KI versetzt Onlinehändler in Aufruhr, Micron bringt sich als Nvidia-Nachfolger in Stellung und ein KI-Wunderkind mit Hedgefonds. Unser Newsletter „Tech Update“ liefert wöchentlich exklusive Recherchen, Analysen und News zu Start-ups und Innovationen.
Liebe Leserin, lieber Leser.
Gleich zwei europäische Firmen hatten in dieser Woche ihren IPO: das italienische Unternehmen Bending Spoons und die deutsch-finnische Quantenfirma IQM – beide entschieden sich für die amerikanische Börse. Während IQM am ersten Handelstag höchstens mit einem lauwarmen Achselzucken begrüßt wurde, hatte Bending Spoons einen besseren Start (siehe weiter unten).
Das sind unsere Topthemen diese Woche:
Angriff der Agenten – KI-Alarm bei Zalando, Amazon und Douglas
Ist die Billionenfirma Micron das neue Nvidia?
Der Hedgefonds des deutschen KI-Wunderkinds Leopold Aschenbrenner
Noch Platzhirsche, bald Relikte? KI-Shopping-Agenten zwingen Zalando, Otto und selbst Amazon zur Neuausrichtung
Illustration: Peter Crowther / Début Art / manager magazin
Einkaufen mit einem Berater, der euren Geschmack kennt – so die Vision Googles für die neue Shoppingwelt. Dahinter steckt ein radikaler Machtanspruch: KI-Agenten sollen Preise vergleichen, Produkte auswählen und auf Wunsch gleich bezahlen. Google könnte damit noch mehr Geld verdienen. Für die Händler wäre das nach der E-Commerce-Revolution gleich die zweite Disruption innerhalb einer Generation. Nur diesmal drohen auch die Gewinner der ersten Disruption wie Zalando oder Amazon zu unsichtbaren Zulieferern der Techkonzerne zu schrumpfen. Denn wer künftig die Agenten kontrolliert, kontrolliert Kundenbeziehungen, Werbegelder und am Ende die Margen. Für ihre exklusive Recherche haben meine beiden Kollegen Jonas Rest und Martin Mehringer unter anderem Zalandos Co-Chef David Schröder (43) besucht und mit vielen Tech- und Retailprofis gesprochen. Selbst für die Größten in der Branche gibt es Grund zur Nervosität.
Überflügelt mit 68 Jahren sogar Tesla: Micron-Chef Sanjay Mehrotra
Foto: Masamine Kawaguchi / APMicron galt lange als eher „langweiliger“ Speicherchip-Zulieferer, der 1978 im Kartoffelstaat Idaho gegründet wurde. Jetzt aber katapultiert der KI-Boom den Konzern plötzlich in die Tech-Topliga: Mit mehr als einer Billion Dollar Börsenwert und Zahlen, die selbst hartgesottene Analysten staunen lassen. Was steckt hinter dem Hype um das angeblich „neue Nvidia“? Und wie viel davon ist Superzyklus, wie viel gefährlich eingepreiste Zukunft? Meine Kollegin Mirjam Hecking erklärt das Micron-Mirakel.
Der Deutsche im Valley: KI-Veteran und -Wunderkind Leopold Aschenbrenner
Foto:Josh Edelson
Leopold Aschenbrenner (24), deutsches KI-Wunderkind, begeistert derzeit mit seinem Hedgefonds Situational Awareness LP zahlreiche Investoren. Zuvor hatte er bereits für Aufsehen gesorgt: Als Sicherheitsforscher verließ er OpenAI – und warnte in seinem Essay „Situational Awareness“ eindringlich vor einer möglichen „Selbstzerstörung der Menschheit“. Meine Kollegin Mirjam Hecking beschreibt, welche Wetten Aschenbrenner nun mit seinem Hedgefonds eingeht.
Florian Seibel (46), Quantum-Systems-Chef, hat eines der größten Fundings der deutschen Start-up-Geschichte abgeschlossen: Rund eine Milliarde Euro haben Geldgeber wie Advent, Blackstone oder Airbus in die Drohnenfirma aus München investiert. Ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zum Börsengang, wie meine Kollegen Caspar Schelnk und Jonas Rest berichten.
Dominik Benner (43), Chef und Großaktionär von The Platform Group (TPG), ist der Wirtschaftsprüfer abhandengekommen. Bei der Hauptversammlung der TPG diese Woche scheiterte die Wiederwahl des Wirtschaftsprüfers – mit über 70 Prozent der Stimmen. Das kommt bei deutschen Börsenfirmen höchst selten vor. Nun könnte ein Gericht entscheiden. Es ist ein deutliches Misstrauensvotum an das Unternehmen.
Mit dem AI Impact Award zeichnen das manager magazin und Porsche Consulting wegweisende Anwendungen von künstlicher Intelligenz in Unternehmen aus. Wir würdigen damit konkrete Projekte und Pionierleistungen, die bereits echten wirtschaftlichen Mehrwert schaffen. Wenn ihr selbst so ein KI-Projekt betreibt oder eines vorschlagen wollt, bewerbt euch hier für den AI Impact Award 2027 .
Träumt vom Umbau: Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker
Foto:Liesa Johannssen / Trade Republic
Trade Republics neue Wette: Für den Berliner Neobroker beginnt eine neue Epoche, mit mehr Börsen, mehr Daten und hoffentlich mehr Erträgen. Da die Provisionszahlungen der Handelsplätze künftig verboten sind, stellt Mitgründer Christian Hecker (36) den kompletten Tradingprozess um. Und gleichzeitig startet er einen Frontalangriff auf Rivalen wie FlatexDegiro. Meine Kollegin Katharina Slodczyk hat das Ganze für uns eingeordnet.
Mister Spex geht auf harten Sanierungskurs. Der Brillenhändler schließt sein Logistik- und Produktionszentrum in Berlin. 125 Beschäftigte verlieren ihre Jobs. CEO Tobias Krauss (50) verspricht Millionenersparnisse und träumt von einer „Agentic AI Company“ – obwohl er zuletzt auch im Techteam stark ausgedünnt hat. Mehr Hintergründe hier.
Handreichung ins Weiße Haus: KI-Firmen wie OpenAI und Anthropic hatten zuletzt Ärger mit der US-Regierung und mussten die Veröffentlichung ihrer neuesten Produkte verschieben. Nun schlägt OpenAI-Chef Sam Altman (41) eine Staatsbeteiligung vor – nach dem Vorbild von Intel.
Also doch: Google ist mit seiner Berufungsklage gescheitert und muss 4,1 Milliarden Euro Strafe an die EU zahlen. Nicht die erste Strafe. Aber der Konzern konnte die Bußgelder zuletzt gut verkraften.
In dieser Woche debütierte der italienische App-Aufkäufer Bending Spoons auf dem Börsenparkett: Seit Mittwoch ist die Firma am amerikanischen Nasdaq gelistet. Bis dato mit großem Erfolg – am Donnerstag erreichte die Aktie ein Plus von 40 Prozent und notiert aktuell bei rund 38 Dollar. CEO Luca Ferrari (41), dessen Aufstieg und perfide Methoden wir hier schon mal ausführlich beschrieben haben , kann das freuen. Er und seine beiden Mitgründer waren bereits vor dem Börsengang – zumindest auf dem Papier – Milliardäre.
Lenbensphasenplaner: Softbank-Boss Masayoshi Son will noch nicht aufhören, wie eine Seite in der Investorenpräsentation zeigt
Das jährliche Investorenmeeting von Softbank ist zwar schon wieder ein paar Tage her, aber die Präsentation von CEO Masayoshi Son (68) war einfach zu gut, um sie an dieser Stelle nicht noch kurz zu erwähnen. Sein ursprünglicher Lebensplan hatte es vorgesehen, in seinen 60ern aufzuhören und sein Geschäft zu übergeben. Son möchte aber doch noch nicht abtreten und lieber in seinen 70ern mit seiner Firma „Superintelligenz“ erreichen. In der Vergangenheit hatte er schon häufiger über Softbank als „die Gans, die goldene Eier legt“, gesprochen. Das durfte auch in der diesjährigen Präsentation nicht fehlen. „Eier legen keine Eier. Die Gans legt die Eier.“ Und Softbank sei die Fabrik, die Eier lege. Leider würden das die Aktionäre aber nicht erkennen, beschwerte Son sich: „Wie lange muss ich kämpfen, um euch zu überzeugen, dass die Gans einen guten Job gemacht hat?“
Wir wissen es leider auch nicht.
Nun wünschen wir euch einen schönen Freitag, denn das war es schon wieder mit dem aktuellen „Tech Update“. Leitet den Newsletter gern an andere Interessierte weiter. Abonnieren könnt ihr uns hier, damit ihr auch in Zukunft keine Ausgabe verpasst.
Und wie immer: Fragen, Anmerkungen oder Kritik gern an tech-update@manager-magazin.de .
Viele Grüße
Eure Sarah Heuberger