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Bildung | Berlin findet richtige Lehrer

Дата публикации: 21-08-2026 14:00:00

Der Anteil der zum neuen Schuljahr eingestellten Quereinsteiger ist auf zehn Prozent gesunken.

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Nur in den Ferien leeres Klassenzimmer: Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) am Freitag in der Hausburg-Grundschule

Nur in den Ferien leeres Klassenzimmer: Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) am Freitag in der Hausburg-Grundschule

Foto: dpa/Jens Kalaene

So wie Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) rechnet, ist unter den für das am Montag in Berlin beginnende Schuljahr neu eingestellten Lehrern nur noch jeder zehnte ein Quereinsteiger. Etwa 60 Prozent der neu Eingestellten haben demnach ein Lehramtsstudium absolviert, die übrigen studieren noch, sind aber zumeist kurz vor dem Abschluss.

Die oppositionellen Grünen schildern die Situation so, dass es sich gleich ganz anders anhört. Ihnen zufolge konnten von den knapp 3700 vakanten Stellen bis zum 1. Juli nur knapp 800 Stellen mit voll ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden. Selbst bei Einbeziehung der noch weiterarbeitenden Ruheständler liege der Anteil voll ausgebildeter Lehrkräfte lediglich bei 28 Prozent.

»Die CDU muss sich daran messen lassen, ob die Situation an den Schulen tatsächlich besser wird«, sagt Grünen-Fraktionschef Werner Graf. »Bislang ist dafür noch kein Plan erkennbar. Noch immer fehlen zu viele Lehrkräfte, um unseren Kindern die Bildung zu ermöglichen, die sie verdienen.« Grafs Fraktionskollege Louis Krüger ergänzt: »Die CDU hat im Wahlkampf behauptet, sie habe den Lehrkräftemangel drastisch reduziert. Die Zahlen zum Schuljahresstart zeigen: Das Problem ist nicht gelöst.«

Senatorin Günther-Wünsch betont dagegen am Freitag bei einem Termin in der Hausburg-Grundschule, bei ihrem Amtsantritt im Frühjahr 2023 sei ein Lehrkräftedefizit von 1500 Vollzeitstellen prognostiziert worden. Bis November 2025 habe dieses Defizit auf 207 Stellen reduziert werden können. Wesentlich für eine gute Personalausstattung sei die Wiedereinführung der Verbeamtung der Lehrer.

Zwei Jahrzehnte lang hatte die Hauptstadt von ihren Lehrern nur noch die Schulleiter verbeamtet. Beamter blieb ansonsten, wer es bereits war oder wer mit dem Status aus einem anderen Bundesland nach Berlin wechselte. So waren im Schuljahr 2022/23 nur noch 29,2 Prozent der Berliner Lehrkräfte verbeamtet und die anderen waren Angestellte. Inzwischen hat sich das Verhältnis beinahe umgekehrt. Lediglich noch 37 Prozent der Berliner Lehrkräfte sind nicht verbeamtet.

Das Land Brandenburg machte seine Pädagogen die ganze Zeit zu Beamten und will davon nun auch nicht mehr abgehen. »Wir müssten Lehrkräfte nicht verbeamten«, weiß Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU). Praktisch will er es jedoch weiter tun. Sonst hätte Brandenburg im Wettbewerb um Lehrernachwuchs einen Nachteil gegenüber anderen Bundesländern wie jetzt auch Berlin. »Wir müssten ja bescheuert sein, wenn wir in einer solchen Situation aus der Verbeamtung aussteigen«, sagt Hoffmann. Seinem Bundesland ist nichts anderes übrig geblieben, als viele Quereinsteiger einzustellen. Für das nächste Woche beginnende Schuljahr waren wieder etwas mehr als die Hälfte der Kollegen, die Brandenburg neu einstellte oder deren befristete Arbeitsverträge es entfristete, Seiteneinsteiger.

Brandenburgs Schulen werden von 324 000 Kindern und Jugendlichen besucht. In Berlin sind es knapp 405 000, darunter 35 550 Schulanfänger. Insgesamt hat sich die Zahl der Berliner Schüler noch einmal um 1200 erhöht, und die Zahl wird weiter steigen. Erst 2030 ist das Plateau erreicht. Der zuletzt geburtenstärkste Jahrgang ist mittlerweile vier Jahre alt. Vor zwei Jahren ist die Zahl der Geburten eingebrochen.

»Obwohl eigentlich keiner mehr Kinder bekommt, haben wir viele in Berlin.«

Katharina Günther-Wünsch Bildungssenatorin

»Obwohl eigentlich keiner mehr Kinder bekommt, haben wir viele in Berlin«, bemerkt Günther-Wünsch. Das liegt auch an Zuzügen. So werden weiter Schulen gebaut, weil viele Klassenzimmer voll und sogar überfüllt sind. Neun neue Schulen sind zum neuen Schuljahr fertig, darunter ein Gymnasium an der Schulstraße im Bezirk Mitte, eine Grundschule in der Hirtestraße, eine Sekundarschule in der Kalker Straße und eine Gemeinschaftsschule am Eisenhutweg in Treptow-Köpenick sowie eine Grundschule und eine Sekundarschule an der Bruno-Baum-Straße und an der Garzauer Straße in Marzahn-Hellersdorf. In allen neun Schulen zusammen ist Platz für 5742 Schüler.

Berlin hat aber noch ein Defizit von 24 100 Schulplätzen und darum geht der Neubau weiter. Bis zum Schuljahr 2027/28 sollen sechs weitere Schulen mit zusammen 2944 Plätzen gebaut werden. Dazu gehört der Ersatzneubau des Heinrich-Hertz-Gymnasiums am Ostbahnhof. Außerdem entstehen sieben sogenannte Modulare Ergänzungsbauten.

Die Hausburg-Grundschule verfügt bereits seit 2021 über einen solchen hochmodernen Ergänzungsbau aus Holz. Hier, wo dann auch noch Spanischkenntnisse bereits ab der ersten Klasse vermittelt werden und Schüler Preise bei Wettbewerben gewinnen, präsentiert sich eine Bildungssenatorin natürlich gern. Selten bis nie laden regierende Politiker in eine marode Problemschule ein und schon gar nicht einen Monat vor der nächsten Abgeordnetenhauswahl.

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