16. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin mit 1.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Freiburg eröffnet I Im Fokus: „palliativ . leben im grenzland“ I Palliativmedizin kann Übertherapie am Lebensende wirksam vermeiden I Flächendeckender Zugang zur Palliativversorgung dringend notwendig I DGP-Geschäftsführer mahnt: Palliativversorgung aktuell in großer Gefahr I Mitten in Freiburg: Poetry Slam, Bürgerforum & Leben, Sterben und alles dazwischen
16. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin mit 1.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Freiburg eröffnet I Im Fokus: „palliativ . leben im grenzland“ I Palliativmedizin kann Übertherapie am Lebensende wirksam vermeiden I Flächendeckender Zugang zur Palliativversorgung dringend notwendig I DGP-Geschäftsführer mahnt: Palliativversorgung aktuell in großer Gefahr I Mitten in Freiburg: Poetry Slam, Bürgerforum & Leben, Sterben und alles dazwischen
Rund 1.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer befassen sich noch bis zum 26. September beim 16. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin in Freiburg mit dem Motto „palliativ – leben im grenzland“. Dies knüpft nicht nur an die geographische Region an, sondern laut Kongresspräsidentin Prof. Dr. Gerhild Becker auch an das, was Palliativversorgung in besonderer Weise bestimmt: „‘Leben im Grenzland‘ heißt, sich dort zu bewegen, wo Sicherheiten schwinden, fachliche und menschliche Grenzen erfahrbar werden und neue Orientierung gefunden werden muss – eine Herausforderung, die die Lebenswirklichkeit von Palliative Care wesentlich prägt.““
Der deutschsprachige Kongress bietet hierzu diverse Fortbildungsformate und Inhalte zu fünf Themenkomplexen an. Der Palliativkongress integriert zudem Beiträge und Teilnehmende aus den angrenzenden Nachbarländern wie Schweiz, Frankreich und Österreich.
„Das Grenzland steht für die Grenzen medizinischer Möglichkeiten, für persönliche Belastungsgrenzen und für die Grenzen, an die wir in gesellschaftlichen Debatten stoßen.“ ergänzt Dr. Verena Wetzstein, ebenfalls Kongresspräsidentin. „Wir können die Grenzen des Lebens nicht aufheben. Aber wir können entscheiden, wie wir uns an diesen Grenzen begegnen: ob wir Menschen mit ihrer Verletzlichkeit alleinlassen oder Verantwortung füreinander übernehmen. Genau darin liegt eine zentrale Aufgabe von Palliative Care – und zugleich eine gesellschaftliche Aufgabe, die weit über die medizinische Versor-gung hinausweist.“
Flächendeckender Zugang zur Palliativversorgung dringend notwendig
„Gleichzeitig stoßen wir politisch an Grenzen.“ betont Prof. Dr. Claudia Bausewein, bis zur Vorstands-wahl am Vortag Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. „Aktuell erscheint die Zukunft der stationären Palliativversorgung nicht gesichert.“ Nach sechs Jahren als Präsidentin der wissenschaftlichen Fachgesellschaft hat dies ihrem Einsatz für eine hochqualifizierte Palliativversorgung zwar keinen Abbruch getan – in der Überarbeitung von Leitlinien, in Forschung und Weiterbildung, in der interprofessionellen Teamarbeit, der Information der Öffentlichkeit u.v.a.m. –, doch wünscht sich Bausewein vor allem im Sinne der häufig schwer belasteten Patientinnen und Patienten dringend, dass ihnen der Zugang zur ambulanten und stationären Palliativversorgung erleichtert wird.
Dies unterstreicht auch Gerd Nettekoven, Vorstandsmitglied der Deutschen Krebshilfe, welche den Kongress finanziell und ideell unterstützt: „Der Bedarf an Palliativmedizin wird in Deutschland aufgrund der demografischen Entwicklung und steigender Krebserkrankungen weiter zunehmen. Hier den Blick auf zwingende Notwendigkeiten und künftige Herausforderungen zu verlieren, wäre fatal. Im Sinne schwerkranker Menschen braucht es daher jetzt nicht weniger, sondern mehr Engagement für eine qualitätsgesicherte und flächendeckende palliativmedizinische Versorgung. Die mühsam in den vergangenen Jahrzehnten auch mit unserer Unterstützung aufgebauten Strukturen zu schwächen wäre ein Rückschritt und an der Bedarfssituation vorbei gedacht. Palliativmedizin ist kein Zusatzangebot, son-dern ein unverzichtbarer Bestandteil einer modernen und menschenwürdigen Gesundheitsversorgung.“
Palliativmedizin kann Übertherapie am Lebensende wirksam vermeiden
Der Ausbau der weiteren palliativmedizinischen Strukturen und Handlungsräume gerät zunehmend ins Stocken mit Blick auf den Personalmangel, insbesondere den Mangel an Pflegefachpersonen, mit Blick auf die Finanzierungsprobleme im Gesundheitswesen, mit Blick auf die berufspolitisch so eng gesetzten Grenzen der ärztlichen Weiterbildung oder auch mit Blick auf die sich verselbständigende Dynamik der Sterbehilfepraxis, erklärt Prof. Dr. Bernd Alt-Epping, am Vortag gewählter Präsident der Deutschen Ge-sellschaft für Palliativmedizin.
Es sei an der Zeit, so Alt-Epping, den Blick insbesondere auf das Kompetenzprofil zu lenken: „Palliativmedizin kann durch ihre besondere therapeutische Grundhaltung wirksam zur Vermeidung von Übertherapie am Lebensende beitragen.“ betont Alt-Epping: „So lassen sich Schäden und Belastungen von Betroffenen wie von Mitarbeitenden abwenden und gleichzeitig Ausgaben im Gesundheitssystem durch nicht mehr zielführende medizinische Interventionen verhindern.“
DGP-Geschäftsführer mahnt: Palliativversorgung aktuell in großer Gefahr
Deutliche Herausforderungen bringen derzeit die Krankenhausstrukturreform und die Notfallreform mit sich. DGP-Geschäftsführer Heiner Melching erklärt: „Die Palliativversorgung im Krankenhaus ist aktuell in großer Gefahr. Dies gilt insbesondere für die dringend benötigten Palliativdienste in Krankenhäusern ohne Palliativstation.“ Selbst wenn die Folgen der Krankenhausstrukturreform für die Palliativmedizin noch nicht detailliert abzusehen seien, zeichnen sich doch erhebliche Verschlechterungen und Herausforderungen ab: „Bereits jetzt können sich Palliativstationen und dringend benötigte Pallia-tivdienste nicht dem Bedarf entsprechend weiterentwickeln und müssen teilweise sogar die Tätigkeit einstellen.“ Ein deutlicher Bedarf zeige sich ebenso in der Notfallversorgung. „Die Notfallreform und die Empfehlungen zur Reformierung des Rettungsdienstes haben zwar das Problem von häufigen Palliativsituationen bei Notfalleinsätzen erkannt, jedoch ohne, dass daraus bislang tragfähige Konzepte resultieren.“
Mitten in Freiburg: Poetry Slam, Bürgerforum & Leben, Sterben und alles dazwischen
Über den fachlichen Austausch hinaus stellt es ein besonderes Anliegen des Kongresses da, die breite Öffentlichkeit „mitzunehmen“, so Dr. Claudia Sigwarth, Vorsitzende des Lokalen Komitees: „Mit einem vielfältigen öffentlichen Veranstaltungsprogramm werden wichtige Impulse in die Stadtgesellschaft getragen. Ziel ist es, Sterben, Tod und Trauer aus der Tabuzone zu holen und Menschen zu ermutigen, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen – denn sie gehören zum Leben und betreffen uns alle.“ Ziel ist, den Schwung des Fachkongresses auch dafür zu nutzen, in Freiburg und im Umland den Aufbau einer gemeinschaftsorientierten Sorgekultur im Sinne einer Caring Community zu fördern.
Dabei müssen die Angebote der Palliativ- und Hospizversorgung einen sicheren Rahmen bilden, betont Prof. Dr. Claudia Bausewein: „Der aktuell veröffentlichte Wertekompass der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin definiert die Leitplanken unserer Arbeit.“ Mit den zentralen Werten Wissenschaftlichkeit, Interprofessionalität auf Augenhöhe, Solidarität, Verantwortung, Würdevoller Umgang, Vielfalt und Letztverlässlichkeit hat die DGP in enger interner Abstimmung mit über 45 internen Gremien ein Leitbild aufgestellt, das „in gesellschaftlich und politisch herausfordernden Zeiten von herausragender Bedeutung“ ist, so auch das persönliche Fazit von Claudia Bausewein ihrer sechs Jahre Präsidentschaft.
1.800 Teilnehmer:innen aus diversen Berufsgruppen der Palliativversorgung
Die rund 1.800 Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer kommen aus allen in der palliativen Versorgung engagierten Berufsgruppen: aus der Medizin, der Pflege und anderen Gesundheitsberufen wie Körper- und Kreativtherapien ebenso wie aus Psychologie, Sozialarbeit, Seelsorge/Spiritual Care sowie aus der Wissenschaft. Ausdrücklich eingeladen sind ehrenamtlich Engagierte und interessierte Bürgerinnen und Bürger.
16. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin
https://palliativkongress.org/
DGP-Kongress Freiburg I Lokales Rahmenprogramm
https://palliativ-freiburg-2026.de/programm
Presse-Akkreditierung:
https://palliativkongress.org/presse/
Wertekompass der DGP:
https://www.dgpalliativmedizin.de/wertekompass/
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Medizin
überregional
Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
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