Der Landkreis St. Wendel bleibt 2025 der sicherste im Saarland. Insgesamt sinkt die Zahl der Straftaten, in der Kreisstadt steigt sie jedoch. Welche Delikte den Ausschlag geben, zeigt die Polizeiliche Kriminalstatistik.
St. Wendel · Der Landkreis St. Wendel bleibt 2025 der sicherste im Saarland. Insgesamt sinkt die Zahl der Straftaten, in der Kreisstadt steigt sie jedoch. Welche Delikte den Ausschlag geben, zeigt die Polizeiliche Kriminalstatistik.
25.08.2026 , 04:55 Uhr
Mit der Aufklärungsquote der Polizei im Jahr 2025 im Landkreis St. Wendel zeigt sich der Leiter der Polizeiinspektion in St. Wendel zufrieden.
Foto: dpa/Marcus BrandtIn seiner neuen Funktion als Leiter der Polizeiinspektion St. Wendel stellt Polizeirat Pascal Nesseler erstmals die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für den Landkreis St. Wendel vor. Dabei setzt auch er eine lange Tradition fort, indem er verkünden kann, dass die Region mit 3464 Straftaten insgesamt im saarlandweiten Vergleich der Landkreise und des Regionalverbands das positive Schlusslicht bildet. Damit ist das St. Wendeler Land statistisch betrachtet besonders sicher. Es folgen die Landkreise Merzig-Wadern mit 5.294 erfassten Straftaten, Saarpfalz mit 6.723, Neunkirchen mit 7.703, Saarlouis mit 11.786 und der Regionalverband Saarbrücken mit 30.280 Delikten. Im Saarland insgesamt liegt die Zahl der erfassten Straftaten bei 66.372 und bewegt sich damit nahezu auf dem Vorjahresniveau. Gegenüber dem Jahr 2024 sind lediglich 765 Delikte mehr in die Statistik eingeflossen.
Während im Landkreis St. Wendel die Straftaten im Jahr 2025 insgesamt rückläufig waren (2024 waren es noch 3.557 Delikte), gab es in der Kreisstadt einen Anstieg zu verzeichnen. „Die Fallzahlen sind auf 1.598 gestiegen. Das bedeutet ein Plus von 56 Fällen“, sagt Nesseler und deutet auf einen Auszug aus der Statistik, der als Ausdruck vor ihm auf dem Tisch in der Einsatzzentrale liegt. Der Zuwachs an Delikten habe vor allem mit vermehrten Diebstählen zu tun. Erfreulich sei hingegen der Rückgang bei den sogenannten Rohheitsdelikten. Dazu zählen unter anderem Körperverletzung, schwerer Raub und Stalking (Nachstellung). Dieser Trend gilt auch für den kompletten Landkreis, für den insgesamt 333 Delikte erfasst wurden, was ein Rückgang von 44 Fällen bedeutet. Die Zahl der Körperverletzungen sank auf 225. Im Bereich Raub sei ein kleiner Anstieg zu verzeichnen gewesen. Hier spricht Nesseler von einer „Zahlennuance“.
Eines der Themen innerhalb der Kriminalstatistik, das die Bürger häufig bewegt, sind die Wohnungseinbrüche und -diebstähle. 2024 erreichte der Landkreis St. Wendel mit 46 erfassten Delikten den niedrigsten Stand seit dem Corona-Jahr 2021 mit 45 Fällen. Der Höchstwert der zurückliegenden Jahre datiert aus dem Jahr 2016 mit 95 Delikten. Die Zahl, welche die PKS für 2025 ausweist, liegt zwischen dem tiefsten und höchsten Wert: Mit 61 erfassten Straftaten ist in diesem Bereich gegenüber dem Vorjahr ein Plus zu verzeichnen. Wobei Nesseler anmerkt: „29 Fälle davon blieben im Versuchsstadium.“ Für die Betroffenen mache dies im ersten Moment oft keinen Unterschied, weiß der erfahrene Polizist. Die Wirkung bleibe die gleiche. Das Zuhause, das ein Ort der Sicherheit und Geborgenheit war, ist es nicht mehr.
Einen Einfluss auf das generelle Sicherheitsempfinden von Bürgern kann jener Komplex in der Statistik haben, der sich mit „Straftaten gegen das Leben“ befasst. In diese Deliktsgruppe werden Tatbestände wie Mord, Totschlag/Tötung auf Verlangen, fahrlässige Tötung und Schwangerschaftsabbruch eingeordnet. Im vergangenen Jahr erfasste die PKS saarlandweit 49 Fälle in dieser Rubrik. Für den Landkreis St. Wendel sind sieben vermerkt – einmal Mord, sechs Fälle im Bereich Totschlag/Tötung. Vier Mal sei die Tat im Versuchsstadium geblieben. In der Vergangenheit fand sich über viele Jahre in dieser Deliktgruppe für den Landkreis St. Wendel stets die Zahl null, im Jahr 2024 wurden zwei Fälle ausgewiesen. Warum dieser Anstieg?
Um keinen falschen Eindruck bei den Bürgern entstehen zu lassen, erklärt Nesseler, dass die „Polizeiliche Kriminalstatistik alle bekannt gewordenen Straftaten nach ihrer strafrechtlichen Einordnung zum Zeitpunkt des Abschlusses der polizeilichen Ermittlungen abbildet.“ In der Deliktsgruppe würden sowohl vollendete als auch versuchte Straftaten erfasst.
Der Polizeirat verdeutlicht seine Aussagen anhand eines konstruierten Beispiels: „Im Jahr 2027 ermittelt die Polizei in drei Fällen wegen fahrlässiger Tötung. Die Verfahren werden bei uns abgeschlossen und gehen an die Staatsanwaltschaft, die wiederum die Verfahren einstellt, sei es beispielsweise aus Mangel an Beweisen oder bewiesener Unschuld. In diesen Fällen bleibt die Zahl drei trotzdem in der PKS unter der Rubrik ,fahrlässige Tötung‘, da die PKS die Arbeit der Polizei abbildet und nicht die Arbeit der Justiz widerspiegelt.“
Auch entspreche der Zeitpunkt der Aufnahme in die Statistik nicht zwingend der Tatzeit. Nesseler macht ein weiteres Beispiel eines angenommenen Verbrechens: „Es findet ein Tötungsdelikt im Juni 2026 statt. Daraufhin wird eine Ermittlungsgruppe gebildet, die bis in das Jahr 2027 einen Täter ermittelt. Das Tötungsdelikt wird mit Abgabe des Falles an die Staatsanwaltschaft in der PKS erfasst und wird somit im Jahr 2027 aufgeführt.“
Ein weiterer Aspekt ist dem Polizeirat wichtig, um die Zahl sieben in der Rubrik „Straftaten gegen das Leben“ in die richtige Relation zu setzen. „Die in der Tabelle zusätzlich ausgewiesene Zahl von Versuchen bezieht sich lediglich auf die entsprechenden versuchten Delikte innerhalb dieser Untergruppen. Daraus kann jedoch nicht im Umkehrschluss gefolgert werden, dass die übrigen Fälle vollendete Tötungsdelikte waren“, betont Nesseler. Eine solche Schlussfolgerung lasse die PKS ausdrücklich nicht zu.
Eine Zahl in der Statistik, die den St. Wendeler Polizeichef freut, ist jene, die neben dem Stichwort Aufklärungsquote vermerkt ist: 58,2 Prozent. Bezogen auf den Landkreis St. Wendel ist das „aus meiner Sicht ein mehr als guter Wert.“