenhang mit Rubén Iralas Aktivitäten zur Verteidigung der Menschenrechte oder die früheren Drohungen, die er erhalten hat, zu berücksichtigen. Rubén Irala steht derzeit unter dem Schutz der örtlichen Polizei, doch kann dieser Schutz jederzeit einseitig aufgehoben werden, da es in Paraguay kein Schutzsystem für Menschenrechtler*innen gibt.
Paraguay muss ein sicheres und förderliches Umfeld für Menschenrechtsverteidiger*innen gewährleisten, um Angriffe auf sie zu verhindern, sie zu schützen, wenn sie in Gefahr sind, und sicherzustellen, dass alle Angriffe unverzüglich, gründlich, unabhängig und unparteiisch untersucht werden. Dazu gehört auch eine Prüfung, ob die Angriffe mit ihrer Menschenrechtsarbeit in Zusammenhang stehen. Amnesty International hat dokumentiert, dass Menschenrechtler*innen, die sich in Paraguay für Fragen des Zugangs zu Land sowie für die Rechte auf Land und Umwelt einsetzen, ihre Aktivitäten weiterhin unter feindseligen Bedingungen ausüben müssen und wegen ihrer Arbeit einem hohen Risiko ausgesetzt sind.
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