Später Nachmittag an der Playa de Palma. Es sind 33 Grad. Die Sonne knallt mit voller Wucht auf den Carrer de Llaüt an der Bierstraße und die fein zurecht gemachte Gesellschaft transpiriert eifrig. Wirtin Feli Bohrmann steht gegenüber von ihrem „Deutsches Eck“ auf der anderen Straßenseite. Dort wo einst das Restaurant „Anders“ war. Bekannt wurde das Lokal dadurch, dass es praktisch nur sehr unregelmäßig geöffnet hatte. Hinzu kamen sichtbare Ermüdungserscheinungen bei dem Betreiber-Paar.
Später Nachmittag an der Playa de Palma. Es sind 33 Grad. Die Sonne knallt mit voller Wucht auf den Carrer de Llaüt an der Bierstraße und die fein zurecht gemachte Gesellschaft transpiriert eifrig. Wirtin Feli Bohrmann steht gegenüber von ihrem „Deutsches Eck“ auf der anderen Straßenseite. Dort wo einst das Restaurant „Anders“ war. Bekannt wurde das Lokal dadurch, dass es praktisch nur sehr unregelmäßig geöffnet hatte. Hinzu kamen sichtbare Ermüdungserscheinungen bei dem Betreiber-Paar.
Jetzt haben die Bohrmanns übernommen, die seit über 20 Jahren erfolgreich das „Deutsches Eck“ am Kopf der Bierstraße führen. Die vergangenen zwei Monate wurde im „Anders“ renoviert, über den neuen Namen und das Konzept schwiegen sich die Bohrmanns aus. Kurz vor der Eröffnung ist das Namensschild von rotem Tuch abgedeckt. „Vielleicht nennen sie es ja das Andere Eck“ mutmaßt Nona Hilbert, bekannt als die Partyputze vom Ballermann, die extra zur Eröffnung angereist ist.
Doch der ebenfalls geladene TV-Restauranttester Pepe Palme hat da etwas anderes gehört. „Heimatliebe“, raunt er. Ernsthaft? Heimatliebe?
Das Geheimnis um den Namen ist gelüftetEin paar Minuten später lüften die Eheleute Bohrmann das Geheimnis, das längst keines mehr ist. Das rote Tuch fällt. Auf dem Schild steht "Heimatliebe". Es sieht harmlos aus. „Krass wäre gewesen, wenn sie die Frakturschrift wie beim Deutsches Eck verwendet hätten“, sagt ein Gast und lacht. Doch so kommt es freundlich daher. Ganz einfach ist das mit dem Namen jedoch nicht zu beantworten, wie Feli Bohrmann bei Nachfrage feststellen muss. „Ich lebe seit 18 Jahren hier, dauert nicht mehr lang, dann lebe ich länger in Spanien als in Deutschland“, sagt die gebürtige Bochumerin. „Außerdem sagen wir immer die 17 Bundesländer, weil Mallorca gehört ja mit dazu. Und hier sollen sich alle heimisch fühlen. Das Gefühl zur Heimat ist ja auch ein bisschen Deutschland – und gleichzeitig Mallorca-Liebe“.

Michael Bohrmann öffnet mit seiner Frau ein zweites Lokal. / Frank Feldmeier
Kulinarische Reise durch die „17 Bundesländer“Und da ja Deutschland aus mehreren Regionen und verschiedenen Geschmäckern besteht, wird das im Konzept der „17 Bundesländer“-Wochenkarte berücksichtigt. Schon bald sollen sich Hamburger, Berliner, Bayrische oder Rheinische Spezialitäten abwechseln. Dazu passend hängen in den hell gehaltenen Räumlichkeiten Wahrzeichen der verschiedenen Bundesländer. Ein Konzept das weniger auf ein kosmopolites Publikum zielt, sondern auf Lokalpatrioten mit Heimweh, aber Tofu-Toleranz setzt. So stehen neben der Leberknödelsuppe (8,90 Euro) und dem Ratsherrenteller (23,80 Euro) auch ein Rote Beete Carpaccio (15,90 Euro) oder eine Lachs Avocado Bowl (20,90 Euro) zur Auswahl.
Ein Name mit DiskussionspotenzialZu Kontroversen dürfte weniger die Gerichteauswahl führen, denn der Begriff Heimatliebe an sich. Einerseits ist er nostalgisch besetzt und verbreitet wohlige Geborgenheit, andererseits durch Vereinnahmung und Verklärung belastet. Ob die „17. Bundesländer“ in der mallorquinischen Gesellschaft Begeisterung auslösen werden, dürfte ebenfalls mit einem Fragezeichen zu versehen sein, vor allem angesichts der aufgeheizten Stimmung.
Diskutiert werden kann das ab sofort im Carrer de Lläut 9 an der Playa de Palma. Geöffnet ist das „Heimatliebe“ ab Donnerstag 10.9. täglich von 8 bis 23 Uhr.