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Ausbildung in der Polizei | Eins, zwei, Polizei

Дата публикации: 26-08-2026 14:55:00

Immer weniger Menschen bewerben sich bei der Berliner Polizei – und fast die Hälfte scheitert am Deutschtest.

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Wer zur Polizei Berlin will, braucht gute »Schub- und Zugkräfte«.

Wer zur Polizei Berlin will, braucht gute »Schub- und Zugkräfte«.

Foto: nd/Jule Meier

Traumberuf Polizist? Für immer weniger Menschen scheint der Job als »Freund und Helfer« in Uniform eine Zukunftsperspektive zu sein. Laut einer Correctiv-Recherche gab es zwischen 2020 und 2025 insgesamt 13,7 Prozent weniger Bewerbungen bei der Polizei Berlin. Besonders stark ist der Rückgang beim gehobenen Dienst in der Schutzpolizei: Hier bewarben sich über 46 Prozent weniger Menschen.

Und wer zur Berliner Polizei will, wird in fast der Hälfte aller Fälle abgelehnt. »Es ist sehr schwierig, Ausbildungs- und Studienplätze zu besetzen«, sagt der Polizeipsychologe Leonard Maier beim Pressetermin in der Polizeiakademie am Dienstag. Warum? Weil 45 bis 50 Prozent der Bewerber*innen Sprachtests auf dem Niveau der neunten und zehnten Klasse nicht schafften.

Ein Diktat entscheidet über die Karriere

Mehrere hundert Beamte werden jährlich in der Polizeiakademie auf dem Gelände der Charlottenburger Chaussee 67 ausgebildet. Hinzu kommen Fortbildungen für bereits ausgebildete Polizist*innen. Direkt gegenüber vom Klärwerk und neben dem Krematorium Ruhleben liegt die Ausbildungsstätte für den mittleren Dienst.

Insgesamt 17 Polizeischüler*innen gehören derzeit zur »Medienklasse«, die sich am Dienstag vor der Presse präsentiert. Im März haben sie ihre Ausbildung gestartet – unter ihnen sechs Frauen. »Wie eine Berufung« sei die Polizei für sie, sagt Schülerin Estella Pearl. Ihr Kamerad Daniel Shreyder nennt es eine »Leidenschaft, anderen zu helfen«. Gerade in Berlin gehe das unter, weil die Polizei »einen bösen Status« habe. »Das ist aber nicht so, wir wollen ja im Endeffekt nur den Menschen helfen«, so der Polizeischüler.

Von der Hilfe als Kernaufgabe in der Polizeiarbeit spricht auch ihr Sportlehrer. Darum prüfe er auch die Zug- und Schubkräfte seiner Schüler*innen. »Es kann auch mal sein, dass jemand wegrennt, der eine Straftat begangen hat.« Deshalb trainiert er die Polizeianwärter*innen auch im Laufen.

Wer zur Polizei möchte, muss seine Fitness in einem Hindernislauf unter Beweis stellen. Beim Sporttest müssen Männer innerhalb von drei Minuten und 23 Sekunden sowie Frauen innerhalb von vier Minuten einen Parcours bewältigen. Dazu gehört das Springen über einen Kasten, das Kriechen unter einer Matte, das Klettern über eine Wand und das Ziehen einer schweren Puppe.

Die Anforderungen des Sporttests können die anwesenden Journalist*innen vor Ort auch mal ausprobieren. Ein »Bild«-Reporter macht den Anfang. »Kämpfe«, ruft ihm der Sportlehrer zu, als er über ein Hindernis springt. »Gib’ nicht auf!«, schreit er, als sich der Reporter zum wiederholten Male über einen Kasten hievt.

Warum so viele abbrechen

Nicht wenige Anwärter*innen geben auf. Das liege an »falschen Vorstellungen« über den Polizeiberuf, wie Polizeipsychologe Maier erklärt. Den Bewerber*innen sei teils nicht klar, dass Schicht- und Wochenenddienst zur Arbeit gehörten – genauso wie das Pauken von Gesetzestexten. »Viele lehnen auch ab, weil sie nicht damit klarkommen, dass man Menschen intensiv anfassen muss«, sagt Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel und packt mit einem Lächeln demonstrativ den Oberarm eines Kollegen.

»Je mehr Fehler ein Bewerber im Diktat macht, desto höher ist die Chance, dass die Person abbricht«, sagt Psychologe Maier. Weder Geschlecht oder Migrationsgeschichte noch Bildungsgrad hätten Einfluss auf die Fehlerquote im Deutschtest. Stattdessen beobachte man, dass das Tastaturschreiben mittlerweile eine rückläufige Fähigkeit sei. Den Deutschtest müssen die Bewerber*innen am PC durchführen. Insgesamt 200 Wörter in 14 Minuten müssen die Bewerber*innen aufschreiben. Darunter beispielsweise »Meldung«, »Polizei«, »Zeuge« und »Notruf«.

Keine Gesinnungsprüfung, aber ein Blick auf die Werte

Neben körperlicher Fitness, Intelligenz und Sprachfähigkeit testet man bei den Polizeibewerber*innen auch die Persönlichkeit. »Man muss unterscheiden zwischen Persönlichkeitseigenschaften, wo man sagt: Du wirst es schwer haben im Polizeiberuf. Zum Beispiel, wenn man extrem introvertiert ist, dann wird es schwierig, mit den Bürger*innen zu sprechen«, sagt Polizeipsychologe Maier im Gespräch mit »nd«.

Und dann gebe es noch das Thema Werte. »Da ist es ganz wichtig, dass man keine extremistischen Haltungen einnimmt und dass man überzeugend rüberbringen kann, dass man sich klar zur Demokratie bekennt und dass man weiß, dass die Polizei eine sehr wichtige Aufgabe hat für die Demokratie.« Eine Gesinnungsprüfung gebe es bei der Polizei Berlin jedoch nicht. »Aber es gibt aus Studien verschiedene psychologische Merkmale, die zusammenhängen mit extremistischen Wertehaltungen«, sagt Maier. Und die teste man bei den Bewerber*innen.

Werte seien bei der Polizei schon immer wichtig gewesen und nun noch wichtiger. »Ich habe da aber ein sehr gutes Gefühl bei unserer jungen Zielgruppe – die sind da einfach anders aufgestellt. Gerade wenn man in Berlin zur Schule geht und ganz viele Klassenkamerad*innen hat, die verschiedene kulturelle Kontexte haben, dann ist das einfach für die Generation in großen Teilen ganz normal geworden, dass man ein gutes Miteinander pflegt und alle sexuellen Orientierungen vertreten sind«, sagt Maier. Da habe Berlin einen Vorteil gegenüber anderen Bundesländern. »Die Stadt ist so bunt und das bilden unsere Bewerber*innen auch ganz gut ab.«

Konkurrenzkampf um Nachwuchs
Die Polizei konkurriert mit anderen Behörden um Nachwuchs.

Die Polizei konkurriert mit anderen Behörden um Nachwuchs.

Foto: nd/Jule Meier

Allerdings zahlen die Bundespolizei und das Land Brandenburg mehr Geld. Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel spricht deswegen auch von »starker Konkurrenz« für Berlin. Insbesondere in den sozialen Medien wirbt die Polizei Berlin darum für den Dienst in der Hauptstadt. Unter dem Motto »Hundertzehn Prozent Berlin« berichten Beamte über die Anforderungen in der Ausbildung, über ihren Alltag im Einsatz und klären über Mythen auf – zum Beispiel darüber, dass der Bewerbungsprozess so lange dauere. In sechs Wochen lasse sich der Prozess abschließen. »Bei aktiver Mitarbeit«, betont Slowik Meisel.

Ein besonderes Highlight im Netz ist die Serie »Hundertzehn« von »Funk«, dem öffentlich-rechtlichen Onlinemedium für junge Menschen. Die Serie, die man auf Youtube schauen kann, zeigt junge Polizist*innen im Einsatz auf den Straßen Berlins. Zeitweise habe man überlegt, das Programm zu pausieren, weil die Protagonist*innen so bekannt geworden seien, berichtet Polizeipsychologe Maier.

In einer aktuellen Folge begleitet man Domenic, Orhan und Marc auf Streife am Kottbusser Tor in Kreuzberg. Sie nehmen mutmaßliche Drogendealer fest und werden auf dem Weg zur »Kotti-Wache« von einer Passantin angesprochen, die den Polizisten vorwirft, Racial Profiling zu betreiben. Racial Profiling meint das überproportionale Kontrollieren von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe und Herkunft.

Bei den augenscheinlich migrantischen jungen Männern finden die Beamten verschreibungspflichtige Medikamente. Die Polizisten zeigen die Festgenommenen außerdem an, weil sie keine gültige Aufenthaltsgenehmigung haben. »Ich mache einfach nur gewissenhaft meinen Job«, spricht ein Beamter in die Kamera. Warum man der Polizei Racial Profiling vorwerfe, verstehe er nicht.

Die Polizei Berlin sucht dringend Nachwuchs. Demografischer Wandel und fehlende Sprachkenntnisse mögen einen Teil des Rückgangs der Bewerberzahlen erklären. Vielleicht liegt ein anderer aber auch bei der Polizei selbst: Die jüngere Generation mit einem stärkeren Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit lässt sich vom Bild des »Freund und Helfers« nicht mehr ohne Weiteres überzeugen.

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