Anwohner fürchten, dass Autofahrer durch Wohnstraßen ausweichen. Für viereinhalb Jahre wird es im Südwesten nervig. Baubeginn noch in diesem Herbst geplant.
Auf Autofahrer, Anwohner und Pendler im Berliner Südwesten kommt eine echte Nervenprobe zu. Der Teltower Damm in Zehlendorf soll ab Ende August zur Großbaustelle werden. Das Besondere: Die Arbeiten dauern nicht ein paar Monate, sondern voraussichtlich rund viereinhalb Jahre. Nach aktuellem Stand sollen die Bauarbeiten erst im April 2031 abgeschlossen sein.
Große Umwege für AutofahrerSchon jetzt wächst der Unmut im Kiez. Viele Anwohner befürchten nach den Erfahrungen mit anderen Großbaustellen jahrelange Verkehrsprobleme und zusätzliche Belastungen für das Wohngebiet.
Besonders betroffen sind Autofahrer. Wer stadteinwärts Richtung Zehlendorf-Mitte unterwegs ist, kann den Bereich zwar weiterhin passieren. Der Verkehr soll während der gesamten Bauzeit einspurig an den Baustellen vorbeigeführt werden.
Deutlich schwieriger wird es dagegen für alle, die Richtung Teltow fahren. Dort wird der Teltower Damm abschnittsweise gesperrt. Autofahrer müssen großräumige Umleitungen in Kauf nehmen. Nach den bisherigen Planungen führt die Strecke über Mühlenstraße, Seehofstraße, Dahlemer Weg und Goerzallee. Je nach Ziel verlängert sich der Weg um mehrere Kilometer.

Auch entlang der Landsberger Allee gibt es mehrere Baustellen der Wasserbetriebe.Lauryn Zoe Hinsch/Berliner KURIER
Auch die BVG muss ausweichen. Busse werden über Leo-Baeck-Straße, Leuchtenburgstraße und Nieritzweg umgeleitet. In späteren Bauphasen soll zusätzlich die Andréezeile genutzt werden. Teilweise werden die betroffenen Nebenstraßen zu Einbahnstraßen.
Hinter der Baustelle steckt ein MammutprojektGrund für die jahrelangen Arbeiten ist die Erneuerung wichtiger Wasserleitungen unter dem Teltower Damm. Die Berliner Wasserbetriebe wollen auf fast zwei Kilometern Länge große Teile des Leitungsnetzes austauschen.
Geplant sind zwei jeweils einen Meter dicke Abwasserdruckleitungen mit einer Gesamtlänge von 3800 Metern. Hinzu kommen rund 820 Meter Trinkwasserleitungen, ein 250 Meter langer Regenwasserkanal sowie der Austausch eines zentralen Schaltpunkts im Wassernetz.
Parallel dazu verlegt die Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg auf 240 Metern eine Gasleitung.
Der Baustellenbereich reicht vom Alten Friedhof Schönow auf Höhe der Andréezeile bis zur Leo-Baeck-Straße.
Die lange Bauzeit sorgt für Kritik. Die neu gegründete Bürgerinitiative „Gemeinsam Handeln“ hält den Zeitplan für völlig überzogen.
In einer Stellungnahme heißt es: „Skandalös ist insbesondere der angesetzte Zeitrahmen: 4,5 Jahre Bauzeit!“
Auch im Bezirksparlament stößt die Planung laut Tagesspiegel auf Widerstand. Kurz vor Ende der Legislaturperiode verabschiedete die Bezirksverordnetenversammlung auf Initiative der FDP mit großer Mehrheit den Antrag „Keine neue Horrorbaustelle“. Darin wird eine grundlegende Überarbeitung des Konzepts gefordert.
Viele Anwohner fürchten, dass der Teltower Damm nach den jahrelangen Einschränkungen am Hindenburgdamm zum nächsten Dauer-Ärgernis im Berliner Südwesten wird.
Wasserbetriebe verteidigen ihre Pläne
Die Berliner Wasserbetriebe weisen die Kritik zurück. Sprecher Stephan Natz verwies gegenüber dem Tagesspiegel auf die Größe des Projekts.
„Wir haben das Vorhaben in sechs Bauabschnitte zerlegt, in denen es je Abschnitt auch noch wechselnde Verkehrsphasen (rechte Seite, linke Seite) gibt. Das machen wir, um die Auswirkungen für die jeweiligen Anwohner, für Gewerbetreibende, für den ÖPNV und den Individualverkehr auf das Nötigste zu beschränken.“
Dass die Arbeiten grundsätzlich notwendig sind, bestreitet allerdings kaum jemand. „Wir wissen alle, die Infrastruktur in Berlin ist in vielen Bereichen marode“, erklärt die Bürgerinitiative.
Erste Vorbereitungen laufen bereitsOffiziell soll der erste Bauabschnitt am 24. August beginnen. Die Vorbereitungen vor Ort laufen jedoch schon jetzt.
Für den Herbst kündigen die Berliner Wasserbetriebe zudem einen „Tag der offenen Baustelle“ an. Dort sollen Anwohner Fragen stellen und sich über die Arbeiten informieren können.
Für viele Zehlendorfer bleibt dennoch vor allem eine Zahl hängen: 4,5 Jahre Baustelle auf einer der wichtigsten Verkehrsachsen im Berliner Südwesten.
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