Erst sollten auch auf dem Gelände der Späth’schen Baumschulen Wohnungen entstehen, dann sammelten sich 22.000 Unterschriften. Jetzt hat der Senat sein Konzept beschlossen.
Wer in Baumschulenweg zum Hofladen fährt, im Gasthaus sitzt oder mit den Kindern zur blauen Märchenhütte läuft, hat sich in diesem Frühjahr eine Frage gestellt: Wie lange gibt es das hier noch? Seit März stand die Ankündigung im Raum, dass auch auf einem Teil des Areals der Späth’schen Baumschulen gebaut werden könnte. Jetzt hat der Berliner Senat auf Vorlage von Bausenator Christian Gaebler (SPD) das Struktur- und Nutzungskonzept für das Dreieck Späthsfelde beschlossen: Der 1720 gegründete Betrieb, der als ältestes produzierendes Unternehmen Berlins gilt, bleibt darin zum Glück außen vor.
Das steht im Konzept des SenatsDas Dreieck Späthsfelde gehört zu den größten geplanten Neubauquartieren der Stadt. Rund 2500 Wohnungen sollen dort entstehen, etwa 5000 Menschen sollen später dort leben. Dazu kommen laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung rund zwölf Hektar Gewerbeflächen sowie soziale und kulturelle Einrichtungen, darunter eine neue Schule.

Eine Baumschule ist ein Gartenbaubetrieb, in dem Bäume, Sträucher und andere Gehölze gezüchtet, gepflegt und für den Verkauf an Privatkunden, Unternehmen oder Kommunen herangezogen werden.Daniela Incoronato
Das Leitbild nennt die Verwaltung „kompakter Kiez im Grünen“. Ein durchgehendes Band aus Grünanlagen soll das Quartier durchziehen und vorhandene Flächen und Gewässer einbinden. Von den rund 100 Hektar des Untersuchungsgebiets sind nach Angaben des Senats etwa 50 Prozent für Grün- und Freiflächen vorgesehen. Auch bestehende Kleingärten sollen in das künftige Quartier integriert werden.
Warum die Baumschule um ihre Zukunft fürchteteAls im Herbst 2025 der Siegerentwurf feststand, war von Bebauung auf dem Baumschulgelände keine Rede. Im März dieses Jahres kündigte Gaebler dann an, dass auch dort Wohnungen entstehen sollten. Der Betrieb reagierte alarmiert und startete beim Frühlingsfest eine Unterschriftensammlung. Anfang Juli teilte das Unternehmen mit, dass mehr als 22.000 Menschen die Petition zum Erhalt der Baumschulen unterzeichnet hätten.

Susanne Schmohl, Laura Lichtenheldt, Holger Zahn und Karoline Leu von den Späth’schen BaumschulenDaniela Incoronato
Geführt wird der Familienbetrieb seit wenigen Monaten von drei Frauen: Karoline Leu, Laura Lichtenheldt und Susanne Schmohl. Nach einem Vor-Ort-Besuch des Bausenators im Juni und weiteren Gesprächen mit der Senatsverwaltung änderte sich die Linie.
Was der Senat der Baumschule jetzt zusagtErhalten bleiben sollen demnach neben der Kernfläche auch Orte wie das Gartenbiotop am Karpfenteich. Der Weltacker, die Obstbaumflächen und die Schaugärten sollen in die neuen Grün- und Freiflächen eingebunden werden. Anfang Juli hatte die Bauverwaltung zudem erklärt, dass der Betrieb der Baumschule und die bestehenden kulturellen Nutzungen planungsrechtlich gesichert werden sollen.
Pflanzenverkauf, Hofladen, Gasthaus, Kräutergarten, Märchenhütte, Baumschulenmuseum, das historische Kontorgebäude und die schwarze Scheune würden „durch die Planung nicht tangiert“, heißt es in der Mitteilung des Senats. Gaebler bezeichnet die Baumschulen und das Arboretum der Humboldt-Universität als „wichtige historische und traditionsreiche Identifikationspunkte für die Menschen“.
Kurzfristig ändert sich für Anwohner und Besucher nichts. Die vorbereitenden Untersuchungen für das Areal laufen und sollen laut Verwaltung bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Erst dann steht fest, ob und wie das Quartier langfristig entwickelt werden kann. Der Baustart für einen ersten Teilbereich ist ab 2035 vorgesehen.

So sieht Späthsfelde aktuell noch aus. Hier sollen neben den Späth’schen Baumschulen rund 2500 Wohnungen entstehen.Dirk Laubner/SenStadt
Offen ist eine der wichtigsten Fragen für die Nachbarschaft: die Erschließung. Der Senat nennt die Klärung, wie das Gebiet an Straßen und an den öffentlichen Nahverkehr angebunden wird, ausdrücklich als Voraussetzung für die Realisierung. Aussagen dazu sollen im Struktur- und Nutzungskonzept festgehalten werden. Das Areal liegt überwiegend im Ortsteil Baumschulenweg, im Süden begrenzt von der A113, im Norden vom Britzer Verbindungskanal.
Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Sollen im Dreieck Späthsfelde 2500 Wohnungen entstehen? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.
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