Ein Forscherteam hat sich speziell dem Format der Kurzvideos auf Tiktok, Instagram und Youtube gewidmet und eine Metastudie durchgeführt. Die Erstautorin berichtet, was sie bezüglich der Auswirkungen auf Jugendliche und Kinder feststellen konnte. Ihren Anfang hat die App Tiktok eigentlich bereits 2016 genommen: Bytedance veröffentlichte in China das Original unter dem Namen Douyin. In Deutschland […]
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Ein Forscherteam hat sich speziell dem Format der Kurzvideos auf Tiktok, Instagram und Youtube gewidmet und eine Metastudie durchgeführt. Die Erstautorin berichtet, was sie bezüglich der Auswirkungen auf Jugendliche und Kinder feststellen konnte.
Sorgen Tiktoks für Brainrot? Schnell ist die Verurteilung von Kurzvideos und deren schlechte Auswirkungen gemacht, die Forscherin Marlene Ebster wollte wissen, was an dieser Annahme dran ist. (Foto: sav_an_dreas / Shutterstock)
Ihren Anfang hat die App Tiktok eigentlich bereits 2016 genommen: Bytedance veröffentlichte in China das Original unter dem Namen Douyin. In Deutschland hieß die erste Fassung Musically. Ab 2018 firmierte die chinesische Variante unter dem Namen Tiktok für den globalen Markt – und hat seitdem eine beispiellose Verbreitung gezeigt. Keine andere Social-Media-App ist in knapp zehn Jahren derart gewachsen. Der Dreh- und Angelpunkt sind die Kurzvideos im endlosen Feed und eine große, junge Nutzer:innengruppe. Diese Konfiguration ruft nicht nur besorgte Eltern, Lehrer:innen und Medien auf den Plan.
Die Forschung richtete ihren Blick bislang vorrangig auf die Social-Media-Nutzung allgemein. Marlene Ebster und ihre Kollegen von der Universität Bayreuth, Sebastian Schmidt, Michael Lauerer und Eckard Nagel wollten das ändern. In der Studie „Taming the endless scroll?“ hat das Team speziell die Auswirkungen der Kurzvideos auf Social-Media-Plattformen wie Tiktok, aber auch die Reels auf Instagram und die Youtube Shorts untersucht – mit Fokus auf Jugendliche und junge Erwachsene. Dabei ging es um die Aufmerksamkeit und das emotionale Wohlbefinden. Das Durchschnittsalter der Proband:innen in der Metastudie lag bei 16,8 Jahren. Die Gesundheitsökonomin Ebster ist Erstautorin der Studie und promoviert derzeit an der University of Queensland in Brisbane, wo sie sich mit digitalen Suchtformen wie der „Internet Gaming Disorder“ beschäftigt. Im Interview erzählt sie, welche Erkenntnisse sie durch die Studie gewonnen hat und ob sie selbst ein Social-Media-Verbot – wie in Australien – für sinnvoll hält.

Die Gesundheitsökonomin Marlene Ebster hat in einer Studie zusammen mit Kollegen die tatsächlichen Auswirkungen des Konsums von Kurzvideos auf sozialen Netzwerken untersucht. (Foto: Universität Bayreuth / Marlene Ebster)
MIT Technology Review: Warum haben Sie sich speziell auf Kurzvideos fokussiert?
Marlene Ebster: Weil Kurzvideos inzwischen eines der zentralen Medien junger Menschen sind. Plattformen wie Tiktok, Instagram Reels oder Youtube Shorts sind kein Randphänomen mehr, sondern Teil des Alltags vieler Kinder und Jugendlicher. 2023 war mehr als ein Viertel der Tiktok-Nutzenden zwischen 13 und 17 Jahre alt – und gleichzeitig nutzen Millionen Kinder unter 13 Jahren solche Apps trotz Altersbeschränkungen. Und wir sehen schließlich, dass sie sich – und eigentlich Erwachsene genauso – schwertun, sich von diesen Videos loszureißen. Wenn wir also über digitale Kindheit und Jugend sprechen, kommen wir an Kurzvideos nicht mehr vorbei.
Was ist aus wissenschaftlicher Sicht daran spannend?
Kurzvideos sind nicht einfach nur „mehr Bildschirmzeit“ – wie in der Forschung und in klinischen Empfehlungen oft noch subsumiert wird – , sondern ein eigenes Format: schnelle Bild- und Tonwechsel, algorithmisch zugeschnittene Empfehlungen und ein endloses Weiterwischen von Video zu Video.
Für mich war deshalb die Frage: Was könnte diese Kombination für Aufmerksamkeit, Belohnungsverarbeitung und Selbstregulation bedeuten? Gerade weil ich selbst auch Nutzerin bin, finde ich es spannend zu sehen, wie stark Kurzvideos in der öffentlichen und populärwissenschaftlichen Debatte als besonders schädlich für das Gehirn dargestellt werden. Das klang zunächst eingängig. Aber ich wollte wissen: Was zeigt die Forschung tatsächlich? Lassen sich negative Entwicklungsfolgen wirklich allein aus schnellen Bild- und Tonreizen und stundenlangem Weiterschauen ableiten? Ich bin gewissermaßen wie Indiana Jones in den Dschungel der Kurzvideos abgetaucht.
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