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Neuer Wilder Westen in Kalifornien? Wald wird zur autonomen Zone

Дата публикации: 21-09-2026 10:25:35

Nach einer dramatischen Geiselnahme in einem kalifornischen Waldgebiet wächst die Angst vor Straftaten. Die Polizei ist überfordert.

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Es liest sich wie der dramatische Einstieg in einen Thriller: ein einsamer See, zwei Biologinnen auf der Suche nach Frosch-Spuren – und ein Mann, der die beiden Frauen mit einem halb automatischen Gewehr bedroht, fesselt und kidnapped. Sein Motiv: bisher noch unklar.

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Die Geschichte wurde jetzt im US-Magazin „The Atlantic“ veröffentlicht. Sie malt ein beinahe dystopisches Bild der Wälder Nordkaliforniens – und wirft die Frage auf, ob sie noch sicher sind. Oder ob jetzt eine neue Wildwest-Ära anbricht, in der Gesetz, Recht und Ordnung nur noch eine untergeordnete Rolle spielen könnten. Doch was genau war geschehen?

US-Forscherinnen bei der Arbeit entführt

Die beiden Forscherinnen waren im Auftrag der Regierung am Gumboot Lake im Siskiyou County, das im Norden Kaliforniens liegt. Ein idyllischer Ort mitten in der Natur. Hier gibt es nicht viel, außer einem eher unscheinbaren Campingplatz und viel Stille. Die Forscherinnen suchten hier nach Spuren des sogenannten Kaskadenfrosches. Anhand dessen Gesundheitszustands lassen sich Rückschlüsse auf das hiesige Ökosystem ziehen.

Auch an dem betreffenden Julimorgen waren die beiden Frauen wieder auf der Suche. Dann wurden sie plötzlich von Joseph Charles Henrichsen überrascht, der die beiden Frauen nach Angaben der ermittelnden Behörden mit einem AR-15-Gewehr bedrohte. Er forderte sie auf, sich umzudrehen und die Hände in die Luft zu heben. Anschließend fesselte er die beiden Forscherinnen mit Kabelbindern und forderte sie auf, zu seinem Campingwagen zu gehen.

Eine der Frauen ließ er bei seinem Sohn Phoenix im Campingwagen zurück, die andere begleitete er nach kurzer Zeit zurück zu ihrem Truck und fuhr mit ihr in der Gegend herum. Während der Fahrt telefonierte er nach Angaben des FBI unter anderem mit dem Forest Service, der örtlichen Forstbehörde: „Ich habe zwei Regierungsermittlerinnen als Geiseln genommen. Ich würde jetzt gerne mit einem verdammten Bundesermittler (Federal Investigator, Anm. d. Red.) mit einer verfluchten Marke sprechen, bestenfalls mit jemandem vom FBI. Dann können wir die Dinge mal etwas durchsprechen.“ In einem weiteren Telefonat erwähnte er außerdem, dass er bewaffnet und mit scharfer Munition ausgestattet sei, um jeden „aufzumischen, der sich mit mir anlegt“.

Geiselnahme: Swat-Teams, Helikopter und Panzerfahrzeuge kommen zum Einsatz

In den folgenden Stunden wurde die Gegend mit Einsatzkräften förmlich überflutet. Swat-Teams, Scharfschützen und mehr als 50 FBI-Agenten suchten fieberhaft nach den verschleppten Frauen. Zudem wurden gepanzerte Fahrzeuge und Helikopter angefordert, per Flugzeug wurde zudem ein Geiselrettungsteam des FBI eingeflogen.

Nach einer Weile nahm Henrichsen Kontakt mit den Behörden auf. Über das Funkgerät im Wagen seiner Geiseln kontaktierte er die Agenten. Danach kehrte er zu seinem Trailer zurück und erklärte sich bereit, die Geiseln freizulassen, sollte er zuvor mit einem Agenten des FBI sprechen können. Einer der FBI-Ermittler erklärte sich dazu bereit. Die beiden sprachen über neun Stunden miteinander. Schließlich wurden beide Geiseln in einem Abstand von sechs Minuten freigelassen – unverletzt.

Schließlich ergaben sich Phoenix und Joseph Charles. Im folgenden Prozess plädierten beide auf „nicht schuldig“. Joseph Charles habe niemanden verletzen wollen, und sein Sohn Phoenix habe beteuert, ungewollt in die Situation hineingezogen worden zu sein. Er habe seinem Vater nur gehorcht, da er Angst vor etwaigen Konsequenzen gehabt habe.

Kidnapping in Kalifornien: Täter saß in psychiatrischer Einrichtung

Henrichsen war bereits zuvor polizeibekannt, nachdem er einen Nachbarn terrorisiert hatte. Dabei soll Henrichsen unter anderem Feuerwerkskörper auf die Veranda seines Nachbarn gefeuert und dort Handschellen aus Kabelbindern hinterlassen haben. Wegen dieses Zwischenfalls wurde er schließlich zu sechs Monaten Haft verurteilt. In einem Gerichtsbericht wurde vermerkt, dass er unter psychischen Problemen litt. Früher soll Henrichsen erfolgreich als Makler für Hypothekendarlehen gearbeitet haben. Nach einigen geschäftlichen Schwierigkeiten folgte auch noch die Trennung von seiner Frau, die er demnach nur schwer verkraftet habe.

Einer Auswertung zufolge litt er unter Schizophrenie oder einer vergleichbaren psychischen Erkrankung. Kurze Zeit verbrachte er in einer psychiatrischen Einrichtung, wurde jedoch schnell wieder entlassen. Wie es so weit kommen konnte, dass Henrichsen zwei Geiseln nahm, und welches Motiv dahintersteckte, ist noch immer ungeklärt.

Kriminalität steigt: Autos der Park-Ranger werden zerstört

Der Fall Henrichsen scheint jedoch nur Ausdruck eines größeren Problems in der Region zu sein. In den vergangenen Jahren scheint ein Wind der Kriminalität rund um den Gumboot Lake zu wehen. Vor allem die Autos der Mitarbeiter des Forest Service wurden dabei immer wieder zum Ziel. Geklaute Batterien, gestohlene Reifen, abgelassenes Benzin sind nur ein Teil der Vorkommnisse. Immer wieder wurden Bergstraßen von gewaltbereiten Zivilisten blockiert. Immer mehr Graffitis, Müll und mangelnde Rücksicht gegenüber der Natur – diese Probleme scheinen im Zusammenhang fast zur Nebensache zu verkommen. Wanderer meiden die Gegend. Wie ein Passant dem „Atlantic“ berichtete, seien Aufeinandertreffen mit Bären oder Berglöwen angenehmer als mit den Menschen, die sich in dieser Region dauerhaft aufhalten würden.

Am Gumboot-Lake-Campingplatz versammeln sich vorwiegend Personen aus dem esoterischen Spektrum. Einige der Camper feiern bei Vollmond unter anderem mit einem Trommelkreis. Hier gibt es kein fließendes Wasser, kaum Handyempfang und nur eine einzige Toilette. Obwohl man sich hier maximal sieben Tage aufhalten darf, bleiben viele Leute deutlich länger und leben in ihren Autos. Die meisten seien friedlich, sagte Gabriel Howe, der geschäftsführende Direktor des Siskiyou Mountain Clubs, gegenüber dem „Atlantic“. Es gebe aber auch die zehn Prozent, die in der Region Drogen und „allerlei andere böse Dinge“ herstellten.

Die Polizei ist nur selten in dieser Region. Die regelmäßige Überwachung des Gebiets gestaltet sich schwierig, da die Region über 7000 Quadratkilometer umfasst und die Einsatzkräfte stark unterbesetzt sind. In der Gegend um den Gumboot Lake sei sogar niemand dauerhaft stationiert, wie der „Atlantic“ herausfand. Perfekter Nährboden für eine Parallelgesellschaft, die ihre eigenen Regeln und Gesetze schafft. Der Fall Henrichsen könnte somit nur der Auftakt sein.

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