KI plant Reisen – doch die Superreichen setzen weiterhin auf Menschen. Luxus-Reiseberater erfüllen selbst absurdeste Wünsche und sind rund um die Uhr erreichbar. Warum persönliche Betreuung trotz KI-Boom wieder an Bedeutung gewinnt.
KI plant Reisen – doch die Superreichen setzen weiterhin auf Menschen. Luxus-Reiseberater erfüllen selbst absurdeste Wünsche und sind rund um die Uhr erreichbar. Warum persönliche Betreuung trotz KI-Boom wieder an Bedeutung gewinnt.
Olivia Ferney lässt sich durch kaum etwas aus der Ruhe bringen. Die kanadische Reise-Expertin für Spezialaufträge richtet sich ganz nach den Wünschen ihrer wohlhabenden Kundschaft.
Jeder von ihnen gibt jährlich mindestens eine Million Dollar (etwa 855.000 Euro) für Reisen aus – zusätzlich zu einer Mitgliedsgebühr von 100.000 Dollar (etwa 85.500 Euro) für ihre Agentur Top Tier Travel.
Die Anfragen sind extravagant, wie etwa der Flug nach Paris, um ein frisches Croissant zu holen, oder gar absurd: „Ruf an, wen auch immer du anrufen musst“, damit es aufhört zu regnen. Ihre außergewöhnlichen Erlebnisse begeistern rund zwei Millionen Fans in den sozialen Medien und werden derzeit sogar für eine Fernsehserie adaptiert.
Reiseberater tun oft alles Menschenmögliche für ihre Kunden. Das ist mit ein Grund, warum Menschen sie im Zeitalter von KI-Reiseplänen („AI-tineraries“) immer noch nutzen. In Großbritannien buchte im vergangenen Jahr etwa ein Drittel der Reisenden seinen Urlaub über einen menschlichen Spezialisten, schätzt der britische Branchenverband ABTA.
Auf der anderen Seite des Atlantiks vertritt die American Society of Travel Advisors (ein weiterer Branchenverband) mehr als 310.000 Berater – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 190.000 im Jahr 2024.
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LinkedIn listete den Beruf kürzlich als einen der am schnellsten wachsenden in Amerika auf (obwohl das Bureau of Labor Statistics davon ausgeht, dass er im Zeitraum bis 2034 langsamer als der Durchschnitt wachsen wird).
Menschen wenden sich vor allem wegen „Geschmack und Urteilsvermögen“ bei der Gestaltung von Reisen an Reiseberater, erklärt Evan Frank, Mitbegründer der Luxusreise-Agentur Fora. Erfahrene Experten punkten mit exzellenten Länderkenntnissen und einem Netzwerk exklusiver Partnerhotels.
Viele von ihnen haben sich zudem auf hochspezifische Nischen spezialisiert: Sie organisieren maßgeschneiderte Urlaube für Menschen mit Lebensmittelallergien oder konzipieren Angebote für Touristen, die allein oder in Begleitung ihrer Haustiere reisen möchten.
Abgesehen vom Fachwissen bieten Reiseberater aber noch etwas: ein Sicherheitsnetz, das viele Kunden sehr beruhigt. Man kann seine KI schließlich nicht anrufen, wenn das Zimmer falsch ist oder man den Transfer verpasst hat, gibt Evan Frank zu bedenken.
Ein menschlicher Berater ist dagegen bei jedem Problem für einen da – oder eben, wenn man Lust auf ein Croissant hat. Gerade bei geopolitischen Unruhen oder extremem Wetter, wenn Buchungen riskanter wirken, gehen die Menschen lieber auf Nummer sicher und buchen über ein Reisebüro.
Die Berater mögen zwar über die Schwächen der KI lästern, nutzen sie aber oft selbst bei der Arbeit. Einige Agenturen behandeln KI sogar wie ein „Teammitglied“, stellt ABTA-Chef Mark Tanzer fest.
Sie lassen Bots die Aufgaben erledigen, die Menschen zu langweilig sind. Fora hat so ein milliardenschweres Business aufgebaut, indem sie ihren Beratern eine KI-Plattform an die Hand geben, die den Papierkram und die Verwaltung beschleunigt.
Da Bots immer besser darin werden, Reisen zu planen, verlassen sich die Menschen in Zukunft vielleicht weniger auf menschliche Berater. Doch der exklusive Premium-Service wird wahrscheinlich Bestand haben. Die Kunden von Frau Ferney genießen es einfach, sie bei Wind und Wetter erreichen zu können.
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